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Leistungssport

Herren Bundesliga: Aachen bleibt erstklassig - Köln steigt ab

Der TV Mittelrhein wird in der nächsten Saison nur noch mit einer Mannschaft in der 1. Bundesliga vertreten sein.Der TK Kurhaus Aachen sicherte sich am vorletzten Spieltag mit einem 4:2 Sieg gegen TC Großhesselohe als Tabellensiebter den Klassenerhalt. Absteigen muss nach sieben Jahren Erstligazugehörigkeit das Team von Rot-Weiss Köln. Die Kölner belegten vor dem Team Hämmerling TUS Sennelager den vorletzten Platz. Deutscher Mannschaftsmeister wurde wie im Vorjahr Grün-Weiss Mannheim.

Kurhaus Aachen

Foto: TC Kurhaus Aachen

„Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen“, beschreibt Kurhaus Manager Alexander Legsding die zurückliegenden Wochen. „Wir wollten eigentlich oben mitpielen, mussten dann aber froh sein, dass wir nicht absteigen“, brachte es Legsding auf den Punkt. Nach zwei Unentschieden zum Auftakt (Krefeld und Rosenheim) gabs anschließend zwei Pleiten gegen den Rochusclub aus Düsseldorf und Mannheim, bevor ein weiteres Remis gegen Neuss die Bilanz ein wenig aufhübschte. Nach der Niederlage (2:4) beim TVM- Nachbarn Rot-Weiss Köln zeigte der Daumen dann wieder ein wenig nach unten. Die Siege gegen Sennelager und Großhesselohe (jeweils4:2) sicherten den Kurhäuslern, die bereits seit 2003 dem Oberhaus angehören und mit fünfMeister- und zwei Vizetitelzu den erfolgreichsten Teams derBundesliga zählen, den Klassenerhalt. Die abschließende 1:5 Niederlage beim Gladbacher HTC fiel nicht mehr ins Gewicht. Das Team wurde siebter und verbannte aufgrund des besseren Satzverhältnisses Krefeld und Köln auf die nachfolgenden Plätze. Für die Kölner bedeutete dasden Abstieg

„Es hätte alles nicht so dramatisch sein müssen“, atmete Alexander Legsding zunächst tief durch, bevor er zur Analyse ansetzte. Ein Knackpunkt war sicher die Absage von Roberto Bautista Agut, der zum Saisonauftakt mit zwei Einsätzen eingeplant war. „Das wären zwei Siege gewesen, dann hätten wir oben mitgespielt“, haderte die sportliche Leitung mit der bekannten Leier „hätte, hätte ..“ Legsding und sein Coach Dominik Meffert waren aber sichtlich verärgert über den plötzlichen Sinneswandel. „Er wollte sein Sprunggelenk schonen, weil er zuvor in Wimbledon ein paar Mal auf dem glitschigen Rasen ausgerutscht war“, erklärt Legsding den Grund der Absage. Auf ihren zweiten Topspieler Pablo Cuevas musste Kurhaus ebenalls verzichten. „Er war noch auf Turnieren im Doppel im Einsatz. Da gab es auch Pandemie bedingt zahlreiche Probleme mit der Hin- und Her- Reiserei“, brachte der Kurhaus Teamchef ein wenig Verständnis für seinen Südamerikaner auf. „Die wollten natürlich in diesem Corona Jahr möglichst viele Turniere wieder spielen. Das ist eben ihr Beruf.“

Für die nächste Saison will man daraus die Lehren ziehen. Selbstkritisch räumen die Kurhaus Planer ein, die Hausaufgaben vor der Saison nicht optimal erledigt zu haben. „Da müssen wir künftig im Vorfeld besser planen, damit wir nicht immer erst auf den letzten Drücker ein Team zusammen bekommen“, kündigen die sportlich Verantwortlichen Veränderungen an. So sollen sich die Spieler klar zu den Vereinbarungen bekennen und für ihre Bundesligaeinsätze keine Turniere planen.

