1. Bundesliga Herren: Kurhaus Aachen auf Platz 5
In der 1. Bundesliga der Herren hat Kurhaus Aachen in der Abschlusstabelle den 5. Platz belegt. Neuer Meister der Liga ist der TC Bredeney, der das Team von GW Mannheim auf den 2. Tabellenplatz verwies. Dritter wurde der TC Großhesselohe. Absteigen muss Blau-Weiss Neuss. Der letztjährige Deutsche Meister vom Rochusclub Düsseldorf stand nach seinem kurzfristigen Rückzug vor der Saison bereits als erster Absteiger fest.
„Wenn wir wie im Vorjahr den 5. Platz belegen, wäre das sensationell“, drückte Teamchef Alexander Legsding seine Erwartungshaltung vor zwei Monaten aus. Inzwischen klingt es nicht mehr so reißerisch. „Wir sind zufrieden mit unserem Abschneiden.“
Mit einem 5:1 Sieg im letzten Heimspiel gegen den TC Rosenheim wurde das 20-jährige Jubiläum in der Bundesliga entsprechend gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass auch in der nächsten Saison Erstliga-Tennis im Kurpark geboten wird. Die Zuschauer:innen kamen noch einmal auf ihre Kosten und wurde damit bereits auf die kommende Spielzeit eingestimmt. Sie wollten ja auf keinen Fall absteigen. Und inzwischen winkt ja auch im nächsten Jahr das Lokalderby gegen den Aufsteiger Blau-Weiss Aachen. Die Fans in Aachen und im TVM dürfen sich freuen.
Somit ist nach der Saison auch alles im grünen Bereich. Mehr Ambitionen, oben eventuell mitzuspielen, wurden vorab nicht in Erwägung gezogen. „Wir befinden uns im Umbruch“, lautete bei der Zielformulierung immer wieder der Hinweis. „Wir wissen nicht wo wir stehen.“
Der Umbruch
Die Kader-Zusammenstellung der Kurhaus-Macher ist somit aufgegangen. Immerhin mussten Spitzenkräfte wie Tim Pütz oder Yannick Hanfmann, die zum TC Bredeney gewechselt sind, ersetzt werden. Und der Coach war nicht nur mit dem Tabellenstand zum Schluss zufrieden. Mehr noch. Er bescheinigte der neu zusammengestellten Mannschaft einen „besseres Teamgeist“ als im Vorjahr. Sie waren damit auch ein wenig stolz auf sich, auf die richtigen Typen gesetzt zu haben. Stichwort Umbruch. Die Italiener Francesco Passaro und Flavio Cobolli sowie Timofey Skatov aus Kasachstan oder der portugiesische Routinier Sousa verinnerlichten schnell die Kurhaus DNA. „Sie haben sich sehr wohl gefühlt und auch sehr viel Herzblut investiert“, unterstrich Alexander Legsding auch nach dem letzten Matchball die Einstellung seiner Neuen. Auch Coach Dominik Meffert war „sehr zufrieden“. „Der Umbruch mit den jungen Spielern hat geklappt. Skatov und Passaro haben konstant gepunktet.“
Alles richtig gemacht also. Davon hat sich auch Hauptsponsor Dr. Hermann Bühlbecker, der wichtigste Bundesliga Akteur des Clubs außerhalb des Aschenplatzes, ein Bild gemacht. „Er war von der Mannschaft begeistert, besonders auch von dem Auftritt unserer Nummer 1 Quentin Halys, dem er gegen den Kroaten Pedro Cachin im Spiel gegen Palmengarten eine Weltklasseleistung attestierte.“ So übermittelte es jedenfalls der Teamchef, der genau weiß, dass die wohlwollende Meinung seines „Chefs“ immer ganz wichtig war und auch künftig sein wird. Der Reihe nach.
