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Leistungssport

1. Damen-Bundesliga: BW Aachen Vizemeister

Mit einem 5:4 Sieg über den TC Bredeney beendete der TK Blau-Weiss Aachen die Bundesligasaison der Frauen. Das bedeutete in der Abschlusstabelle Platz 2. Deutscher Meister wurde erneut der TC Bredeney, der sich zum Schluss nur dem Aachener Team geschlagen geben musste. Beide Teams hatten somit dasselbe Punktekonto. Aufgrund des besseren Matchverhältnisses wurde der TC Bredeney erneut Deutscher Bundesligameister. Aus der 1. Liga absteigen müssen die Spielerinnen vom Bauknecht-Team Vaihingen/Rohr1.

Der Spielplan sah zum Schluss das Aufeinandertreffen zwischen dem TC Bredeney und Blau-Weiss Aachen vor. Somit wurde es noch einmal spannend. Es war ein Finale mit Vorteilen für den Titelverteidiger aus Essen. Das Team der Gäste aus Aachen hatte zuvor nur gegen Bad Vilbel verloren. Die Weste der Gastgeberinnen war hingegen blütenweiß. Die Vorzeichen waren also klar. Aachen müsste 9:0 oder 8:1 gewinnen, um die Essenerinnen vom Thron zu stoßen. „Rein theoretisch“ war im Aachener Lager vor dem letzten Spiel somit die am häufigsten formulierte Floskel. Es war einiges möglich. Aber rein rechnerisch hätte auch ein Albert Einstein als Coach dem Blau-Weiss Team keine Flügel verleihen können. Es hätte schon ein Wunder helfen müssen, die es ja auch immer wieder gibt, wie es Katja Ebstein schon 1970 in ihrem Lied so trefflich zum besten gab.

Aber die Realität war allen klar, auch den Blau-Weißen aus Aachen. „Wir wollen Vizemeister werden und das letzte Spiel auch noch gewinnen“, war die Devise vor der Abfahrt aus Aachen Richtung Essen. „Wir haben in der Woche zuvor das T-Shirt mit der Aufschrift „Deutscher Vizemeister“ drucken lassen“, verdeutlichte Coach Thilo Fritschi den Realitätssinn der Aachenerinnen, die sich bekanntlich schon zwei Mal mit diesem Titel schmücken konnten.

Ihre Rechnung ist letztlich aufgegangen. „Wir haben das Spiel gewonnen und sind wieder Vizemeister geworden“, zogen Thilo und Steffi Fritschi eine positive Bilanz der Saison. Mehr noch: „wir sind superglücklich“. Und Teamchef Marc Zander schloss sich der Jubelarie an. „Wir sind sehr zufrieden. Dreifacher Deutscher Vizemeister und den Deutschen Meister geschlagen: was will man mehr.“ Und beim Feiern sollen sie an diesem Abend nach dem Spiel auch „besser drauf“ gewesen sein als die alten und neuen Meister aus Essen. „Wir waren die letzten, die das Clubhaus verlassen haben“, attestierten die Trainer ihren Schützlingen auch danach eine Super-Kondition.

Zum sportlichen Verlauf: Bereits in der 1. Runde gelang Aleksandra Krunic ein bemerkenswerter Zweisatzsieg über Jule Niemeier, die als Wimbledon Viertelfinalistin auf der heimischen Anlage zum Schluss auch noch ihre Mannschaft unterstützen wollte. Nicht eingesetzt wurde Tatjana Maria, die nach ihrem Halbfinal-Aus in Wimbledon ihre Mannschaftskameradinnen vor Ort als Zuschauerin unterstützte. Durch den Sieg von Marie Benoit über Katharina Hobgarski im Champioms-Tiebreak, der durch eine Regenunterbrechung mehr als zwei Stunden dauerte, stand es plötzlich 2:1 für die Gäste aus der Kaiserstadt. Geschlagen geben musste sich Magali Kempen, so dass vor der 2. Einzelrunde die Gäste in Führung lagen.

Ging da etwa doch noch was? Realistisch ging es aber weiter. Nach dem Sieg von Laura Siegemund über Panna Udvardy stand die Titelverteidigung der Gastgeberinnen fest. Es musste nicht mehr gerechnet werden. „Wir haben aber weiter Gas gegeben, weil wir unbedingt gewinnen wollten,“ unterstrich Marc Zander die eingangs ausgegebene Parole. Als Essen der Titel nicht mehr zu nehmen war, streiften sich die Spielerinnen aus Aachen für ein Foto ihr Vizemeister T-Shirt über. Teil 1 ihrer Ansage war unter Dach und Fach. Teil 2 folgte nach den Doppelspielen. Nachdem Lea Vedder in der 2. Einzelrunde mit ihrem Sieg über Anna-Lena Friedsam den dritten Punkt für Aachen verbuchte, entschieden die Doppel über den Gesamtsieg. Und den machten Krunic/Benoit und Hartono/Vedder für Aachen perfekt. Großer Jubel im Team und bei allen mitgereisten Fans. Die Mannschaft hatte den 2. Teil ihres Versprechens eingelöst: Den Sieg über den Deutschen Meister.

„Ich glaube, dass die Mannschaft vom TC Bredeney in den letzten sechs Jahren kein Spiel verloren hat,“ unterstrich Thilo Fritschi auch am Tag danach noch einmal die Bedeutung des Erfolg seiner Spielerinnen. Schade fand er es, dass einige Teams in der Bundesliga vor der übermächtigen Mannschaft von Bredeney zu viel Respekt hatten und nicht mit der stärksten Truppe antraten. „Das hätte Auswirkungen auf das Matchverhältnis gehabt.“ Ähnlich kritisch äußerte sich auch Marc Zander. „In Sechser Mannschaften geht es um viele Punkte, die sich abschließend in der Hochrechnung aller gewonnenen und verlorenen Spiele wiederspiegeln“. Der erfahrene Teamkäpten weiß aber auch, dass man selbst nie patzen darf, wenn man ganz vorne mitspielen will. Der 2:7 Niederlage in Bad Vilbel weinte er trotz aller Freude über den Saisonerfolg eine klitzekleine Träne nach.

Bei Blau-Weiss will man auch in Zukunft auf Kurs bleiben. Ihrer Philosophie „nichts erzwingen und nicht abhängig werden“ und dabei noch ein wenig Spaß haben, wollen sie weiter treu bleiben. Wie der Titel eines Vizemeisters schmeckt, wissen sie inzwischen zur Genüge. „Wir wollen aber auch mal ganz nach oben,“ denken Steffi und Thilo Fritschi schon mal ein wenig perspektivisch. „Warum sollte nicht einmal mehr drin sein?“ Das Trainer Ehepaar, das seinen Lebensmittelpunkt inzwischen in Freiburg hat, würde sich für solche Ziele gerne bei Blau-Weiss weiter engagieren. Ihr Bundesliga Teilzeit- Job in Aachen soll dafür kein Hindernis darstellen. Der aktuelle Erfolg hat bewiesen, was alles möglich ist.

Text: Michael Thoma

Bild: Marc Zander