Herren Bundesliga Halbzeit: TVM-Teams im Überblick
Kölner Aufsteiger überraschen
In der Bundesliga belegt der Aufsteiger Rot-Weiss Köln nach fünf Spielen in der Tabelle den 3. Platz. Damit sind die Kölner bei vier noch ausstehenden Spielen das beste TVM-Team. Die Kölner haben nur zwei Punkte weniger auf dem Konto als der führende TC Bredeney.
Kurhaus Aachens Mannschaft folgt auf Platz 4, die sich zu diesem Zeitpunkt mehr ausgerechnet hatte. Der Dritte im TVM-Bunde, Blau-Weiss Aachen, konnte zuletzt nach zwei Spielen in Folge ohne Niederlage einen Abstiegsplatz verlassen: Platz 8. Bis zum 10. August müssen alle Teams noch viermal ran, bevor der Meister und die Absteiger feststehen.
Marco Trungeliti von RW Köln. Foto: Benedikt Ernst
Platz drei nach fünf Spieltagen für Rot-Weiss Köln
Platz drei in der Tabelle. Der Aufsteiger konnte sich nach fünf Spielen entspannt zurücklehnen. Nach dieser Rückkehr ist möglicherweise sogar mehr drin. Aber der Euphorie wurde schnell ein Riegel in Form des erhobenen Zeigefingers ihrer Teamchefin vorgeschoben.
„Wir lassen uns davon nicht blenden“, blieb Susi Karimi realistisch und selbstkritisch. „In der Saison ’21 hatten wir dreimal gewonnen und einmal unentschieden gespielt, sind danach aber trotzdem noch abgestiegen“, denkt sie an Erfahrungen zurück, die einen „bescheiden bleiben lassen“.
Aktuell ist sie mit ihrem Team mehr als zufrieden. „Der Teamspirit und die tolle Unterstützung der Fans – auch bei Auswärtsspielen – haben viel zu dem bisherigen Erfolg beigetragen.“
Die Teamleitung und Spieler stellen auch fest, dass der Druck in der 2. Liga in den letzten Jahren größer war. Karimi: „Wir mussten immer gewinnen, das war schon stressig.“ Jetzt können sie ihre Erfolge auch ein bisschen mehr genießen. „Siege gegen Struff oder Pütz haben gezeigt, wie cool unsere Jungs drauf sind.“
Gelungener Einstand
Beim Blick auf die Ergebnisse wird mancher Rot-Weiss-Fan sicher gedacht haben: „Da war mehr drin.“ 3:1 führten die Aufsteiger gegen GW Mannheim nach den Einzeln. Sie profitierten dabei von der verletzungsbedingten Aufgabe des Mannheimer Spitzenspielers Pedro Martinez Portero. Für ihn ging es bereits nach einem Spiel nicht mehr weiter. Der Spanier war tags zuvor in Wimbledon an Jannik Sinner gescheitert.
Die beiden anderen Punkte für Rot-Weiss waren hart umkämpfte Matches, die erst im Champions Tiebreak entschieden wurden. Mit einem leichten Plus für die Aufsteiger begannen die Doppel, in denen der lange 3. Satz wieder eine besondere Rolle spielen sollte. 7:10 lautete das Ergebnis im Champions Tiebreak des 1. Doppels. Mit 6:4 konnten Gregoire Barrere und Matwé Middelkoop nach verlorenem 1. Satz noch einmal ausgleichen, bevor der Italiener Pellegrino und sein französischer Partner Cukierman im 3. Satz alles klarmachten.
Eng, aber nur in zwei Sätzen, verlief die andere Partie, in der für die Kölner Altmeister Dustin Brown an der Seite von Doppelspezialist Wesley Koolhof antrat. Gegen die beiden Spanier Llamas Ruiz/Cervantes scheiterten sie jedoch mit 6:7, 4:6. Wegen der Witterung musste auch in Köln kurz nach drei bereits im Verlauf der ersten Einzelrunde in der Halle zu Ende gespielt werden.
„Aschen-Krimi“ vor 1.300 Zuschauern
Beim zweiten Heimauftritt nach dem Aufstieg wurden die 1300 Zuschauer auf der Anlage lange auf die Folter gespannt. Spannender geht es nicht. 0:3 lagen die Aufsteiger in den Einzelbegegnungen im Rückstand. Dann die große Überraschung: Im Spitzenspiel gelang Kölns Belgier Raphael Collignon in zwei Sätzen der viel umjubelte Einzel-Ehrenpunkt gegen Jan-Lennard Struff.
Der deutsche Spitzenspieler gewann zunächst Satz eins, bevor Collignon ausgleichen konnte. Die Entscheidung musste wieder einmal im Champions Tiebreak fallen. Nach dem Matchball zum 10:8 für Kölns Nummer 1 keimte bei den Gastgebern noch ein Fünkchen Hoffnung auf einen Punkt in der Endabrechnung.
So kam es dann auch: Raphael Collignon und der Niederländer Matwé Middelkoop brachten in einer äußerst spannenden und hart umkämpften Begegnung das deutsche Paradedoppel Struff/Pütz mit 7:6, 7:5 auf die Verliererstraße.
Dem rot-weißen Paradedoppel mit Dustin Brown und Wesley Koolhof (NL) gelang mit ihrem Zweisatzsieg über Oscar Otte und Mats Moraing der Punkt zum 3:3-Endstand. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war allen Zuschauern klar, dass ihre „Asse auf Asche“ nach den ersten beiden Auftritten zurecht wieder in der 1. Bundesliga sind.