Es hat dann doch noch gerade so hingehauen. Als die Ergebnisse der anderen Begegnungen nach dem eigenen überraschenden 4:2 Sieg über den TC Großhesselohe bis ins Kurhaus Clubhaus vorgedrungen waren, kannte der Jubel unter den Spielern und den 500 Fans auf der Anlage keine Grenzen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde bereits viel hochgerechnet. Was passiert wenn? „Wir hatten für den schlimmsten Fall drei Möglichkeiten ausgerechnet.“ Nach der 2:4 Niederlage von Köln in Gladbach war dann klar, dass aufgrund des günstigen Satzerhältnisses selbst bei einer deutlichen Niederlage im letzten Spiel gegen den GHTC nichts mehr anbrennen kann.Alexander Legsding: „Wir hatten natürlich auchschon mal den Abstieg vor Augen, deshalb fiel uns allen ein riesiger Stein vom Herzen, als alles klar war.“ Nach teilweise schlaflosen Nächten durfte gefeiert werden.

Es war ein denkwürdiger vorletzter Spieltag, denn mit dem TC Großhesselohe stellte sich immerhin ein Team vor, das noch Chancen auf den Meistertitel hatte. Mit einem Sieg rechnete deshalb im Kurhaus Team kaum jemand. Der Fokus wurde auf die letzte Partie in Mönchengladbach gelegt. Gegen die Gäste aus Bayern war es für die Spieler eine Art Klassentreffen. Gleich drei Spieler aus München waren jahrelang Stützen des gastgebenden TK Kurhaus, sieben Jahre spielte u.a. Philipp Kohlschreiber im Lambertz Team. An fünf Meister- und einem Vizetitel der Aachener war er beteiligt. Auch Matthias Bachinger und Peter Gojowczyk kennen die Kurhaus Anlage noch bestens.

Im Blickpunkt des Interesses stand die Partie von Philipp Kohlschreiber, der vor Jahren auf dem Center Court so manchen wichtigen Punkt für seiner Aachener eingefahren hatte. Als Neu -Bayer tat er sich zunächst recht schwer gegen den Spanier Carlos Taberner, der gleich mit 3:0 fast schon auf und davon zog. Aber wer Kohli auch aus den ehemaligen Aachener Zeiten kennt, wusste, das war es noch lange nicht. Seine Aufholjagd hatte es in sich: 3:3, 4:4, 5:4, 6:4. Jetzt schien alles wieder im Lot. Aber Aachens Spanier drehte anschließend erst so richtig auf. 6:1, also Satzausgleich. Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten. Zum Schluss bewies Kohlschreiber dann einmal mehr, warum er immer noch zu den besten deutschen Spielern zählt. Im Champions Tiebreak bescherte er mit 10:4 seinem Team noch ein wichtigen Einzelpunkt. „Er hat dann spielerisch vor allem mit seiner Rückhand einfach mehr drauf“, zollte ihm auch Alexander Legsding, der seine Stärken bestens kennt, viel Lob. Die beiden Kurhaus Siege im Einzel verbuchten Martin Cuevas (6:3, 5:7,10:6 gegen Gojowczyk) und Vit Kopriva (6:1,4:6,10:3 gegen Cerundolo). Halys hatte mit 6:7,2:6 gegen Novak das Nachsehen.

Nach dem 2:2 mussten die Doppel die Entscheidung bringen, in denen für Kurhaus Halys/Cuevas und Kopriva/Langer in jeweils zwei Sätzen die große Überraschung perfekt machten. Kurhaus gewann 4:2 und blieb nach viel Rechnerei bereits vor dem letzten Spieltag erstklassig. Für die bayrischen Gäste waren die Titelhoffnungen ausgeträumt. Konsterniert traten sie die Fahrt nach München bzw. zu einem der nächsten Flughafen an.

