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Leistungssport

2. Bundesliga Damen: BW Köln fehlte ein Match-Pünktchen

„Ende der Begegnung 17.45 Uhr.“ So nüchtern vermerkt der Spielberichtsbogen den Zeitpunkt des Abstiegs von Blau-Weiss Köln aus der 2. Bundesliga. Zuvor hatten die Gastgeberinnen im Beethovenpark alles versucht, um die direkte Rückkehr in die Regionalliga abzuwenden. Gegen den bis dahin noch ungeschlagenen SSC Berlin war es die erwartet schwere Aufgabe. 7:2 stand es nach dem letzten Matchball für die Gäste aus der Bundeshauptstadt. In Kurzform: Berlin steigt auf, Köln ab.

Dramatisch

Das Ergebnis war brutal für die Kölnerinnen. „Uns fehlte in der Endabrechnung ein Matchpunkt,“ brachte es Coach Tobias Buchen nüchtern und gefasst auf den Punkt. „Dreimal verloren wir im Einzel im Tiebreak, dabei vergaben wir vier Matchbälle,“ ging der Coach in die spielentscheidenden Details. Die Champions Tiebreak Ergebnisse 7:10, und zweimal 9:11 konnten die Ausgeglichenheit dieser Begegnungen kaum besser dokumentieren. Sie brachten die Vorentscheidung. Der Sieg im Doppel, der aus einer verletzungsbedingten Aufgabe einer Berlinerin resultierte, änderte nichts mehr an diesem für die Kölnerinnen enttäuschenden Nachmittag.

In der Abschlusstabelle belegt Köln den vorletzten Platz. Großflottbek, einen Platz besser platziert, verlor im letzten Spiel in Potsdam ebenfalls mit 2:7, aber aufgrund des besseren Matchverhältnisses (24:39/23:40) konnten die Norddeutschen die Klasse halten.

Das Team von BW Köln.

Das Team von BW Köln.

Analyse

„Unglücklich, Pech“ waren an diesem Abend die am häufigsten verwendeten Erklärungsversuche bzw. Trostspender rund um das Clubhaus. „So ist halt der Sport“, bemühte sich Tobias Buchen auch noch einen Tag später um keine Ausreden. In der kurzfristigen Saisonanalyse brachte er ein Ärgernis aber deutlich auf den Punkt. Eine Spielerin, die wir fest an Position 2 einplant hatten, erschien zu keinem Spiel. Sie ließ uns einfach im Stich. Mit ihr hätten wir die nötigen Punkte für den Klassenerhalt geschafft“, echauffierte sich der Coach dann doch noch ein wenig. Die Niederländerin Sarah van Himst war von Halle in den Beethovenpark gewechselt. „Wir hatten gefühlte 200 WhatsApps mit ihr und einem Spielvermittler gewechselt“, erinnert der Coach an die Phase der Kaderplanung. „Das Ergebnis war total ärgerlich.“ Daraus werden wir für die Zukunft lernen.“

Respekt

Das Team aus Berlin, dessen Aufstieg bereits vor dem letzten Spiel in Köln so gut wie feststand, ließ in der für die Kölnerinnen so wichtigen Begegnung die Zügel nicht schleifen. Es wurde nichts verschenkt. Obwohl sich die Kölnerinnen von diesem sportlichen Verständnis nichts „kaufen“ konnten, nötigte ihnen das Verhalten der Berlinerinnen Respekt ab. „Die hatten die letzten Jahre immer wieder versucht aufzusteigen. Wir gönnen ihnen den Erfolg“, blieben die Kölner in ihrer Enttäuschung faire Verlierer.

Starker Auftakt

Der Auftakt stimmt zuversichtlich. Nach der Rückkehr in die zweithöchste Liga gelang dem Aufsteiger gleich ein 6:3 Heimsieg über den Großflottbeker THGC. Vor 150 Zuschauern stand der Sieg bereits nach den Einzeln fest. Eine Niederlage leistete sich lediglich die Französin Victoria Muntean. Sie musste sich im Champions Tiebreak geschlagen geben. Über den 3. Satz mussten bei ihren Siegen an Amarissa Toth aus Ungarn sowie Kölns Italienerin Augustina Chipac gehen. Alle andere Siege waren in jeweils zwei Sätzen unter Dach und Fach. Nicht mehr ins Gewicht fiel die Niederlage im 1. Doppel (Amarissa/Toth), das ebenfalls im Champions Tiebreak (8:10) unterlegen war. Im Hinblick auf die weiteren Spiele experimentierte Trainer Tobias Buchen bei der Doppelaufstellung ein wenig.

Erste Niederlage

Die Ernüchterung folgte am 2. Spieltag. Das war eine ganz enge Kiste. Beim THC von Horn und Hamm unterlagen die Aufsteigerinnen aus Köln denkbar knapp mit 4:5. Zur Halbzeit stand es noch 3:3. Dann ging es in allen drei Doppelbegegnungen in den Champions Tiebreak. Kein Happyend für die Kölnerinnen. Nach fast neun Stunden jubelten kurz vor neun die Spielerinnen des Gastgebers. Zwei Mal machten sie im Champions Tiebreak mit 10:8 ihren Sieg perfekt. Die Kölnerinnen waren ebenfalls in der Verlängerung mit 10:7 erfolgreich. Bis zur endgültigen Entscheidung verliefen alle Doppel ausgeglichen. Das 1. Doppel der Kölnerinnen musste nach dem Spielstand von 4:6, 7:5 in den 3. Satz. Die gleichen Ergebnisse standen im 2. Doppel vor der Entscheidung auf dem Spielberichtsbogen. Und auch das dritte Doppel, in dem Köln als Sieger vom Platz ging, war in den ersten beiden Sätzen mit 6:4, 4:6 ebenfalls sehr ausgeglichen.

