Zum Hauptinhalt springen
Leistungssport

Damen TK BW Aachen: Deutsche Vizemeisterinnen 2023

In der Bundesliga der Frauen hat das Team des TC Bredeney seinen Titel erfolgreich verteidigt. Im letzten Spiel der Saison besiegten die Spielerinnen aus Essen in einem Auswärtsspiel Blau-Weiss Aachen mit 5:4. Dem TC Bredeney gelang somit das Triple, also der dritte Meistertitel in Folge. Die Gastgeberinnen aus Aachen hatten sich als Tabellenzweite auch noch Chancen auf den Meistertitel ausgerechnet. Für Aachen war es die vierte Deutsche Vizemeisterschaft. Absteigen müssen die Teams von Hannover und Bernhausen. Ihre beiden Siege zum Abschluss konnten daran nichts ändern.

3:0, 4:0. 4:1, 4:2. Das kann doch nicht wahr sein, mag sich so manch einer, der nicht live auf der Anlage am Luxemburger Ring dabei war, sondern nur auf dem Handy am live-ticker das letzte Spiel um die Deutsche Meisterschaft verfolgt hat, die Augen gerieben haben. Was ist denn da los in Aachen? Sind das eventuell nur Zahlenverdreher? Kann das Team des Gastgebers nach drei Vize-Titeln dem großen Favoriten, der bislang eine weiße Weste hatte, und das Triple also den dritten Meistertitel in Folge anstrebte, doch ein Bein stellen.

Die Aachenerinnen, die zwei Minus Punkte, also eine Niederlage, auf ihrem Konto hatten, hätten mit einem deutlichen 7:2 Sieg ihren ersten Meistertitel sichern können. Für Spannung war gesorgt, besonders nach den ersten Spielen.

Mit einem Sonder-Newsletter hatte der Club seine Mitglieder und alle Fans rund um Aachen auf das Spiel eingestimmt. Die ließen sich nicht lumpen. Nahezu 600 Zuschauer bevölkerten die Anlage. „Das war eine Super Stimmung“, schwärmten Sportchef Marc Zander und seine Mitstreiter noch lange nach dem letzten Matchball, als bereits die Niederlage fürs eigene Team festand, von dem Finaltag in Aachen.

Der Reihe nach. Zurück zu dem Zahlen-Puzzle vom Anfang. In der 1. Einzelrunde sorgten Anna Bondar (Ungarn) an Position 2 sowie ihre erst 17-jährige Landsfrau Luca Udvardy mit Champions Tiebreak Siegen über Jule Niemeier und Katharina Hobgarski für erste Überraschungen. „Gegen Jule Niemeier muss man erst einmal gewinnen“, unterstrich Coach Tilo Fritschi die Leistung seiner Nummer 2, Anna Bondar. Vor einer Niederlage stand im dritten Einzel Lesly Kerkhofe in ihrem Spiel gegen Anna-Lena Friedsam. Der Deutschen Billy Jean King Cup Spielerin fehlten zum Matchgewinn beim Stande von 7:6 und 5:4 und 15:0 noch ein paar Pünktchen, bevor eine Verletzung ein weiterspielen unmöglich machte. Was war passiert? Beim Einsammeln eines Balles auf dem Nebenplatz, stürzte die deutsche Spitzenspielerin als sie über eine knapp 50 Zentimeter hohe Bande hüpfte, die zwischen den Plätzen stand, so unglücklich, dass sie sich eine schmerzhafte Wunde am Bein zuzog. Die musste anschließend im Krankenhaus mit ein paar Stichen genäht werden. Später kehrte sie auf die Anlage zurück. „Sie wird wohl ein paar Wochen pausieren müssen“, erläuterte Thilo Fritschi den tragischen und für ein Tennisspiel sicher auch kuriosen Zwischenfall.

Über den zusätzlichen Punkt freuten sich die Aachenerinnen überhaupt nicht. Immer nervöser wurde nach dem unglücklichen Missgeschick aber der Essener Betreuerstab. Denn nach einem weiteren erfolgreichen Matchball von Arianne Hortona, die die Rumänin Buscamecu glatt in zwei Sätzen besiegte, stand es plötzlich 4:0 für Aachen. Zu diesem Zeitpunkt konstatierte Thilo Fritschi eine zunehmende Nervosität beim Favoriten aus Essen. „Die hatten richtig Muffensausen.“ .

