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Leistungssport

1. Damen-Bundesliga: Platz 3 für BW Aachen

In der Bundesliga der Damen konnte der TC Bredeney Essen seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen. Es war die vierte Meisterschaft in Folge. Zweite wurde die Mannschaft von Rot-Weiss Berlin. Beide Teams beendeten mit nur einer Niederlage die Saison. Aufgrund des besseren Matchverhältnisses verwies die Mannschaft aus Essen am letzten Spieltag die Berlinerinnen auf Platz 2. Absteigen müssen die Teams vom TA VfL Sindelfingen und BW Berlin. Sindelfingen blieb ohne Punktgewinn, BW Berlin siegte nur im direkten Aufeinandertreffen mit dem Team aus Süddeutschland. Das einzige TVM-Team in der höchsten Liga, Blau-Weiss Aachen, blieb der 3. Platz, obwohl auch dieses Mal mehr drin war.

Vor der Saison waren Trainer Thilo Fritschi und Teamchef Marc Zander zurückhaltender als sie die Chancen ihres Teams, immerhin zuletzt vierfacher Vizemeister, bewerten sollten. „Es wird schwer,“ waren sich beide einig, besonders vor dem Auftaktspiel bei Alster Hamburg hatten sie Respekt und auch ein wenig Bammel. Thilo Fritschi legte noch einen drauf: „Das wird ganz schwer, Hamburg gehört klar mit zu den Favoriten.“ Mit diesem Rucksack im Tennis Gepäck traten sie die Reise gen Norden an und verloren - wie erwartet. Ihre Vorhersage spiegelte sich deutlich im Ergebnis wieder.

Nach den Einzeln lagen die Gäste bereits mit 1:5 im Rückstand. An einen Sieg war nicht mehr zu denken. Marc Zander:„Wir wollten trotzdem die Doppel gewinnen, weil die Punkte ja eventuell später für die Endabrechnung wichtig sein können.“ Mathematische Kenntnisse gehören ja inzwischen zum Anforderungsprofil eines jeden Teamchefs im Bundesliga-Geschäft. Entsprechend motiviert befolgten die Spielerinnen in den Doppeln Begegnungen die Vorgaben ihrer Betreuer und gingen richtig zur Sache. Mit dem Ergebnis: „Auf uns könnt ihr euch verlassen“. Drei Siege machten aus dem deutlichen Rückstand noch eine ansehnliche 4:5 Niederlage.

Nur zwei Tage später erinnerten sich die Spielerinnen beim Auftritt gegen Rot-Weiss Berlin auch in den Einzelspielen, dass trotz aller zurückhaltenden Saisonerwartungen meisterliches im Team steckt. Mit 5:4 bescherten sie ihren Gastgeberinnen die einzige Saisonniederlage. Beim Stand von 3:3 war wieder Verlass auf die Doppelstärke. Es war spannend. Erst im Champions Tiebreak verwandelten Lemoine/Kempen im letzten Doppel den viel umjubelten Matchball mit 10:7 zum ersten Sieg. „Das war schon eine Mega Überraschung“, geizte Thilo Fritschi nicht mit Lob für seine Schützlinge. Allen war klar, dass unbedingt ein Sieg her musste, da ansonsten die Saison mit Titelambitionen gelaufen wäre. Berlin war eine Reise wert. Die Saison konnte noch einmal neu gestartet werden.

Die Chance war da, endlich mal nicht nur als Zweite die Saison zu beenden. Diese Ambitionen stellten sie in den nachfolgenden Spielen deutlich mit klaren 8:1 Erfolgen gegen Dresden und Sindelfingen unter Beweis. Spannender wurde es wieder im darauffolgenden Spiel gegen Waldau Stuttgart. Gegen den auserkorenen Lieblingsgegner der Aachenerinnen, die gegen ihre Gäste aus dem Schwabenland noch nie verloren hatten, mussten, wen wunderts, wieder die Doppel entscheiden. Der Verlauf in den Einzeln war kurios, da die Blau-Weissen bereits mit 3:0 in Führung lagen. Nach den Niederlagen in der 2. Einzelrunde wurden die Zuschauer auf der neugestalteten Anlage so richtig auf die Folter gespannt, dass sogar nach dem letzten Ballwechsel zum 5:4 Sieg die meisten von einem glücklichen Sieg sprachen.

Der Tisch war gedeckt für das Saisonfinale mit den beiden noch ausstehenden Begegnungen auswärts beim TC Bredeney und auf der eigenen Anlage zum Abschluss gegen BW Berlin.

Zu diesem Zeitpunkt rangelten noch vier Teams mit je einer Niederlage in der Reihenfolge Bredeney, Aachen, Berlin und Hamburg um die Chance auf den Titelgewinn. Die Prognose für den Vizemeister war günstig. Die Chefs waren inzwischen optimistischer als zum Beginn der Saison. „Wir müssen in Essen gewinnen, dann können wir im letzten Spiel zuhause gegen Berlin endlich den Meistertitel feiern,“ gaben Thilo Fritschi und Marc Zander die Richtung vor. „Wir müssen auch nicht mit einem bestimmten Ergebnis gewinnen“, deutete Thilo Fritschi an, dass dieses Jahr der Rechenschieber zu Hause gelassen werden könnte. Die Punktekonstellation war günstig für den vierfachen Deutschen Vizemeister. Bekanntlich war Bredeney zuletzt für Aachen immer der Spielverderber im Kampf um den Titelgewinn.

