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Leistungssport

Benjamin Hassan nach Fitness-Kur
zum Meistertitel

Bei den Nationalen Deutschen Hallen Meisterschaften sicherte sich Benjamin Hassan vom Bundesligisten TK Kurhaus Aachen den letzten Meistertitel im Jahr 2020. In Biberach an der Riß, wo seit zehn Jahren in Folge die nationalen Titelkämpfe ausgetragen werden, bezwang der 25jährige gebürtige Saarländer (Merzig) im Finale Elmar Ejupocic (Bad Homburg) nach drei hart umkämpften Sätzen mit 4:6,7:6,6:4.

Biberach, ein idyllisches knapp 40 000 Einwohner zählendes Städtchenim Oberschwäbischen zwischen Ulm und dem Bodensee gelegen, ist kein international renommierter Turrnierort. Aber während andererorts weltweit Coronabedingt Turniere abgesagt werden mussten, wurde in Biberach gespielt. Natürlich unter Corona Schutzbestimmungen, die trotz der knappen Vorbereitungszeit vom Ausrichter, dem Württembergischen Tennis Bund, zu alller Zufriedenheit gestemmt werden konnten.

Die Ausrichter dachten auch an die Tennis-Fans. Da Zuschauer nicht zugelassen waren, konnten auf einer Streaming Plattform live im Internet alle 94 Matches verfolgt werden. Ab dem Halbfinale präsentierte der Veranstalter mit Mischa Zverev am Mikrofon einen prominenten und kompetenten Co-Kommentator. Der hatte im Herren Finale viel zu berichten, bevor nach drei Stunden der Sieg von Bennie Hassan feststand.

„Ich bin ganz ohne große Erwartungen nach Biberach gekommen“, kommentierte der neue Titelträger, der die deutsche und libanesische Staatsangehörigkeit besitzt, später am Telefon seinen bislang größten Erfolg. „Ich wollte möglichst weit kommen“. Hat geklappt – mehr geht nicht. Für beide Finalisten war der Turnier- Schlusspunkt ein hartes Stück Arbeit was sich auch in dem Ergebnis (4:6,7:6, 6:4) wiederspiegelt. Trotz des Erfolgs blieb Bennie nach dem Matchball selbstkritisch. „Ich hab mich schwer getan. Aber in den engen Phasen fand ich immer die richtigen Lösungen“, outet er sich als Taktikstratege.

Nach Oscar Otte hat der TVM nach 2015 mit Benjamin Hassan somit einen weiteren Deutschen Meister, der als „Zugereister“ aber - wieder mal Corinabedingt - für seinen neuen Verein Kurhaus Aachen noch gar nicht aufschlagen konnte. Die letzte Bundesligasaison fiel bekanntlich der Pandemie zum Opfer.

„Ich hoffe, dass ich in der nächsten Saison meine Qualitäten auf dem Platz auch für Aachen in der Bundesliga unter Beweis stellen kann“, blickt er positiv nach vorne. Er ist sich aber im klaren, dass vor dem ersten Aufschlag im Aachener Kurpark aufgrund der gesundheitspolitischen Großwetterlage noch viele Fragzeichen stehen.

Bennie Hassan hat nach Stationen in Neuwied und beim TC Palmengarten zuletzt für Ludwigshafen in der 2. Bundesliga gespielt. Seine bislang größten Turniererfolge waren die Viertel- bzw. Halbfinale-Teilnahmen bei den Challenger in Provence und Vicenza.

Eine Schambein Entzündung stoppte anschließend seine Ambitionen. „Es war eine schlimme Zeit,“ beschreibt er sein Zwangspause. Ich hatte zugenommen und wog auf einmal 100 Kilogramm“. Er beschloss, so kann das nicht weitergehen. Mit seinem Trainer Dominik Meffert verordnete er sich eine rigorose Trainingskur. „In den letzten 20 Wochen arbeitete ich nur an meiner Fitness – von morgens acht bis nachmittags um fünf“, erinnert er sich auch mit Stolz an die Intensiv-Therapie, deren Erfolge sich sehen lassen konnten: Platz 1 bei den Deutschen Meisterschaften und 15 Kilo weniger auf der Waage.

