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Leistungssport

Durchmarsch perfekt: BW Aachen ist Deutscher Meister

Mit dem 7:2-Auswärtssieg im letzten Spiel bei Waldau Stuttgart sicherten sich die Damen von Blau-Weiss Aachen ihren ersten deutschen Meistertitel. Ungeschlagen beendeten die Spielerinnen vom Luxemburger Ring die Saison. Der Lohn: Platz 1 in der Tabelle vor den Titelverteidigerinnen aus Essen-Bredeney, Dritter wurde BW DD Blasewitz. Absteigen müssen die Teams vom TC GW Luitpoldpark München (7.) und dem DTV Hannover (8.).

Die neuen deutschen Meisterinnen des TK BW Aachen

Die neuen deutschen Meisterinnen des TK BW Aachen.

Die Krönung

Es war kurz vor 16 Uhr an diesem für Blau-Weiss Aachen historischen Nachmittag, als im letzten Spiel der Saison die Spielerinnen in Stuttgart gegen den TEC Waldau nach dem fünften Siegpunkt ihren ersten Deutschen Meistertitel eingetütet hatten. Aleksandra Krunic machte es an Position fünf noch etwas spannend. Erst im Champions-Tiebreak schickte sie Victoria Pohle mit 10:8 auf die Verliererstraße. Sechs Matchbälle waren nötig, bevor beim Stand von 9:8 die mitgereisten Fans jubeln durften. Jetzt konnte nichts mehr schiefgehen. Das letzte Einzel von Hanne Vandewinkel war zu diesem Zeitpunkt noch zugange. Die Belgierin gewann wenig später auch noch ihr Match.

Im Anschluss gingen zwei der drei Doppel an die Gastgeberinnen. Das tat der Begeisterung nach dem letzten Matchball keinen Abbruch. Schnell versammelte sich das Team und seine Betreuer-Crew nach dem „Abpfiff“ vor dem vorbereiteten Titel-Banner zum Siegerfoto: So sehen Sieger aus.

Fazit

„Wir haben den Titel verdient gewonnen“, war Coach Thilo Fritschi nach der, wie er es nannte, „Sensation“ natürlich zufrieden. „Wir hatten einen sehr breiten Kader und konnten während der Saison Absagen bzw. Ausfälle immer gut auffangen.“ Außerdem lobte er den Teamgeist und die mentale Stärke seiner Schützlinge.

„Wenn du weißt, dass du dir nach dem zweiten Spieltag keine Niederlage erlauben darfst, um Meister zu werden, ist das schon eine starke mentale Leistung.“

Der Erfolg in dieser Saison ist umso bemerkenswerter, da es sich bei dem Team um keine teuer erkaufte Truppe handelt. Die meisten der Spielerinnen halten dem Verein schon seit Jahren die Treue. Punktuell wurde das Team regelmäßig verstärkt, wie in dieser Saison u. a. mit der Niederländerin Suzan Lamens.

Mitspielen ja, gewinnen, wenn möglich, aber nichts erzwingen – so kann die Vereinsphilosophie beschrieben werden, die seit Jahren auch bei den Herren vom Macher-Team um Sportvorstand Marc Zander erfolgreich umgesetzt wird.

Eine Konstante der sportlichen Entwicklung ist auch die Trainer-Konstellation. Mit Steffi und Thilo Fritschi ist seit 14 Jahren ein Ehepaar für die stetige Aufwärtsentwicklung der Spielerinnen verantwortlich. Seit einem Jahr leben die beiden im Schwarzwald, was aber, wie man nach der Saison sieht, keinerlei negative Auswirkungen hatte. Thilo Fritschi: „Unsere Spielerinnen kommen vor den Spielen aus allen Herren Ländern angereist, wir eben aus Freiburg.“

​Aleksandra Krunic holte den fünften, entscheidenden Punkt im letzten Saisonspiel. Foto: Marc Zander/BW Aachen

Aleksandra Krunic holte den fünften, entscheidenden Punkt im letzten Saisonspiel. Foto: Marc Zander/BW Aachen

Bescheiden ambitioniert

„Wir wollen wie in den letzten Jahren oben mitspielen“, lautete die Parole für 2025. Zuletzt hatten sie immer an der Tabellenspitze schnuppern dürfen. Aber immer war der TC Bredeney eine scheinbar unüberwindbare Hürde auf dem Weg nach ganz oben – auch für die anderen Teams.

Dieses Mal kam alles anders. Am zweiten Spieltag mussten die Spielerinnen des Titelverteidigers in Aachen antreten. 5:4 stand es nach dem letzten Matchball denkbar knapp für Aachen.

