Freud und Leid bei TVM-Teams in der 1. Tennis Channel Bundesliga
Spannend und ausgeglichen wie selten zuvor, verlief die diesjährige Bundesligasaison der Herren. Bevor die Sieger und Verlierer am letzten Spielwochenende der Saison feststanden, konnte wild spekuliert werden. Vieles war noch möglich. Mittendrin die drei Teams des TVM, Rot-Weiss Köln und Kurhaus Aachen, die an der Tabellenspitze am Meisterschaftsrad mit drehten, sowie der TK Blau-Weiss Aachen, der am Tabellenende um den Klassenerhalt zitterte.
Kurhaus Aachens Federico Coria. Foto: Marcel Decoux
Bundesliga Mathematik
Der Blick auf die Punkte offenbarte, wie eng die Teams dieses Jahr beieinander lagen: Oben führte Bredeney mit nur einem Punkt vor Köln und drei Punkten vor Kurhaus Aachen die Tabelle an. Da die Kölner und das Kurhaus Team am vorletzten Spieltag noch aufeinandertrafen, war es auf jeden Fall ein Finale um die Vizemeisterschaft. Mehr war zudem drin, wenn Essen Bredeney noch verlieren sollte.
Die Kölner konnten bei einem Sieg am letzten Spieltag gegen Blau-Weiss Aachen zudem den Abstiegskampf entscheidend prägen. Die Situation im Tabellenkeller: Blau-Weiss Aachen lag punktgleich mit GW Mannheim auf dem 8. Platz, hatte jedoch das bessere Satzverhältnis. Beide Teams trafen am vorletzten Spieltag aufeinander. Der Sieger hatte gute Chancen die Klasse zu halten. Jetzt kommen wieder die Kölner ins Spiel, die zum Schluss bei Blau-Weiss Aachen aufschlugen. Wurden die Kölner zum Zünglein an der Abstiegswaage? Die Handy-Rechner lagen auf jeden Fall auf allen Plätzen für die mögliche Verlängerung parat. Und die großen Optimisten im Abstiegskampf hatten auch noch den „grünen Tisch“ in ihrem Wunschdenken: „Wenn einer der Zweitliga-Aufsteiger nicht hoch möchte, bleiben wir gerne in der 1. Bundesliga.“
Die Entscheidung
Zum Schluss ging alles schneller als erwartet. Alle Beteiligten wurden nicht bis in die Abendstunden des finalen Sonntags auf die Folter gespannt. Es war 15 Uhr, als sich in Rosenheim das Team von Bredeney bereits vor den Doppelspielen zum Meister-Gruppenfoto aufstellte. Beim Stand von 3:1 war der zweite Titel auch auf den Fotos verewigt.
Im Tabellenkeller jubelte nahezu zeitgleich die Mannschaft von GW Mannheim mit ihren Fans, als Jerome Kym im letzten Einzel den vierten Punkt für den Gastgeber gegen den GHTC perfekt machte. Der Klassenerhalt war gesichert. Zur selben Zeit lag der Mitkonkurrent um den Klassenerhalt, BW Aachen, auf der heimischen Anlage gegen Rot-Weiss Köln mit 1:3 im Rückstand. Selbst ein mögliches Remis hätte bei dem Zwischenstand aus Mannheim für den Verbleib in der Liga nicht gereicht.
Die 550 Zuschauer auf der Anlage am Luxemburger Ring hatten das Spiel in Mannheim natürlich auf dem Live Ticker verfolgt. Als die Kunde vom frühen 4:0 der Mannheimer bei allen angekommen war, gab es nur lange Gesichter. Die Luft war raus. Beide Doppel gingen an die Kölner. Im Einzel gewann Joris De Loore sein Match und somit den Ehrenpunkt gegen einen immerhin ehemals recht prominenten und international erfolgreichen Benoit Paire klar in zwei Sätzen.
BW Aachens Thiemo de Bakker und Michael Geerts. Foto: Marc Zander
Spannung im unteren Tabellendrittel
Rückblick. Zwei Tage zuvor war die Zuversicht noch groß, die Liga halten zu können. Im direkten Duell gegen die punktgleichen Mannheimer, die aber aufgrund des schlechteren Satzverhältnisses hinter Aachen auf einem Abstiegsplatz standen, hätte bereits eine Vorentscheidung zugunsten beider Teams fallen können. Nach einem echten Krimi gab es nach dem 3:3 keinen Sieger. Die Abstiegsfrage wurde auf den letzten Spieltag vertagt.
