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Leistungssport

1. Bundesliga Damen: BW Aachen startet am 3. Mai

Am 3. Mai werden in der Frauen Bundesliga wieder die ersten Bälle auf Sand geschlagen. Aus dem TVM ist mit Blau-Weiss Aachen nur ein Team vertreten, das in den letzten beiden Jahren immer nur knapp hinter dem Liga Primus, Essen-Bredeney, den 2. Platz, also die Vizemeisterschaft belegen konnte. Vier Mal blickt die Mannschaft des Trainer Ehepaars Steffi und Thilo Fritschi in ihrer Erstligazugehörigkeit nun schon auf einen Vizetitel zurück. Es waren immer knappe Entscheidungen, die häufig erst mithilfe des Rechenschiebers gelöst wurden. Vor zwei Jahren waren die Aachenerinnen das einzige Team, das den großen Favoriten besiegen konnte.

Trotz der selbstbewussten Vergangenheit wollen die Blau-Weissen in dieser Saison kleinere Brötchen backen. „Es wäre vermessen vorherzusagen, dass wir auch in diesem Jahr eine ähnliche Rolle spielen könnten wie zuletzt“, äußert sich Coach Thilo Fritschi skeptisch realistisch. Also keine Vorfreude auf einen möglicherweise weiteren Zweikampf zwischen den Niederrhein und Mittelrhein Aushängeschildern. „Wir haben einige verletzte Spielerinnen, bei denen wir Stand heute noch nicht absehen können, ob sie rechtzeitig wieder fit sind“, nennt der Coach einen Grund. “Ähnlich reserviert äußerst sich Teammanager Marc Zander: „Für uns wird es darauf ankommen, wie wir das Auftakt Wochenende bewältigen. Gelingt uns in Hamburg bzw. bei RW Berlin wenigstens ein Sieg, können wir zufrieden sein. Dann sehen wir weiter.“ Der Club an der Alster Hamburg zählt für ihn neben Essen Bredeney zu den Favoriten. „Die sind noch stärker aufgestellt als im Vorjahr.“ Über das Super Top Team der letzten drei Jahren aus dem Herzen des Ruhrgebiets müssen nicht viele Worte verloren werden.

Ein Blick auf den Kader des Triple Siegers reicht. Er kann allen anderen Angst einflößen. Neben der Nummer 1 Tatjana Maria sind mit Laura Siegemund, Jule Niemeier und Anna-Lena Friedsam drei deutsche Spitzenspielrinnen erst auf den Plätzen acht, neun und zehn gemeldet. Ein kleines Fünkchen Hoffnung bleibt nach Meinung des Aachener Team Managers die alljährlich wiederkehrende Tennis-Weisheit: „Es wird letzlich darauf ankommen, wer am Spieltag auf dem Platz steht.“

Auf die eigenen Ambitionen angesprochen ist sich das blau-weisse Trainer Ehepaar Steffi und Thilo Fritschi aber einig: Mit dem Abstieg wird ihre Truppe nichts zu tun haben. Ein Platz im Mittelfeld sollte möglich sein. Einig sind sich beide aber auch bei der erweiterten Zielvorstellung „An den vorderen Plätzen darf aber auch geschnuppert werden.“

Das Trainer- und Coaching Duo, das seit 1999 viele Jahre in Aachen vor Ort im Verein ihren Trainerjobs in vielfältiger Weise nachging, lebt seit dem letzten Jahr bekanntlich wieder in Freiburg, dem Geburtsort von Thilo Fritschi. In der Heimat arbeitet er als Filialleiter einer Lebensmittelkette. „Wir fühlen uns hier sauwohl“, beschreibt er die Auszeit vom reinen Tennisalltag. Eine Rückkehr ist derzeit nicht geplant. Probleme mit dem Bundesliga Coaching gibt es nicht. „Die Spielerinnen kommen zu den Spielen immer aus allen Winkeln der Erde angereist. Wir haben aus dem Schwarzwald auf jeden Fall die kürzeste Anreise nach Aachen,“ merkt das Trainerehepaar schmunzelnd an.

Zwei Tage vor den Bundesligaeinsätzen treffen sich alle auf der Anlage am Luxemburger Ring. Viele von ihnen, die im Winter nicht in Aachen vorbeigeschaut haben, werden sich möglicherweise verdutzt die Augen reiben. Denn es hat sich einiges getan auf der Anlage, die zuletzt einer Baustelle glich. Im Rahmen des Masterplans 25 waren während der letzten Monate die Bagger angerückt. Für die Errichtung einer zweiten Traglufthalle (Plätze 6 und 7) mussten zahlreiche Bauarbeiten vorgenommen werden, die aber zum Saisonbeginn abgeschlossen waren. Für die künftigen Wintermonate ist der Club mit den beiden Traglufthallen bestens aufgestellt. Aber das ist längst nicht alles. Eine große Fahrradparkstation, weitere Tribünen sowie neu angelegte Zuwege zu den Plätzen sowie die Photovoltaik-Anlage sind weitere Ergebnisse der blau-weissen Visionen, die auch optisch der Anlage ein neues Gesicht geben. Das soll längst nicht alles sein. In einer 2. Phase des Masterplans 25 sind noch weitere größere Projekte geplant.