Startschwierigkeiten
Es war ein Auftakt zum Vergessen. Vor dem Spiel gegen GW Mannheim musste der Brasilianer Matheus Pucinelli De Almeida kurzfristig passen. Ihm war übel. Da die Aufstellungen bereits zu Papier gebracht waren, konnte nicht mehr reagiert werden. Der Punkt an Nummer 2 war somit schon mal an Mannheim vergeben. Nach den Einzeln stand es 1:3. “Da war mehr drin“, blickte Alexander Legsding besonders auf die Auftritte von Joao Sousa und Valentin Vacherot. „Das waren Spiele auf Augenhöhe.“ Während der Portugiese im Champions Tiebreak das Nachsehen hatte, unterlag der Franzose Vachero zweimal im Tiebreak. Den Ehrenpunkt sicherte für Kurhaus an Nummer 1, der Italiener Francesco Passaro (Bild unten), gegen den Rumänen Radu Albot. Jeweils Zweisatzsiege der Gäste im Doppel besiegelten die 1:5 Auftaktniederlage vor heimischem Publikum.
Einkalkulierter war die Niederlage beim Liga-Favoriten in Essen. Aber auch in dieser Begegnung war für Coach Dominik Meffert mehr drin. Eine bärenstarke Leistung bescheinigte er im Spitzenspiel dem Italiener Francesco Passaro, der Yannick Hanfmann, der erst kurzfristig zum Einsatz kam, alles abverlangte und sich erst im Champions Tiebreak (6:10) geschlagen gab. Ins Schwärmen gerieten alle mit gereisten Kurhaus Fans über Joao Sousa, der Rudolf Molleker im Champions Tiebreak auf die Verliererstraße schickte.
Nach den beiden Zweisatzniederlagen von Benjamin Hassan und Vit Kopriva stand es somit 1:3 vor den Doppelspielen. Ein Punkt aus den Doppel durch Hassan/Nys reichten in der Endabrechnung nur zu einem 2:4. Rückblickend war Dominik Meffert nach dem unglücklichen Auftakt etwas besorgt. „Aber das Team hat dann geliefert, als es musste und einen Super Saison Endspurt hingelegt.“
Die Wende
Das Fazit nach den beiden Auftaktpleiten lautete aber trotzdem: „Wir können mithalten.“ Den Anspruch stellten die Spieler eine Woche später in einer weiteren Begegnung gegen einen Liga-Favoriten beim Gladbacher HTC unter Beweis. Sousa und Taberner sorgten mit ihren Einzelsiegen für ein Remis vor den entscheidenden Doppelspielen. Hassan/Nys und Sousa/Vega Hernandez machten dann den viel umjubelten ersten Sieg für die Gäste aus Aachen perfekt. Nach dem Zweisatzsieg im ersten Doppel (Hassan/Nys) sorgte die portugiesisch/spanische Kurhaus Variante (Sousa/Hernandez) in einem wahren Krimi im Champions Tiebreak für den erlösenden vierten Siegpunkt. „Ein Unentschieden wäre für uns wie ein Sieg gewesen“, ordnete Legsding die Begegnung beim Nachbarn in Gladbach ein. Unverhofft wurden es zwei Punkte. So konnte es weitergehen.
Der Dämpfer folgte jedoch auf den Fuß. Beim ambitionierten Aufsteiger Versmold gab es vor eigenen Fans ein 2:4 Niederlage. Turniereinsätze sowie Verletzungsprobleme waren für die Teamleitung nicht die idealen Voraussetzungen. So musste u.a. Nils Langer, der eigentlich nur noch Doppel spielen wollte, im Einzel eingesetzt werden. Trotz seiner Niederlage bestand nach den Siegen von Skatov und Hassan nach den Einzelrunden (2:2) immer noch die Hoffnung auf einen oder gar zwei Punkte. Spannend der Verlauf im ersten Doppel, nachdem Hassan/Langer ihre Partie in zwei Sätzen schnell verloren gaben. Erst im Tie-Break mussten sich Skatov/Vega Hernandez jeweils in beiden Sätzen ihren Gegnern geschlagen geben. Endstand 2:4. Den Klassenerhalt wollten die Kurhaus Planer zu diesem Zeitpunkt eingetütet haben. Jetzt begann wieder die Zeit der Hochrechnungen.
