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​"Silber" für den Ballflüsterer Andreas Poppe

Auf der Mitgliederversammlung des TV Mittelrhein am 30. März 2019 wurde Andreas Poppe mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Der Verband würdigte damit die langjährige Arbeit des 57-jährigen gebürtigen Kölners, der sich besonders als Trainer und Referent in den Bereichen Jüngsten- und Schultennis verdient gemacht hat.

Tennis first

Mit der Schlagzeile "Advantage Tennis" lässt sich ganz gut das persönliche und berufliche Leben von Andreas Poppe zusammenfassen. Zwei Entscheidungen prägten seinen Werdegang zum Tennis-Allrounder, der sich besonders dem Nachwuchs ganz besonders verschrieben hat. Dazu später mehr. Zwischen Tennis und Fußball hatte er zunächst die Qual der Wahl. Beim Sportclub in Pulheim lernte er beide Sportarten kennen. Begeistert hat sich der gebürtige Kölner für beide. Um so schmerzlicher war es, dass er sich Jahre später für eine entscheiden musste.

Tennis : Fußball

Zum Tennis kam er als Zehnjähriger, weil der Vater als Sportwart in der Tennis-Abteilung des Clubs die sportliche Richtung für den Nachwuchs vorgab. Außerdem spielte sein Bruder ebenfalls Tennis. "Da blieb für mich nicht viel anderes übrig als auch Tennis zu spielen," erinnert er sich an seine Anfänge mit dem kleinen Filzball. Parallel dazu entdeckte er aber auch seine Leidenschaft für den größeren Lederball. "Ich hab heimlich Fußball gespielt. Mein Vater durfte davon nichts wissen," outet er sich fast 50 Jahre später. Nur die Mutter war eingeweiht. Rasch entpuppte sich der kleine Andeas zum talentierten Jugendkicker, der auch den Talentspähern, heute sagt man Scouts, der größeren Nachbarvereine auffiel. Von Bundesligisten in Mönchengladbach wurde er zum Probetraining eingeladen, einen Vorvertrag hatte er anschließend bereits in der Tasche. Ein Traum für jeden Jugendkicker schien in Erfüllung zu gehen.

Stress

Aber dann kam das ambitionierte Fußball-Talent ins Grübeln. Was will ich eigentlich wirklich, ging dem damals 17-Jähirgen immer wieder durch den Kopf. Beides zusammen weitermachen wollte er nicht mehr. "Es war zu viel. Wir haben drei Mal Fußball in der Woche trainiert, dazu kamen das Tennistraining und am Wochennde vormittags das Tennis Medenspiel anschließend nachmittags noch das Fußballspiel," erinnert er sich an sein sportliches Fulltime Programm. "Und nebenbei habe ich ja auch noch das Abitur gemacht und anschließend studiert."

Vorteil Tennis

Bei diesem sportlichen Mega-Stress wurde ihm irgendwann klar: du musst dich für eine Sportart entscheiden. Die Wahl fiel trotz der Aussicht auf eine mögliche Fußballkarriere bei der Gladbacher Borussia auf Tennis. Er hat lange mit sich gekämpft, hin und her überlegt, dann einen wichtigen Vorteil von Tennis erkannt. "Du bist als Einzelspieler auf dem Platz nur für dich verantwortlich aber bei den Medenspielen kannst du dich auch in eine Mannschaft einbringen." Dieser Vorteil hat ihn letztlich überzeugt. Zu dieser Zeit hatte er mit seinem Tennisteam in Pulheim auch die entscheidenden Erfolgserlebnisse als Einzelspieler und mit der Mannschaft. "Wir waren eine verschworene Truppe," schwärmt er fast 40 Jahre später noch von dem Klick, der letzlich den Ausschlag für Tennis gab. Auf den Fußball-Profi hat er schweren Herzens verzichtet. Andreas Poppe: "Es war eine ganz schwierige Entscheidung. Aber Ich hab das nie bereut."

Tennis : Schule

Er hat also Tennis weiter gespielt und studiert. Lehramt Sport und Sozialwissenschaften in Köln mit dem Ziel Lehrer zu werden. Auf halbem Weg nach dem ersten Staatsexamen kam er ein weiteres Mal so richtig ins Grübeln. Just zu dieser Zeit erhielt er eine Trainerstelle beim Bezirk Linksrheinisch angeboten. Wieder musste er abwägen, eine Entscheidung treffen. Zu Ende studieren, das zweite Staatsexamen machen, möglicherweise eine sichere Beamtenlaufbahn in Aussicht haben oder sich einfach nur für Tennis zu entscheiden. Wieder einmal ging er lange in sich, bevor es wieder hieß "advantage tennis". "Die Arbeit in Kleingruppen im Verein hat mir einfach mehr Spass gemacht," erklärt er einen Grund warum er sich gegen die Schullaufbahn entschieden hat. Mit Kindern und Jugendlichen hatte er es seitdem trotzdem immer zu tun. Sein Credo: "Junge Menschen motivieren und fördern, sie in Bewegung bringen und mit ihnen auszuprobieren, was möglich ist."