Es wäre eigentlich einfach gewesen, aber die erste Hochrechnung verhagelte den Aachenerinnen die Aussicht auf den Meistertitel. Nach den Einzeln führte Bredeney bereits mit 5:1. „Es war ein schwieriger Tag“, fasste Teamchef Marc Zander den Ausflug ins Ruhrgebiet zusammen. Verzichten musste er kurzfristig auf die verletzte Alexandra Krunic und Marie Benoit, die Freitagabend beim Turnier in Montpellier zwar ausgeschieden war, aber es „reisetechnisch“ nicht mehr pünktlich nach Essen schaffte. Die Deutsche Bahn traf keine Schuld. Gegen die mit Tatjana Maria als Spitzenspielerin angetretenen Gastgeberinnen, gelang für Aachen im Einzel nur Quirine Lemoine ein Punktgewinn. Zwei Siege im Doppel unterstrichen einmal mehr die blau-weisse Doppelstärke. Nach der 3:6 Pleite beim Meister rutschten die Aachenerinnen auf den 3. Platz ab. Bei zwei Niederlagen auf dem Konto waren vor dem Saisonausklang gegen Blau-Weiss Berlin die Chancen es doch noch irgendwie zu schaffen, Richtung Nullpunkt gesunken.

Trotzdem wurde seitens des Clubs nichts unversucht gelassen. Es wurde mächtig die Werbetrommel gerührt. Der Tenor: rein rechnerisch ist alles noch möglich, versprach die Headline des clubeigenen Newsletter. Möglichst viele Fans sollten zum Samstagnachmittags Ausflug an den Luxemburger Ring zum Daumen drücken gelockt werden. Der Lokalzeitung rechnete Teamchef Marc Zander vor wie es trotz allem noch klappen könnte. Selbst hoch gewinnen, die beiden anderen, Bredeney und Berlin, knapp verlieren, dann hätte, hätte Aachen mit 42:21 das bessere Matchverhältnis. Nicht vergessen wurde auch der Hinweis, dass selbst Alster Hamburg zum Schluss noch die Schale hochhalten könnte. Hätte, hätte wenn und aber. Jörg Schönenborn aus dem ARD Wahlstudio hätte seine helle Freude an den Aachener Rechenspielen gehabt. Aber sie wollten eben nichts unversucht lassen.

Der Wahltag, pardon Spieltag, war abschließend wieder pure Realität. Die Tabelle lügt nicht. Um den Meistertitel kam es somit zu einem Kopf an Kopf Rennen zwischen dem Titelverteidiger aus Essen und dem Herausforderinnen von Rot-Weiss Berlin. Beide wiesen vor ihren letzten Heimauftritten gegen den Club an der Alster bzw. Dresden Blasewitz nur eine Niederlage auf. Vorteil Bredeney mit dem besseren Matchverhältnis von 38:18 zu 35:19.

Der Finaltag rückte alles wieder zurecht. Der Vorjahressieger aus Essen machte vor den heimischen Fans mit einem 8:1 Sieg über das Team von der Alster aus Hamburg einen weiteren Meistertitel perfekt. Rot-Weiss Berlin kann sich nach dem 5:4 Sieg über Dresden Blasewitz Deutscher Vizemeister nennen. Für den Mannschaftsbetreuer des alten und neuen Meisters, Torsten Rekasch, war es, so sein Statement im DTB Pressedienst „ein besonderer Titel, weil es der schwierigste der letzten Jahre war“. Ein Kompliment auch für die anderen Teams, die für Spannung bis zum Schluss gesorgt haben.

Und auch die Aachenerinnen kamen im Saisonfinale noch zu einem weiteren Sieg. Mit 5:4 schickten sie ihre Gegnerinnen von Blau-Weiss Berlin, die noch um den Klassenerhalt kämpften, in die 2. Liga. Für den letztjährigen Vizemeister war abschließend mehr als Platz 3 nicht drin. Der Rechenschieber musste nicht ausgepackt werden. „Wir können mit der Saison zufrieden sein, kommentierte Coach Thilo Fritschi den 3. Platz der Abschlusstabelle. Keine andere Meinung hatte Teamchef Marc Zander, der seinem Team eine konstante Leistung attestierte. Beide trauerten ein wenig der verpassten Chance nach, als man auf der Zielgeraden in Bredeney das Nachsehen hatte. „Das hätte auch anders laufen können.“

Trotzdem nannte Marc Zander die Meisterschaft der Titelverteidigerinnen verdient. „Ich hätte es natürlich gerne gesehen, wenn einmal eine andere Mannschaft Meister geworden wäre.“ Dabei dachte er nicht nur an sein eigenes Team sondern auch an die Mannschaften aus Hamburg und Berlin, die ebenfalls wie Aachen knapp „dran“ waren. Am Luxemburger Ring will man auf jeden Fall auch im nächsten Jahr wieder angreifen. „Wir werden dabei unseren Weg nicht verlassen und auf die Spielerinnen setzen, die seit langem schon für uns spielen“, gibt Marc Zander die Richtung vor. Sein kleiner Zusatz soll nicht unerwähnt bleiben: „Die spielen alle mit sehr viel Spaß bei uns. So soll`s bleiben.“

Text: Michael Thoma

Bilder: Marc Zander / BW Aachen