Der TK Kurhaus darf sich auf eine weitere Saison in der Erstklassigkeit freuen. Das letzte Wort hat wie das eben im Profissport so üblich ist, der Hauptsponsor. „Dr. Herman Bühlbecker hat sich riesig über den Sieg gegen Großhesselohe gefreut“, deutete Alexander Legsding schon mal postive „Rauchzeichen“ aus der Chefetage an.

Rot-Weiss Köln

Foto Credit „Alex Nickel“

Für die Kölner war es eine äußerst unbefriedigende Saison, in die sie bereits mit einem mulmigen Gefühl gestartet waren. Bereits vor dem 1. Aufschlag, hatte Sussan Karimi, die Tennis -Chefin des Clubs, vehement auf die durch die Corona bedingte Lage hingewiesen. Im Bundesliga Vorbericht auf der TVM Homepage hatte sie eindrücklich vor den Konsequenzen gewarnt, die die Pandemie zwangsläufig mit sich brachte. Karimi, die selbst in England ein zweiten Zuhause hat, und die Pandemie Gegebenheiten aus eigener Erfahrung bestens einschätzen konnte, hatte sich gegen die Durchführung der Saison gestimmt. Damals machte sie bereits keinen Hehl aus ihrer Meinung. „Die Bedingungen für ein normalen Ablauf sind zu kompliziert, um eine Chancengleichheit zu gewährleisten. Die Bundesliga funktioniert nur dann, wenn eine absolute Reisefreiheit gewährleistet sei.“

Im nachhinein muss sich die Kölnerin bestätigt fühlen. Den Abstieg ihres Team will sie damit nicht erklären. „Wir sind faire Verlierer und nehmen den Abstieg sportlich“, sind ihre abschließenden Worte zu der „Corona Saison“ 2021. Nicht ganz so gelassen war Coach Ralph Grambow bei seinem Saison Rückblick. Er machte den Termin Hickhack zum Saisonstart für viele Probleme aller Teams verantwortlich. „Das war absurd. Wir hatten den Veränderungen beim DTB nur zugestimmt, weilden Clubs dann, eine Saison ohne Abstieg zugesichert wurde.“

Als Mannschaftsbetreuer wurde er wie alle seine Kollegen aus den anderen Clubs von Spieltag zu Spieltag mit den nicht alltäglichen Problemen der sich immer wieder ändernden Situationen konfrontiert. „Am 3.Spieltag mussten wir uns mit einer Rumpftruppe in Sennelager 0:6 geschlagen geben“, ereiferte sich Grambow noch Tage später über fehlende Punkte, die zum Schluss möglicherweise ein besseres Ende gebracht hätten. Sportlich nüchtern gesehen machten den Kölnern zu schaffen, dass Jan Choinski sich kurz vor dem Bundesligastart an der Schulter verletzt hatte und nach einer Operation nicht einsatzfähig war.

Nach den Niederlagen in Paderborn beim TUS Sennelager und anschließend beim Deutschen Meister in Mannheim (1:5) zeichnete sich nach dem 4:2 Sieg gegen den TVM-Nachbarn von Kurhaus Aachen eine Wende an.

Der Heimsieg im Lokalderby machte Mut. Es war er ein wichtiger Schritt Richtung Klassenerhalt. „Es war ein tolle Teamleistung“, erinnert sich Tennis- Chefin Sussan Karimi an das Derby, das trotz längerer Regenpause auf Asche über die Bühne gebracht werden konnte. Am Erfolg beteiligt war nach seiner langen Verletzungspause auch wieder Andy Mies, der im Doppel mit seinem italienischen Partner Andrea Vavassori seine alte Doppelstärke wieder unter Beweis stellte.

In zwei Sätzen besiegten sie Salvatore Caruso und Carlos Taberner. Enger ging es in der anderen Doppelbegegnung zwischen Enzo Couacaud/Dustin Brown gegen die starken Aachener Tim Pütz und Pablo Cuevas zu. Der 10:6 Sieg im Champions Tiebreak für die Kölner war für alle eine ganz große Überraschung.