Seitdem war klar: „Wenn wir kein Spiel mehr verlieren, werden wir Deutscher Meister“, so die nüchterne und realistische Hochrechnung des Aachener Trainer-Teams. „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“, bemühte Thilo Fritschi nahezu gebetsmühlenartig nach jedem Spiel die aktuelle Wasserstandsmeldung. Sie wollten es alle nicht so richtig wahrhaben, was möglich schien. „Wir sind keine Optimisten, sondern Realisten“, wurden voreilige Glückwünsche zur möglichen Meisterschaft immer zurückgewiesen. „Aber träumen sei erlaubt.“

Die anderen deutlichen Siege stimmten zuversichtlich, auch wenn der Hinweis auf die Deutlichkeit dieser Siege natürlich nicht immer den wahren Spielverlauf widerspiegelte. Das ist in der Bezirksliga genauso wie in der Bundesliga.
Nach dem 8:1-Sieg beim Aufsteiger Luitpoldpark München, also zwei Spieltage vor dem Saisonfinale (gegen Hannover und Waldau Stuttgart), kam so allmählich meisterliche Stimmung auf. Coach Thilo Fritschi äußerte sich noch eher unterkühlt optimistisch: „Es sieht gut aus“, war Sportvorstand Marc Zander für seine Verhältnisse nahezu euphorisch: „Jetzt müssen wir den Pott holen“, redete er auch öffentlich nicht mehr um den heißen Brei herum. „Und die Girls sind richtig heiß darauf.“

Heißes Wochenende

Den Girls musste man das nicht zweimal sagen. In München entfachten sie erneut ein Feuer und schlugen wieder mal sehr deutlich zu. Nach dem 8:1-Sieg konnte die Mannschaft endlich auch offiziell auf dem Nachhauseweg die Abfahrt „Titelgewinn“ ansteuern.

Vor dem Auftritt in München hatten Trainer Thilo Fritschi und Marc Zander allerdings eine Menge Sorgenfalten auf der Stirn. Nur sieben der gemeldeten 18 Spielerinnen standen zur Verfügung. Zwei seiner besten, Alexandra Krunic und Anna Bondar, waren noch auf anderen internationalen Einsätzen erfolgreich unterwegs. Krunic erreichte in Paris bei den French Open im Doppel das Finale. Es war ihr bislang größter Erfolg auf der internationalen Tennisbühne. Deshalb konnten die Teamkolleginnen den Ausfall gut verschmerzen. Man hat es ihr gegönnt. Auch Anna Bondar erreichte bei ihrer Abwesenheit in Bari das Finale, das sie in drei Sätzen verlor.

​Anna Bondar hatte maßgeblichen Anteil am Titelgewinn. Foto: Marc Zander/BW Aachen

Anna Bondar hatte maßgeblichen Anteil am Titelgewinn. Foto: Marc Zander/BW Aachen

Titel immer greifbarer

Euphorisiert von der möglichen Sensation räumten alle Beteiligten inzwischen eine gehörige Portion Nervenflattern ein. Thilo Fritschi: „Wir sind alle schon ein bisschen nervös.“ Auch vor dem Auftritt im letzten Heimspiel gegen den Tabellenletzten Hannover. Aber wie in den vorausgegangenen Begegnungen ließen die Spielerinnen gegen die Gäste aus Niedersachsen nichts anbrennen. Mit 7:2 folgte der nächste Schritt Richtung Meisterschaft.

Weiße Weste

Nach dem 7:2-Erfolg war der Tisch für die Meisterfeier so gut wie gedeckt. Bislang ungeschlagen, wäre ein weiterer Sieg im letzten Spiel der Saison bei Waldau Stuttgart der krönende und verdiente Abschluss der Saison.

In Lauerstellung blieb der TC Bredeney, der sich beim 7:2-Erfolg gegen RW Berlin am vorletzten Spieltag keine Blöße gab. Die Titelverteidigerinnen warteten nur auf ihre letzte Chance, auf einen Ausrutscher der Aachenerinnen in Stuttgart. Den wollten ihnen die Spielerinnen des Tabellenführers aber nicht bieten. Bei einer Niederlage von Aachen und einem Sieg von Essen müsste gerechnet werden. Da sich die Aachenerinnen beim Saisonfinale in Stuttgart aber keine Blöße gaben (Bredeney gewann das letzte Spiel 9:0), musste der Rechenschieber nicht bemüht werden. „Wir hatten dann noch einen netten Abend im Klubhaus von Waldau. Ein DJ sorgte für viel Stimmung“, lobte Thilo Fritschi noch einen Tag später die Gastfreundschaft der Stuttgarter. Die hatten trotz der Niederlage auch einen Grund zu feiern: Sie konnten die Klasse halten. Die Rückfahrt der neuen Deutschen Meisterinnen in die Heimat oder bereits zu den nächsten Turnieren konnte feuchtfröhlich gestartet werden.

Clubambitionen

Es ist der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte des Clubs, der vor 63 Jahren gegründet wurde. Mit ihrem Herrenteam hat Blau-Weiss Aachen seit Jahren auch eine zweite Mannschaft, die erstklassig um Bundesligapunkte spielt.

Der Club versteht sich selbst als „Familienverein“. Leistungs- und breitensportliche Ambitionen werden gleichbedeutend angeboten. Nahezu 1000 Mitglieder (953), die in 41 Mannschaften am Wettspielbetrieb teilnehmen, sind im Sommer auf acht Außenplätzen aktiv. Die Anlage im Aachener Südviertel verfügt seit Kurzem für die Winterzeit auch über eine zweite Traglufthalle.

Großen Wert wird auf die Jugendarbeit gelegt. Viele der insgesamt 210 Jugendlichen sind in 19 Teams auf den Spuren der beiden Bundesligamannschaften unterwegs. Die Deutsche Meisterschaft ist für den Club somit auch eine zusätzliche und willkommene Motivationsspritze für die Jugendarbeit.

Alle Ergebnisse der 1. Damen-Bundesliga 2025

Text: Michael Thoma