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Leistungssport, Organisation und Termine

Damen-Bundesliga 2023

Drei TVM-Vereine starten Anfang Mai in die neue Saison

1. Bundesliga - Blau-Weiss Aachen will wieder angreifen

Am 5. Mai beginnen die Spiele in der höchsten deutschen Liga der Frauen. Vom TVM ist wieder als einzige die Mannschaft von Blau-Weiss Aachen vertreten. Das Team vom Luxemburger Ring wurde bereits drei Mal Deutscher Vizemeister, zuletzt zwei Mal in Folge. Ärgster Widersacher der Aachenerinnen und Favorit der Liga ist der TC Bredeney Essen, der sich in den beiden letzten Jahren den Titel sicherte. Der Terminplan weckt Erinnerungen an das letzte Jahr.

Damals standen sich zum Schluss beide Teams in Essen gegenüber. Die Gastgeberinnen hatten eine blütenreine Weste, Aachen hatte eine Niederlage auf dem Konto. „Wir hätten damals mit 7:2 oder noch höher gewinnen müssen, um uns den Meistertitel zu sichern“, erinnert sich Coach Thilo Fritschi an den Finaltag. Aufgrund des Machtverhältnisses war es somit eine nahezu unlösbare Aufgabe, die Gastgeber vom 1. Platz zu verweisen. Nach dem letzten Matchball konnten sich die Gäste aus der Kaiserstadt trotzdem freuen. Sie hatte 5:4 gewonnen und waren wieder einmal Deutscher Vizemeister. Zufrieden mit der Bilanz 2022 war damals auch Teamchef Marc Zander:“ Den Deutschen Meister besiegt und zum dritten Mal Deutscher Vizemeister geworden.“

Zurück in die Aktualität. Dieses Mal wird es am 15. Juli am letzten Spieltag in Aachen wieder zu einem möglichen Finale kommen. Wir wollen bis zu diesem Zeitpunkt deutlich machen, dass wir auch in dieser Saison ambitioniert ganz vorne mitspielen wollen,“ gibt Thilo Fritschi die Marschroute vor. Aber alle in Aachen und der gesamten Liga wissen, dass es in dieser Saison noch schwerer werden wird, die Spielerinnen vom TC Bredeney von ihren Meisterzielen abzubringen. Der Blick auf die Meldeliste lässt so manchen Unbeteiligten mit der Zunge schnalzen und sich fragen wer will die denn schlagen. Auch wenn allen klar ist, dass erst am Spieltag gewonnen oder verloren wird, ist die Favoritenrolle des Verteidigers klarer denn je zuvor. Laura Siegemund, Tatjana Maria, Jule Niemeyer oder Anna-Lena Friedsam sind derzeit die besten, die das deutsche Frauentennis aufzubieten hat. Es sind nur einige, die die Triple Ambitionen des TC Bredeney unterstreichen. Denn vorneweg wurde mit Petra Martic, die Nummer 32 der Weltrangliste, gemeldet, die mit ihren Siegen zum Gelingen des Meisterprojekts beitragen soll. Ein Wiedersehen gibt es für viele im Tennisverband Mittelrhein mit Annika Beck, die, inzwischen 29 Jahre alt, nach ihrem Abschied wieder Spaß am spielen gefunden hat. Viele Jahre war sie für den RTHC Leverkusen aktiv und das sportliche Aushängeschild im TVM, bevor sie ihre Auszeit nahm, um Zahnmedizin zu studieren. Einer ihrer größten Erfolge war 2012 der Sieg bei den French Open in der Juniorinnen-Konkurrenz

In Aachen wollen sie sich aber nicht von den geballten Triple-Ambitionen des Titelverteidigers erschrecken lassen. Als bester Deutscher Tennisverein will der Essener Stadtteil-Club in die Geschichte eingehen, so ist es im Niederrhein Verbandsorgan in einer großen „Bredeney-Story“ nachzulesen. „Einzigartig“ sei es sowohl eine Damen und Herrenmannschaft gleichzeitig in der höchsten Spielklasse aufzubieten, heißt es darin u.a.. Bei der Lektüre wird so manch ein Aachener gestutzt haben. Das hatten wir doch schon mal vor ein paar Jahren, als Blau-Weiß mit ihren Herren und Frauen in einer Saison gemeinsam höchstklassig spielten.