Die beiden Doppelpunkte machten den 4:2 Erfolg perfekt, nachdem es nach den Einzel noch 2:2 stand. Die beiden Neuen im Rot-Weiss Team, Couacaud und Vavassori, bestätigten das Vertrauen, dass die Kölner bei ihrer Verpflichtung in sie gesetzt hatten. Keine Chance hatte im Spitzenspiel Kimmer Coppejans, der Pablo Cuevas in zwei Sätzen lediglich zwei Spiele abnahm. Spannend war einmal mehr die Partie von Dustin Brown, der im Champions Tiebreak gegen Carlos Taberner das Nachsehen hatte (5:10). Der Halbzeitstand war für die Kölner die halbe Miete. „Wir wollten ein Doppel gewinnen, um nicht zu verlieren“, lautete die Marschroute. Als es dann zwei Punkte im Doppel wurden, war der Jubel groß. Von der allgemeinen Euphorie ließ sich Sussan Karimi nicht anstecken. „Wir sind noch nicht am Ziel. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen“, blickte sie skeptisch realistisch auf die noch ausstehenden Spiele. Ihre Vorahnung bestätigte sich. In den folgenden drei Spielen gab es nur noch ein Pünktchen, und das war zum Schluss gegen Blau-Weiss Krefeld (3:3) zu wenig, um alle Abstiegsgespenste zu verjagen. Ein Sieg wäre nötig gewesen, dann wäre der Klassenerhalt sicher gewesen, Krefeld hätte absteigen müssen.

Im „ Abstiegs-Finale“ konnte Köln in Krefeld ein starkes Team aufbieten. „Wir wollten ein 2:2 nach den Einzel“, gab Teamchef Ralph Grambow die Marschrichtung vor. „Dann wäre ein Sieg möglich gewesen. Zwei Niederlagen im Champions Tiebreak durchkreuzten dann jedoch wieder einmal die anvisierten Pläne. Dustin Brown und Adam Pavlasek unterlagen in der entscheidenden Phase mit 3:10 bzw. 5:10. Nach der Zweisatzniederlage von Kimmer Coppejans im Spitzenspiel standen bereits drei Minuspunkte auf dem Kölner Konto. Andrea Vavassori punktete im Einzel als einzigert. Damit war beim Stande von 1:3 klar, dass der eingeplante Sieg nicht mehr möglich war. Die beiden Doppelsiege der Kölner waren noch eine Ergebniskorrektur. Am Abstieg konnten sie nichts mehr ändern.

Für das abschließende Tabellenbild war der Computer wieder gefordert. Die Hochrechnung der Matchverhältnisse reichte nicht mehr aus. Düsseldorf, Aachen, Krefeld und Köln hatten alle ein 7:11 Punktekonto. Jetzt mussten die Sätze nachgezählt werden. Bei dieser Rechnung hatten die Kölner die schlechtesten Karten. Hinter Düsseldorf, Aachen und Krefeld beendete das Team die Saison als Vorletzter (der Tabellenletzte Sennelager spieltebeim Matchverhältnis von 3:15 keine Rolle mehr) .

„Wir sind mit der Leistung und dem Auftreten unserer Spieler trotz allem zufrieden“, fassten Coach Ralph Grambow und die Tennis- Chefin des Clubs, Sussan Karimi, ihre Gefühlslage im Moment des Abstiegs zusammen. „Wir machen niemanden einen Vorwurf“, blicken sie vielmehr positiv nach vorne. „Wir wollen direkt wieder aufsteigen“, erklärteRalph Grambow das Ziel für die nächste Saison. „Alle Spieler wollen bleiben“, freutesich Sussan Karimi über den Zuspruch ihrer Schützlinge, obwohl die gerade in den sauren Apfel des Abstiegs beißen mussten.

Michael Thoma