Klassenerhalt
Die dauerte aber nicht allzu lange. Am darauffolgenden Wochenende beendeten die Spieler mit zwei klaren 5:1 Siegen über Neuss und Palmengarten Frankfurt die Rechenspielereien. Zunächst ging es in Neuss in einem typischen Abstiegsduell für beide Teams um wichtige Punkte für den Klassenerhalt. „Wir konnten Gott sei Dank unsere vier Topspieler aufbieten“, atmete Alexander Legsding bereits vor dem ersten Aufschlag tief durch. Jetzt dürfte nichts mehr schief gehen. Drei Einzelsiege durch Skatov (Bild unten), Passaro und Cobolli stand lediglich die Niederlage von Halys im Spitzenspiel gegenüber. Den beiden Italienern Cobolli/Passaro, die anschließend im Doppel unbedingt zusammenspielen wollten, gelang schnell der entscheidende vierte Siegpunkt. Halys/Vega Hernandez ließen sich nicht lumpen und machten es ihnen nach - wohl auch etwas spannender. Ihr Sieg im Champions Tiebreak machte alles klar. Kurhaus bleibt im Jubiläumsjahr erstklassig. Rückblickend war Dominik Meffert nach dem unglücklichen Auftakt etwas besorgt. „Aber das Team hat dann geliefert, als es musste und einen Super Saison Endspurt hingelegt.“
Entsprechend selbstbewusst war der Auftritt nur zwei Tage später gegen Palmengarten Frankfurt, das wegen der Witterung in die Halle verlegt werden musste. „Der Umzug in die Halle hat uns nicht geschadet“, freute sich Alexander Legsding nach dem 5:1 Sieg. 4:0 stand es bereits nach den Einzelauftritten. „Als Spiel der Woche bezeichnete der Kurhaus Teamchef die Begegnung zwischen Halys und Cachin, das der Aachener Franzose im Champions Tiebreak (11:9) für sich entschied. Diese Begegnung verzückte auch wie bereits beschrieben Kurhaus Hauptsponsor Hermann Bühlbecker, der live dabei war. Es war der vierte Punkt. Nicht mehr ins Gewicht fiel die Niederlage von Passaro/Langer, die ihr Doppel abgaben.
Happyend
Im letzten Heimspiel der Saison konnten die Spieler bei sommerlichen Temperaturen wieder outdoor auf der gewohnten Asche im Kurpark aufschlagen. Die Zuschauerresonanz war einmal mehr riesig, 700 Fans waren auf der Anlage. Sie kamen wieder auf ihre Kosten.Das lag auch daran, dass sich Quentin Halys, die Nummer 1 von Kurhaus, noch einmal den Fans im Kurpark präsentierte. Denn unverhofft konnten die beiden Kurhaus Coaches noch einmal auf Quentin Halys zurückgreifen. Der Franzose, der zunächst nur für fünf sechs Begegnungen im Kurhaus Dress vorgesehen war, machte nach Wimbledon kurzfristig eine Auszeit in seiner ATP-Turnier Planung, Der Grund: Er war Vater geworden. Diese Zeit wollte er mit seiner Frau und dem Nachwuchs genießen. Und von diesem Familiensinn profitierte nun auch der TK Kurhaus. Mit einem 6:2 6:3 Sieg über den Italiener Gustino bewies der Franzose, dass er trotz aller Vaterfreuden auf Asche nichts verlernt hatte.
Im Doppel musste er wegen Kreislaufproblemen passen. Beim Stand von 3:1 wollten die Betreuer nichts riskieren. Man wollte nichts übertreiben. Den vierten Sieg für den Gesamtsieg gelang Sousa /Vega Hernandez. Vor dem letzten Spiel in Grosshesselohe lag das Team auf dem 5. Tabellenplatz, den Alexander Legsding vorab als „sensationell“ bezeichnet hatte. Was will man mehr. Aber im Überschwang der Punkte-Gefühle traute man sich auf einmal auch mehr zu. „Mal sehen, was in München noch für uns drin ist. Am Ende könnten wir die Saison noch auf dem 3. Tabellenplatz beenden.“ Dazu kam es nicht mehr. Nach dem 3:3 im letzten Spiel beim TC Grohesselohe belegte das Kurhaus Team in der Abschlusstabelle den 5. Platz. Fazit: Die Saison war für den Teamchef nicht nur zufriedenstellend sondern eben auch „sensationell“.
Bilder: Alexander Legsding
Text: Michael Thoma