In der Liga wird sich somit viel um den Titelverteidiger drehen, der unter dem Vorsitzenden Michael Marhofer seit einigen Jahren das Meisterprojekt ausgerufen hat. Der 54 jährige Unternehmer beschäftigt weltweit mehr als 8000 Mitarbeiter. Dem sportlichen Leiter Torsten Rekasch, der seit 2012 am sportlichen Aufschwung des Vereins mit bastelt, wird aus finanziellen Gründen wahrscheinlich selten der Wunsch nach personellen Verstärkungen versagt. Der Blick auf die Meldeliste bei den Herren (starten im Juli in der Bundesliga) untermauern die Ambitionen „Erfolgreichster Tennisverein in Deutschland“.

Zurück zu den Frauen. „Wir wollen auch in diesem Jahr oben mitspielen“, unterstreicht Thilo Fritschi, der mit Ehefrau Steffi auch wieder in dieser Saison das Team betreuen wird. Beide haben ihren Lebensmittelpunkt seit dem letzten Jahr in den Süden Deutschlands nach Freiburg verlagert. Es ist zwischen Bundesligaterminen eine Tennis-Auszeit, die beide nicht bereut haben. „Nach so vielen Jahren intensiven Tennis tut das ganz gut. Jetzt können wir uns auch ganz gezielt auf die Bundesliga freuen und konzentrieren“, so die beiden. Hauptberuflich kümmern sie sich jetzt um 16 Märkte einer lokalen Lebensmittelkette. Der Kontakt zu Aachen besteht immer noch intensiv, da hier der Sohnemann noch lebt. „Wir sind natürlich ständig auch in Kontakt mit dem Klub und den Spielerinnen“, erläutert Steffi Fritschi die Kommunikation zwischen Freiburg und Aachen.

Zufrieden sind die beiden Fritschis mit ihrem Kader. „Er ist unserer Meinung nach stärker, obwohl wir uns nicht mit den ganz großen Namen verstärkt haben. Die Spielerinnen, die seit vielen Jahren den Großteil des Kaders bilden, haben sich einfach verbessert“, bringt es Teamchef Marc Zander auf den Punkt. Für ihn ist es das beste, was Blau-Weiß in seiner Bundesligazugehörigkeit aufzubieten hat.

Verstärkt hat sich das Team auf der Position 2 mit Maryna Zanevska. Die 29 Jährige ist in Odessa in der Ukraine geboren ist, lebte aber seit 2008 in Belgien, besitzt auch inzwischen die belgische Staatsangehörigkeit. Deshalb gehörte sie auch einmal bereits zum belgischen Fed-Cup Team. Bundesligaerfahrung hatte sie bereits beim Marienburger SC und in Bad Vilbel. „Wir hatten schon länger Kontakt zu ihr“, erläutert Marc Zander die Verpflichtung. „Unsere Belgierinnen kennen sich halt untereinander.“ Neu ist auch Lesley Kerkhove, die für die Niederlande auch bereits Fed-Cup Erfahrungen sammeln konnte. Blau-Weisse Farben trägt diese Saison auch die jüngere Schwester von Panna Udvardy aus Ungarn. Die 17-Jährige Luca hatte letztes Jahr das Finale der Juniorinnen in Wimbledon erreicht. Marc Zander: „Sie ist ein sehr großes Talent.“ Nicht mehr dabei ist im Blau-Weiss Kader die Belgierin Greetje Minnen, die zum Ligakonkurrenten nach Essen Bredeney gewechselt ist.

„Wir sind in der Breite sehr gut aufgestellt und können mit unserer seit Jahren bekannten Doppelstärke selbstbewusst in die Saison starten“, lautet der optimistische blau-weisse Ausblick auf die bevorstehenden sieben Begegnungen.