Zurück zum Sport. Wie in den letzten Jahren haben die Verantwortlichen bei Blau-Weiss um Team-Manager Marc Zander und dem Trainer Team vor der Saison auf dem Transfermarkt nicht großartig zugeschlagen. Lediglich zwei neue Namen tauchen in der Meldeliste auf. Leolia Jeanjean aus Frankreich (WTA 140) und Iryna Shymanowich aus Weißrussland (WTA 188) sind auch für die Insider Namen, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Nicht mehr dabei ist die letztjährige Nummer 1 der Meldeliste, Maryna Zanevska aus Belgien, die, so Thilo Fritschi, aus gesundheitlichen Gründen ihre Laufbahn, beendet hat. An Position 1 wird Aleksandra Krunic (WTA 99) also ein Top 100 Spielerin aufschlagen, gefolgt von Ysaline Bonaventure (WTA 109), die schon jahrelang die blau-weisse DNA verkörpert. „Wir legen wie all die Jahre Wert auf einen gesunden Teamgeist. Diese Stärke hat sich zuletzt immer bestätigt“, preisen die Verantwortlichen des Clubs ihre Philosophie und hoffen damit wieder an die zuletzt erfolgreichen Zeiten anknüpfen zu können.

Der Terminplan meinte es in diesem Jahr für alle Mannschaften nicht besonders gut. Die Saison ist ein lang gestreckter Zeitraum von Anfang Mai bis Mitte Juli mit zwei längeren Pausen, die auch die Kaderplaner vor zusätzliche Probleme stellt. Mal abwarten, wer am besten damit klar kommt. Für Blau-Weiss Aachen beginnt der Erstligaalltag mit zwei Auswärtsspielen. Zunächst geht es in den hohen Norden, wo beim Club an der Alster Hamburg aufgeschlagen wird. „Die zählen meiner Meinung auch auch zum Favoritenkreis“, ordnet Thilo Fritschi das Team aus der Hansestadt ein. Von Hamburg geht es auf direktem Weg nach Berlin. Gegner ist hier zwei, Tage später (5. Mai), der LTTC Rot-Weiss Berlin. Der hatte zum Saisonstart den Favoriten aus Essen Bredeney zu Gast. Die Ergebnisse werden für alle beteiligten einen Fingerzeig auf den weiteren Verlauf der Saison geben. Berlin sollte für die Blau-Weiss Macher auf jeden Fall eine Reise wert sein. „Dort sollten wir gewinnen,“ ist aus dem Trainer-Haushalt Fritschi zu vernehmen. Auch für Team Manager Marc Zander ist es ganz wichtig, wie das Team aus den Startlöchern kommt. „Ein Sieg am Auftaktwochenende ist wichtig für den weiteren Saisonverlauf.“

Zur Saison Heimpremiere erwartet Aachen zwei Wochen später (17.5.) das Team von BW Dresden Blasewitz. Bis zum nächsten Aufschlag dauert es dann wieder ein paar Wochen. Erst am 7. Juni geht es für die Aachenerinnen weiter. Und wieder steht eine längere Reise auf dem Programm, dieses Mal gen Süden zum Aufsteiger, dem VfL Sindelfingen, ein Gegner, der für Thilo Fritschi und Marc Zander, nicht leicht auszumachen ist.

Zwei Tage später trifft der Vizemeister der letzten Jahre auf der eigenen Anlage auf Waldau Stuttgart, die vom Auswärtsspiel in Essen Bredeney direkt Aachen ansteuern. Das Team aus der schwäbischen Landeshauptstadt ist ein Lieblingsgegner von Aachen. „In unserer 12 jährigen Bundesligazugehörigkeit haben wir gegen die Spielerinnen aus Stuttgart noch nie verloren“, erinnert sich Steffi Fritschi. So soll es bleiben.

Weiter geht es dann für alle Teams zu den beiden letzten Finalspielen der Saison erst wieder im Juli. Aachen muss dann wie bereits angedeutet auswärts beim Ligafavoriten Essen Bredeney ran. Eine Woche später klingt dann - ebenfalls an einem Samstag – die Saison für die Aachenerinnen mit einem Heimspiel gegen Blau-Weiss Berlin aus. „Wir hoffen, dass dann alles schon geklärt ist und nicht unnötigerweise gezittert oder gerechnet werden muss“, sind sich bei Blau-Weiss alle einig. Also kein finaler Stress. Es sei denn man darf entgegen eigener zurückhaltender Prognosen doch noch von einem Platz ganz vorne träumen. Das Rechnen wird dann zur leichtesten Übung.


Text: Michael Thoma

Bilder Marc Zander