Beim vielfachen früheren Deutschen Meister mussten sich die Aachener in den Einzeln wieder zwei Mal in der Champions Tiebreak Verlängerung geschlagen geben. Erfolgreicher waren in jeweils zwei Sätzen der Niederländer Max Houkes und der Belgier Joris De Loore. Zwischenstand 2:2. Durchatmen bei allen Beteiligten. In den Doppelspielen war für die Aachener nach der Niederlage ihres ersten Doppels schnell der Traum von zwei Punkten ausgeträumt. Jetzt mussten auf jeden Fall die beiden Niederländer Thiemo de Bakker und Bart Stevens gewinnen, um die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Nach dem 3:6 Satzrückstand glichen die beiden Aachener mit 7:5 aus, bevor der viel umjubelte dritte Punkt mit auf den Heimweg eingepackt werden konnte. Tiefes Durchatmen bei den Aachenern, die damit weiter auf dem Nichtabstiegsplatz auf den Klassenverbleib vor dem letzten Spiel gegen Rot-Weiss Köln hoffen konnten.
Die Niederlage gegen Köln und der zeitgleich deutliche Sieg von Mannheim über den GHTC ließen zwei Tage später dann alle blau-weissen Hoffnungen platzen.
Nüchterne Bilanz
Den Aachenern war klar, dass die Niederlage gegen Köln für den Abstieg nicht ausschlaggebend war. Zu viele Punkte wurden unnötig liegen gelassen, trauerten viele u.a. den 2:4 Niederlagen gegen Neuss und Rosenheim nach.
Dabei hatte der Tennissommer für den Club am Luxemburger Ring mit einem besonderen sportlichen Highlight begonnen. Noch bevor das Herren-Team in der Bundesliga so richtig loslegte, hatten die besten Spielerinnen des Clubs mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft bereits für das ganz große Ausrufezeichen in der Clubgeschichte gesorgt. Mehr geht nicht. Motiviert von dem sensationellen Erfolg ihres Damen-Teams wollten die Herren eigentlich nachlegen. Jetzt heißt es abwarten. Wenn bis zum 30. September einer der beiden Zweitliga-Meister, der SCC Berlin (Nord) oder der TC Augsburg Siebentisch (Süd), von ihrem Aufstiegsrecht keinen Gebrauch machen, rückt Blau-Weiss Aachen nach. Bleibt es bei dem Abstieg, werden sich die Macher um Marc Zander umorientieren müssen. Die Mannschaft wird dann künftig mit sechs Spielern antreten.
Sportlich fair
Die Kölner, die zwei Tage zuvor auf der eigenen Anlage gegen Kurhaus ihre bislang einzige Niederlage kassierten und somit keine Chance mehr auf die Meisterschaft hatten, wollten in ihrem zweiten TVM-Derby nichts herschenken. „Das tut man nicht“, stellte Köln Teamchefin Susi Karimi klar. Sie hatte sich an diesem Tag von ihren Spielern zum Geburtstag auch einen Sieg gewünscht. Den unterlegenen Aachenern, die theoretisch noch die Klasse halten können, wünschte sie eine schnelle Rückkehr. „Wir können nachfühlen wie sie sich jetzt fühlen. Vor zwei Jahren sind wir auch traurig aus Aachen nach Hause gefahren“, erinnert sie sich an das damalige Abstiegsjahr ihrer Kölner.