Bereits zum Auftakt werden wegweisende Aufeinandertreffen mit dem Club an der Alster Hamburg -5.5.- auf der eigenen Anlage sowie im Auswärtsspiel gegen Dresden Blasewitz -7.5.- bereits die Richtung vorgeben, wohin die Reise in der Tabelle gehen kann. „Das wird schon echt schwierig, wenn man sich die Meldelisten der beiden Teams vergegenwärtigt“, blickt Marc Zander mit gebotener Skepsis auf das Auftaktwochenende. Gegen den DTV Hannover und den Aufsteiger aus Bernhausen, die aus Aachener Sicht nicht so stark eingeschätzt werden, kann anschließend das Punktekonto auf der heimischen Anlage ausgebaut werden, bevor anschließend in der finalen Phase gegen Blau-Weiss Berlin und Waldau Stuttgart längere Anfahrten auf dem Programm stehen.

Zum Abschluss könnte dann am 15. Juli das Aufeinandertreffen mit dem TC Bredeney auf den Plätzen am Luxemburger Ring der krönende Abschluss der Saison werden. Möglicherweise für den Gast aus Essen, der als Triple Sieger seine ambitioniertes Projekt „bester Tennisverein Deutschlands“ festigen will oder möglicherweise für den Underdog aus Aachen. Das Trainer-Ehepaar aus dem Schwarzwald hält das durchaus für möglich. „Wer drei mal Deutscher Vizemeister geworden ist, will auch mal Deutscher Meister werden.“ Teamchef Marc Zander, sonst eher Realist bei Prognosen, verweist auf eine alte Fußballer Weisheit: „schaun mer mal, gewonnen wird auf dem Platz.“

2. Bundesliga Frauen - Blau und Grün sind die TVM-Farben

Ein pickepackes volles Programm erwartet die Frauen Teams in der 2. Bundesliga. Vom 7. Mai bis um 4. Juni stehen sieben Spiele auf ihrem Programm. Aus dem TVM ist neben Grün-Weiss Aachen in dieser Saison auch Blau-Weiss Köln vertreten. Das Team aus dem Beethoven Park in Köln, das als Tabellenzweiter mit nur einem Punkt weniger hinter Münster sportlich knapp am Aufstieg gescheitert war, hatte sich bereits auf eine weitere Saison in der Regionalliga eingestellt als unverhofft das Telefon klingelte. „Wollt ihr aufsteigen“, lautete die knappe Frage der verantwortlichen Spielleitung. Der Grund: die Liga wurde aufgestockt.

KTHC Blau Weiss Köln - Nicht lange gefackelt

„Unser Vorstand hat nicht lange überlegt“, bringt es Sportwart Simon Lesky, der das Team auch betreut, auf den Punkt. So wurde aus dem Regionalligisten der Nachrücker in die 2.Bundesliga. „Uns war natürlich allen klar, dass die Zusage eine große Herausforderung für den gesamten Cub darstellt,“ ergänzt der Sportwart die Überlegungen, bevor durch das Okay der Chefetage der Verein nach gut 20 Jahren wieder einen Bundesligisten besitzt. „Die Spielerinnen haben es auch verdient einmal Bundesligaluft zu schnuppern“, war ein weiteres Argument pro Bundesliga.

Sie wagen das Abenteuer mit der entsprechenden Demut. „Wenn es nicht klappt, haben wir kein Problem nächstes Jahr wieder in der Regionalliga zu spielen“, so Simon Lesky. Sportlich ist das Ziel der Klassenerhalt. „Mit den Meldelisten der anderen können wir kaum konkurrieren“, ist sich Mannschaftskapitänin Isabel Heupgen der Außenseiterrolle bewusst. Aber wer weiß, was der eng getaktete Terminplan für die Teams möglicherweise sonst an Überraschungen parat hat. Keine Verletzungen sowie eine gute Planung werden ein gewichtiges Wörtchen bei der Vergabe der Plätze mitreden.