Tennis spielen gelernt hat Bennie Hassan bei seinem Vater. Damals lebten die Eltern bereits im Saarland. Sie kamen aus dem Libanon, wo der Vater auch ein bekannter Tennisspieler war. Er erkannte schnell Bennnies Talent im Umgang mit dem kleinen Filzball. „Ich hab mit sechs Jahren die ersten Bälle geschlagen“, erinnert sich Bennie an seine Anfänge. Es machte Spaß. Probleme bekam er später mit dem Trainingsaltag. „Das war nicht so mein Ding. Ich war damals auch zum Leidwesen meines Vaters ziemlich faul“, gibt Bennie ehrlich zu.

Tennis wurde zwischenzeitlich zweitrangig, andere Interessen wichtiger. Bennie machte Abitur und studierte anschließend Englisch und Sport. Tennis spielte er weiter auf Sparflamme. Die Tennis Begeisterung war aber nie weg. Nach ein paar Semestern an der Uni bekam er wieder Bock auf Tennis. „Ich wollte es noch einmal wissen“, brachte er seine Entscheidung gegen den Hörsaal für den Tenniscourt auf den Punkt. .

Dominik Meffert (l.), der Bemjamin Hassan sowohl als Einzelspieler als auch im Aachener Bundesligateam coacht, freute sich mit seinem Schützling über den Meistertitel in Biberach.

Sein Bauchgefühl gab ihm recht. Die Tenniskarriere nahm noch einmal Fahrt auf. Auch in der Heimat seiner Eltern wurde man auf sein Talent aufmerksam. Er wurde zu Turnieren in den Libanon eingeladen. Man wollte ihn auf seine Davis Cup Tauglichkeit für den Libanon testen. Das Casting war erfolgreich. Jetzt mussten nur noch formale Voraussetzungen abgeklärt werden. Da er einen libanesischen Personalausweis hat, stand einer nachträglichen Staatsbürgerschaft nichts im Weg.

Fünf Mal spielte er seitdem für den Libanon im Davis Cup. Im nächsten Jahr besteht im September die Möglichkeit mit einem Sieg über Brasilien in die Welt Gruppe aufzusteigen. Über Tennis hinaus hat die Familie immer noch Kontakt zur alten Heimat. Erleichtert waren alle, dass bei der schweren Explosion in Beirut im Sommer niemand aus der Familie und dem Freundeskreis zu Schaden kam. „Ein Onkel und ein Cousin hatten viel Glück“, erinnert sich Benjamin Hassan an die grausamen Bilder, die um die Welt gingen.

Groß war der Jubel als Benjamin Hassan mit dem Davis Cup Team des Libanon im Frühjahr Thailand bezwungen hatte

Bis zum nächsten Davis Cup-Einsatz plant Bennie noch viele Turniere, ein Vorhaben, das wegen der Corona Situation gar nicht so einfach ist. Er bleibt Optimist und ehrgeizig. „Ich brauche Punkte für die Weltrangliste“. Aktuell ist er die Nummer 367 der Welt. Er benötigt also noch ein paar Siege um sich einen Platz unter den 250 Besten zu sichern. Dann wäre die Quali für die Grandslam Turniere gesichert.

2021 hat der neue Deutsche Meister somit noch einiges vor. Er hofft, dass es bald wieder „normal“ weitergeht, auch in der Bundesliga. Seinen neuen Verein Kurhaus Aachen will er als Deutscher Meister natürlich nicht enttäuschen. Sein Coach Dominik Meffert, der auch das Aachener Bundesliga Team trainiert und betreut, hat ihm den Wechsel nach Aachen schmackhaft gemacht. Andere Angebote waren kein Thema für ihn.

Sollte die Tennis Zwangspause weiter anhalten, wird es Benjamin Hassan nicht langweilig werden. „Vielleicht bringe ich mein Studium zu Ende“, denkt er auch an später. Ganz schnell will er auf jeden Fall seiner thailändischen Freundin, die er in Koblenz kennen gelernt hat, Tennis beibringen. Sie war auch in Biberach dabei. Daumendrücken war aber nur im Hotelzimmer möglich. Wegen der Hygienemaßnahmen durfte nur Bennies Coach mit in die Halle. Corona Zeiten eben. Im nächsten Jahr, so hoffen alle, soll alles wieder anders werden. Dann wird groß gefeiert. Bei den 50-jährigen Jubiläum-Meisterschaften will Bennie Hassan in Biberach seinen Titel verteidigen - vor Zuschauern versteht sich.

Michael Thoma