Klare Sache

Nichts zu holen gab es nur zwei Tage später beim Aufstiegsfavoriten Blau-Weiss Berlin. 0:6 stand es nach den Einzeln. Pech, dass an Nummer 3 Augustina Chipac verletzt aufgeben musste. Aufgrund einer Verletzung konnte auch das 1. Doppel nicht gespielt werden. Das 3. Doppel ging ohne Spiel an die Kölnerinnen. Endstand 1:8. Trotzdem zog Kölns Coach Tobias Buchen ein positives Fazit des Wochenend-Trips. „Der Teamgeist war das ganz Wochenende über fantastisch, und das wird uns in den kommenden Spielen helfen.“

Lehrgeld

Am 4. Spieltag kassierten die Aufsteigerinnen die zweite deutliche Niederlage. Bei einem der Aufstiegskandidaten in Bielefeld war nichts zu holen. „Das wird der erwartet schwere Gegner“, hatte Coach Tobias Buchen bereits vorab gemunkelt. Bei widrigen Wetterverhältnissen, Spiele mussten wegen Regen mehrmals unterbrochen werden, stand es kurz vor 20 Uhr 1:8.

Hoffnung

Anschließend setzten die Kölnerinnen alles auf die beiden folgenden Spiele gegen „machbare „Gegner. Bereits am Pfingstmontag, also nur zwei Tage später gings zuhause gegen die punktgleichen Potsdamerinnen weiter, bevor anschließend ebenfalls auf heimischer Asche Union Münster, nach vier Spielen Schlusslicht der Tabelle, in Köln antreten musste. Es hätte ein geruhsames Saison Finale werden können. wenn da nicht die 3:6 Niederlage gegen Potsdam die Rechen-Träume der Aufsteigerinnen zunichte gemacht hätten. „Die hatten mit ihren drei Polinnen vornweg brutal stark aufgestellt“, versuchte Coach Tobias Buchen die Pleite etwas geradezurücken. Zufrieden sein konnte er mit seiner Nummer 1 Amarissa Toth aus Ungarn, die im Spitzenspiel der Polin Martyna Kubbka mit 6:2, 6:1 keine Chance ließ. Caroline Raschdorf steuerte an Position 5 einen weiteren Sieg im Einzel bei, sodass es vor den Doppelauftritten 2:4 stand. Zwei Siege der Gäste machten dann den Gesamtsieg der Gegnerinnen schnell perfekt. Das 2. Doppel der Kölnerinnen siegte im Champions Tiebreak. Endstand 3:6.

Strohhalm

Die erste Pflicht für den Verbleib in der Liga erfüllte Blau-Weiss. Nach dem 6:3 gegen Union Münster am vorletzten Spieltag keimte noch ein wenig Hoffnung auf, die Klasse halten zu können. 4:2 stand es nach den Einzelspielen. An Nr. 1 und 6 mussten sich Karla Bartel sowie die Belgierin Caroline Daxhelet geschlagen geben, die anderen Begegnungen waren in jeweils deutlichen Zweisatzsiegen eine klare Angelegenheit der Gastgeberinnen. Die beiden Siege im Doppel, ebenfalls in zwei Sätzen, machten den 6:3 Endstand perfekt. Im 1. Doppel hatten Viktoria Muntean und Carolin Raschdorf das Nachsehen.

Abstiegsfinale

Da die anderen möglichen Abstiegskandidaten von Horn und Hamm sowie Großflottbek auch ihre Spiele abgaben, lagen vor dem letzten Spieltag drei Teams mit 4:8 Punkten vor den abgeschlagenen Tabellenletzten aus Münster. Das schlechteste Matchverhältnis wies Köln auf und hatte mit dem Spitzenreiter SCC Berlin (noch ohne Niederlage) den sicher schwierigsten Gegner zum Saisonabschluss. „Es wird auf jeden Punkt ankommen“, deutete Tobias Buchen die Marschrichtung an. „Wir müssen unsere Hausaufgaben erfüllen und alles in die Waagschale werfen. Wie die anderen spielen können wir eh nicht beeinflussen.“ Das letzte Spiel gegen den SCC Berlin verloren die Kölnerinnen wie eingangs beschreiben mit 2:7.

Pläne

Die Enttäuschung müssen alle nun sacken lassen. Das wird dauern. Aber Coach Tobias Buchen wagt dennoch einen Blick nach vorne. “Wir wollen wiederkommen.“ In der Saison haben alle Beteiligten viele neue Erfahrungen gesammelt. „Wir müssen daraus lernen und unsere Schlüsse ziehen,“ bleibt der Coach optimistisch. Warum sollte ein direkter Wiederaufstieg nicht erneut möglich sein.

Alle Ergebnisse und die Tabelle findest du hier.

Text: Michael Thoma