Kölns Laurent Lokoli. Foto: Benedikt Ernst
Vize-Duell
Zwei Tage zuvor: Im Heim-Derby gegen den TK Kurhaus mussten die bis dahin ungeschlagenen Aufsteiger neidlos die Stärke der Gäste anerkennen. Susi Karimi:“ „Die waren sehr stark.“
Nach dem 4:2 Auswärtssieg sprangen die Gäste aus Aachen auf den zweiten Tabellenplatz. Bredeney wurde dadurch frühzeitig Deutscher Meister. In Köln fiel vor 1500 Zuschauern bereits in den Einzeln (3:1) eine Vorentscheidung. Für den Aufsteiger punktete an Position 4 lediglich Laurent Lokoli, der gegen Louis Wessels nur zwei Spiele abgab. Im Spitzenspiel machte Francesco Passaro gegen Marco Trungelitti schnell einen weiteren Punkt für die Gäste perfekt. Zwei Sätze benötigte auch Aachens Inder Sumit Nagal gegen Kimmer Coppejans. Länger dauerte die Partie zwischen dem Argentinier Frederico Coria und Jan Choinski. Mit 10:6 im Champions Tiebreak baute der 27-jährige den Vorsprung für Aachen zum 3:1 aus. Im Doppel stellten Nagal/Pichler in zwei Sätzen über das erfahrene Kölner Doppel Brown/Koolhof den Gesamtsieg zum 4:2 her.
Stolze Aufsteiger
Mit nur einer Niederlage in der Aufstiegssaison konnten die Kölner gut leben. Von ihrer grandiosen Rückkehr in die 1. Liga war nicht nur Kölns Tennischefin Susi Karimi sehr angetan. „Ich bin beeindruckt. Aber ich hab auch in den letzten Jahren immer an mein Team geglaubt“, lobt sie den Zusammenhalt und den Teamspirit ihrer „Asse auf Asche“. „Das muss wachsen“, erläutert sie ihr Vertrauen in die Spieler. Dass es eine gute Saison werden könnte, war ihr schon nach drei Spielen klar. „Die Unentschieden gegen Bredeney und Großhesselohe, die damals noch mit allen ihre Stars antraten, haben gezeigt, wie selbstbewusst und cool unsere Spieler als Aufsteiger aufgetreten sind.“ Spannend und intensiv war der Bundesligamonat für alle rund um das Aufstiegsteam. „Ich bin schon froh, dass jetzt alles vorbei ist“, freut sich Susi Karimi auf ihren Urlaub in Italien aber auch auf die kommende Saison in der 1. Bundesliga.
Kurhaus Aachens Timofey Skatov. Foto: Marcel Decoux
Im Flow
Nach dem Auswärtssieg in Köln war für Kurhaus Aachen der letzte Auftritt der Saison noch einmal eine Bestätigung ihrer Ambitionen. 1450 Zuschauer feierten den 6:0 Heimsieg ihres Teams über Blau-Weiss Neuss. Bis auf einen Sieg im Champions Tiebreak waren alle übrigen Begegnungen nach zwei Sätzen zu Ende. Es war bereits die dritte Vizemeisterschaft des Teams (2004/2014).
Das Fazit stimmte alle zufrieden. „Wir haben versprochen immer oben an der Tabellenspitze mitzuspielen,“ bilanzierte Alexander Legsding die Saison. Es war vieles möglich, sogar der Titel. Zum Schluss war es die Vizemeisterschaft, mit dem sie im Kurpark gut leben können. Die Saisonanalyse zeigt aber auch nüchtern: Es hätte besser laufen können. „Es lief vieles blöd“, denkt Legsding dabei an die Erfolge eigener Spieler bei hochkarätigen Turnieren. Cobolli erreichte das Viertelfinale in Wimbledon und Taberner war in Umag erstmals in einem Finale bei einem internationalen Turnier. „Bei den Verhandlungen mit Cobolli wurde mir vor der Saison versichert: Keine Angst, der ist auf Rasen nicht so gut“, erinnert sich Legsding an die wohl gut gemeinten Tipps. Er hat sich natürlich auch über den Wimbledonauftritt von Cobolli gefreut. Sein Einsatz in der Bundesliga war fest einplant. Der Teamchef: „Da muss man einfach auch gönnen können, auch wenn die eigenen Wünsche bzw. Vereinbarungen dadurch null und nichtig werden.“ Vor der nächsten Saison werden die Rasenqualitäten der Neuen sicher gründlicher unter die Lupe genommen.
Bedauert wurde beim Vizemeister der sportliche Abstieg des Nachbarn Blau-Weiss. Alexander Legsding: "Die Derbys hatten immer ihren besonderen Reiz." Aber auch bei Kurhaus setzt man in freundschaftlicher Verbundenheit auf das Prinzip Hoffnung. Vielleicht klappt es ja doch noch mit dem sechsten Derby in der nächsten Saison.
Text: Michael Thoma