Durchatmen dann beim Titelverteidiger nach den beiden letzten Einzelspielen. Im Spitzenspiel der beiden Topgesetzten Spielerin war es dann Pera Bernarda, die gegen Aachens Ysaline Bonaventure in zwei Sätzen den ersten Punkt für die Gäste verbuchte. Zwei Sätze benötigte anschließend auch Tatjana Maria, die Wimbledon Halbfinalistin des Vorjahres, gegen Aleksandra Krunic. Mit den beiden Siegen war vieles wieder gerade gerückt. Aber auch in diesen beiden Aufeinandertreffen blieben die Aachener noch optimistisch. „Das war eine ganz enge Kiste“, kommentierte Marc Zander die eigene Gefühlslage. Denn in beiden Spielen waren jeweils die ersten Sätze erst im Tiebreak zugunsten der Gäste entschieden. Thilo Fritschi: „Es hätte möglichweise ganz schnell auch 5:0 oder 6:0 für Aachen stehen können.

Marc Zander und Thilo Fritschi aus dem blau-weissen Führungsstab, aber auch die meisten der vielen Zuschauer, stellten sich anschließend nüchtern der Realität. Es war eine einfache Rechnung. „Wir wussten, dass wir jetzt alle Doppel gewinnen müssen“, erklärte Coach Thilo Fritschi den letzten Stand vor der abschließenden Hochrechnung. „Deshalb haben wir die Doppel mit vollem Risiko aufgestellt“, erläuterte Marc Zander die Doppel Strategie. „Bei einem anderen Spielstand hätten wir ein Doppel ganz stark gemacht.“

Alles war klar: Es war ein letztes Aufbäumen, denn auf der anderen Seite des Netzes stand auf allen drei Plätzen die absolute Creme de la Creme im deutschen Frauen Tennis. Gegen Siegemund/Niemeier, Kimberley/Zimmermann und Maria/Hogbarski darf man verlieren, machte auch niemand aus dem Blau-Weiss Lager den eigenen Spielerinnen einen Vorwurf. In jeweils zwei Sätzen machten die Spielerinnen des Titelverteidigers kurzen Prozess. Kurz vor 19 Uhr stand es nach nach mehr als sechs spannenden und ereignisreichen Stunden 5:4 für die Gäste aus Essen. Als hätte der Wettergott ein wenig Mitleid mit dem neuen und alten Vizemeister öffnete der Himmel nach der Siegerehrung alle seine zur Verfügung stehenden Schleusen.

„Es ist dann alles so gelaufen wie es von Anfang an zu erwarten war“, bilanzierte Marc Zander den Finaltag trotz allem sehr entspannt und zufrieden. „Es war eben ein Aufeinandertreffen von David und Goliath.“ Ein Vergleich, der es auf den Punkt brachte, obwohl man sich die beiden nur schwerlich in Tennisröckchen vorstellen kann.

Ob beide Teams sich leistungsmäßig im nächsten Jahr näher kommen werden, daran ist wohl nicht zu glauben. „Die haben unheimlichen Respekt vor uns“, hörte Thilo Fritschi aus den Gesprächen nach der Siegerehrung im vertraulichen Small talk heraus. „Die wollen sich noch mehr verstärken.“ Das ist doch eine Aussage.

„Wir bleiben unserer Linie treu und machen so weiter wie bisher“, war dazu die Antwort aus der blau-weissen Führungsriege. Zur Erinnerung: auch im Vorjahr gab es am letzten Spieltag eine ähnliche Konstellation. Der TC Bredeney führte verlustpunktfrei die Tabelle an. Aachen war mit einer Niederlage zweiter, hätte damals auf der Anlage in Essen 8:1 gewinnen müssen. Auch damals war es ein unmögliches Unterfangen. Aachen gewann mit 5:4 und reiste damals mit dem Gefühl nach Hause, dem Deutschen Meister die einzige Niederlage zugefügt zu haben. In diesem Jahr gab es zwar keinen Sieg, dafür wurde den Zuschauern live auf der Anlage aber ein irre spannender Finaltag geboten, der Lust auf mehr Tennis Bundesliga macht. Abgerundet wurde der Finaltag mit der Siegerehrung, zu der der Vize Präsident „Wettkampfsport“ des DTB, Nico Weschenfelder, und die Geschäftsführerin Sport, Veronika Rücker, aus Hannover angereist waren, um den Pokal zu überreichen.

Der TVM gratuliert an dieser Stelle dem TC Bredeney zum Titel-Hattrick und dem TK BW Aachen zu einer starken Vizemeisterschaft und einer beeindruckenden Saisonleistung! Im nächsten Jahr kann der nächste Anlauf genommen werden. Der TVM wünscht viel Erfolg!

Alle Ergebnisse der 1. Damen Bundesliga finden Sie hier.

Text: Michael Thoma

Bild: Marc Zander