„Wir setzen auf unseren Teamgeist,“ hebt Simon Lesky eine Tugend seiner Schützlinge hervor, die in der Hallenwinterrunde des TVM ihre Stärke bewiesen haben und unangefochten Platz 1 belegten. Los geht es für die Nachrückerinnen mit zwei Heimspielen gegen Bielefeld und den Gladbacher HTC. Anschließend geht’s über die A4 zum TVM-Derby nach Aachen. Etwas aufwendiger wird die Anreise nur vier Tage später in den hohen Norden zum Großflottbeker THGC. Freuen können sich die Fans auf das Sonntagsspiel im Beethovenpark, wenn einer der Favoriten, der LTTC Berlin, in Köln aufschlägt. Ein weiteres Heimspiel beschert der Terminplan den Kölnerinnen am vorletzten Spieltag. Gegner ist dann, am 2. Juni, der TC Union Münster. Die letzte Reise geht dann zum Abschluss nach Berlin, wo gegen den SCC Berlin die letzten Punkte gesammelt werden können. Bis zu diesem Zeitpunkt wird es wohl klar sein, wohin die Reise der Blau-Weissen im nächsten Jahr gehen wird. Der Trip nach Berlin sollte zum Abschluss auf jeden Fall genutzt werden, eben „All-inclusive“ mit Sightseeing und Shopping. Berlin soll auf alle Fälle eine Reise wert sein.

Grün-Weiss Aachen - Vorfreude auf das Derby

Berlin ist auch ein Stichwort für den Terminplan der Aachenerinnen, die bekanntlich im Vorjahr – auch als Nachrücker – zweitklassig wurden. Drei Heimspiele zum Auftakt, dann anschließend viermal auswärts, das klingt kurios. „Wir haben die Spielleitung gebeten die beiden Spiele in Berlin hintereinander zu legen, so dass nicht zwei mal angereist werden muss,“ erklärt Thomas Batsch wie es zu der Terminierung gekommen ist. Die Antwort war „ja“, also im Sinne der Aachener, die deshalb mit dem Terminplan klar kommen. Das Berlin Wochenende beginnt Himmelfahrt (18.5.) und endet vier Tage später. Zunächst heißt der Gegner Rot-Weiss Berlin, bevor am Sonntag der SCC Berlin die Gäste aus Aachen empfängt.

Mit der letztjährigen Zweitliga-Erfahrung (Endplatzierung: fünfter) gehen die Schützlinge von Teamchef Thomas Batsch die Saison gelassen an. „Ich mach in dieser Saison keinen großen Favoriten aus.“ Für ihn ist die Liga ausgeglichen. Alles kann somit möglich sein. „Wir denken, der Klassenerhalt ist auf jeden Fall drin“, deutet Batsch den Saisonausklang an. Kopfzerbrechen bereitet ihm wie auch seinen Kollegen der anderen Teams der eng getaktete Terminplan. „Die Saison ist kurz und knackig, da muss alles passen“, denkt er laut über mögliche Verletzungen und einen ausgeklügelten Plan nach, immer genügend Spielerinnen an Bord zu haben. „Wir sind gut vorbereitet und auf alles gefaßt,“

Der Kader ist vorneweg verstärkt mit zwei Spielerinnen aus Kroatien. Lea Boskovic kennt man noch aus ihren Bonner Zeiten. Sie wurde an Position 2 gemeldet. Tereza Mrdeza, die Nummer 239 der Weltrangliste, wurde dem Coach persönlich angeboten. Marine Partaud aus Frankreich (Nr. 3) sowie die Niederländerin Anouck Vrancken Peeters (Nr. 7) sind zwei weitere Neue im Team. „Wir standen vor einem Umbruch, da einige Spielerinnen mit Beruf und Familie andere Prioritäten setzten“, erläutert der Coach die Zusammenstellung des Kaders.

Highlight wird für ihn und sein Team das Lokalderby gegen Blau-Weiss Köln sein, (14.5.in Aachen). Ihre klare Ansage: „Das wollen wir unbedingt gewinnen.“



Text: Michael Thoma

Bild TK BW Aachen: Marc Zander

Bild BW Köln: Simon Laskey

Bild GW Aachen: Lisa Brunnenmann