Ideen

Im Verein und Verband hat man schnell das Engagement von Andreas Poppe erkannt und unterstützt. Seit 29 Jahren ist er als Bezirks-und Verbandstrainer sowie als Jüngsten- und Schultennisreferent im Nachwuchsbereich des TVM aktiv und verantwortlich. In diese Zeit fielen auch die "Erfindungen" wie die Mini-Cup-Serie, eine Turnierform auf Kleinfeldern, die er gemeinsam mit Markus Krüger entwickelt und aufgebaut hat. Das Angebot "Kleine Strolche" geht ebenfalls auf seine Initiative zurück. "Es war so eine Art Tennis-Kindergarten," beschreibt er die Anfänge dieses Angebot für Kleinkinder. Es war ein Spiel- und Bewegungsprogramm, das auch die Eltern mit einbezogen hat. Das Angebot gibt es immer noch. "Heute sind viele der Kinder von damals inzwischen als Eltern selbst im Vorstand aktiv," berichtet er stolz über das inzwischen Generationen "überlebende" Angebot für die Tennis-Minis. Außer Tennis wurden auch andere Sport- und Spielarten angeboten. Gesellige Aktivitäten mit der Familie und Freunden ergänzten das vielfältige Angebot. Bei allem war für Andreas Poppe immer eines ganz wichtig: die Kinder zu bewegen, ihnen Spass zu vermitteln und sie letztendlich für Tennis neugierig zu machen. Ideen dafür hatte er genügend.

Schultennis

Mit Gerd Uerschels vom TVM entwickelte er Programme, wie sich Kinder im Schulalltag unabhängig vom Sportunterricht noch mehr austoben können. Der nächste Schritt war naheliegend. "Wir wollten unsere Ideen und Überlegungen dann auch für den Sportunterricht weiterentwickeln," erklärt Andreas Poppe die nächsten Maßnahmen. Mit Hilfe von Fortbildungen für Lehrer sowie gezielten Projektaktionen gelang der Einstieg in den Schullaltag. Wichtigster "Helfer" war für Andreas Poppe immer der Ball. "Er hat eine hohe Aufforderungscharakter. Mit ihm haben die Kinder ganz schnell einen Zugang zu Bewegungen, ohne dass sie es merken," verweist Andreas Poppe auf eine aktuelle Studie, die besagt, dass 80 Prozent der Jugendlichen sich zu wenig bewegen.

Der Privat-Mensch

Andreas Poppe blieb selbst immer am Ball. Heute spielt er mit den Herren 55 des TTC Brauweiler noch in der Oberliga. Bundesligaluft hat er mit den Herren 35 des Marienburger SC geschnuppert. Er kann seinen Schützlingen auch von Weltmeisterschaften erzählen. Bei der WM für die Herren 40 in Hannover hat er im Doppel unter anderem gegen Anders Jarryd gespielt. Andreas Poppe ist mit einer Physiotherapeutin verheiratet, die früher auch Tennis gespielt hat. Beide haben inzwischen drei erwachsene Jungs, die sportlich auch "unterwegs" sind. Der Sport, besonders der mit Bällen, wird im Hause Poppe in Pulheim-Sinthern großgeschrieben. Tennis ist die klare Nummer eins.

Gas geben, genießen

Wenn dem "ballverliebten" Familien-Oberhaupt einmal zu viel Bälle "um die Ohren fliegen", setzt er sich auf seine alte BMW 60-6 aus dem Jahr 1974 und genießt unterwegs mit 40 PS die Natur, Land und Leute. Den Süden Europas hat er als Biker vielfältig erkundet. Abschalten und Gas geben ist eine Möglichkeit, sich zwischen den Tennisaktivitäten zu entspannen. Etwas nostalgisch ist auch eine andere Art, es ruhiger angehen zu lassen. Dann legt er gerne mal eine Schallplatte von Prince oder Depeche Mode auf, um zu relaxen. Auf den Musikgenuss mit dem alten Schallplattengerät will er nicht verzichten. "Da bin ich im Zeitalter von Handys und Playstation noch ein bisschen altmodisch," lächelt er verschmitzt. Auf dem Tennisplatz liegt er mit seinen Schützlingen aber auf einer Wellenlänge. Die Bälle verbinden eben. "Advantage tennis."

(Michael Thoma)