Meister Paroli
Aller guten Dinge sind drei, dachten sich die Kölner vor dem Auftritt beim Deutschen Meister Großhesselohe. Die“ Asse auf Asche“ wurden auch bei diesem Auswärtsspiel in Bayerns Metropole von vielen Fans begleitet. Sie sorgten vor Ort für viel Stimmung. Ihre Unterstützung zeigte Wirkung. Zwei Siege im Champions Tiebreak in den Einzeln sorgten für einen ausgeglichenen Pausenstand vor den Doppelspielen.
Nach der Niederlage von Brown/Koolhof in zwei Sätzen retteten im 1. Doppel Barrere/Pavlasek im Champions Tiebreak den 3. Punkt. Weiterhin ungeschlagen traten die Aufsteiger zufrieden die Rückreise in die Heimat an.
Erster Sieg
Der erste Sieg war im Gepäck. Zwei Einzelsiege sorgten gegen den TC Palmengarten für einen beruhigenden Zwischenstand. Alles war noch möglich. Facundo Diaz Acosta an Nr. 1 machte in der 2. Einzelrunde den Ausgleich perfekt. Kölns Argentinier benötigte den Champions (10:4) Tie-Break für seinen Sieg über den Franzosen Calvin Hemery. Ähnlich spannend machte es bereits in der Auftaktrunde Lilian Marmousez. In einem rein französischen Duell war er mit 11:9 in der Verlängerung der Glücklichere. „Auf unsere Doppelstärke können wir uns verlasen“, hoffte Tennis Chefin Susi Karimi bereits vor der Saison auf möglichst viele Punkte ihrer Doppelspezialisten. Diaz Acosta/Middelkoop strapazierten zwar noch einmal die Nerven der wieder zahlreich mitgereisten Fans. Beim Matchball zum 10:8 war der Jubel im Kölner Lager groß. Es war der Punkt zum 4:2. Zuvor hatte Kölns Parade Doppel Brown/Koolhof mit ihrem Sieg in zwei Sätzen bereits die Weichen für der 1. Sieg im Aufstiegsjahr gesorgt.
Noch ein Sieg
1500 Zuschauer bejubelten am 5. Spieltag den 5:1 Sieg ihres Teams gegen das Team MarcO`Polo Rosenheim. Damit bleiben die Aufsteiger weiter ohne Niederlage. Bereits nach den Einzeln gingen die Kölner mit 3:1 in Führung. Lediglich Kimmer Coppejans verlor sein Einzel in zwei Sätzen gegen den Italiener Lorenzo Giustino. Collignon, Trungeliti und Berettini sorgten mit ihren Siegen für einen beruhigenden 3:1 Spielstand vor den Doppelbegegnungen. Den zweiten Sieg in folge vor Augen ließen die beiden Kölner Doppel dann auch in jeweils zwei Sätzen nichts mehr anbrennen. Für die Schlussphase der Liga sind die Aufsteiger als Dritter der Tabelle somit bestens gerüstet.
Thiemo De Backer und Michael Geerts von BW Aachen. Foto: Marc Zander/BW Aachen
Blau-Weiss Aachen
Mit den Auftaktspielen waren die Blau-Weissen gar nicht zufrieden. Zunächst die Pleite im Prestigeduell gegen Kurhaus Aachen, dann die darauffolgenden Niederlagen passten zunächst nicht so recht in die Hochrechnung für den anvisierten Klassenerhalt. Der erste Punkt gegen den Gladbacher HTC am vierten Spieltag stimmte erstmals zuversichtlich. Mit einer starken Leistung boten sie einem der Ligafavoriten auf der Asche und in der Halle Paroli. War das die Wende zum guten?
Im fünften Spiel beim nur einen Platz besser platzierten TC Palmengarten bestätigten sich die Hoffnungen auf bessere Erstligazeiten. Nach dem 5:1 Sieg verbesserte sich das Team auf Platz acht. Der Klassenerhalt bleibt in Sichtweite.
Derby Enttäuschung
Das fünfte Bundesligaderby beider Teams wurde mit Spannung erwartet. Die einen (die Gäste vom TK Kurhaus) wollen wieder um den Titel mitspielen, die anderen (Gastgeber Blau-Weiss) orientierten sich lieber mehr am Ziel „Klassenerhalt“. Aber beide waren sich über mögliche Derby-Überraschungen im klaren.
Zum Schluss war das Ergebnis doch ziemlich eindeutig. 1:5 mussten sich die Blau-Weissen geschlagen geben. In der Derby Bilanz wartet dass blau-weisse Männer-Team weiter auf den ersten Sieg. Von den bisherigen fünf Aufeinandertreffen gewann Kurhaus bisher drei Mal (4:2,5:1,5:1) die beiden anderen Begegnungen endeten unentschieden.
Bereits nach den Einzeln führten die Gäste aus dem Kurpark mit 4:0. An einem Blau-Weiss-Sieg rochen im 2. und 3. Einzel Santiago Rodriguez Taverna und Michael Geerts, die beide erst im Champions Tiebreak (4:10, 8:10) die Überlegenheit ihrer Gegner Quentin Halys und Vit Kopriva anerkennen mussten. In zwei Sätzen unterlag im Spitzenspiel der Niederländer Jesper de Jong gegen den argentinischen Neuzugang von Kurhaus, Sebastian Baez. „Es war für den Argentinier das erste Spiel seiner Karriere auf einem Teppichboden“, kommentierte Alexander Legsding schmunzelnd die Teppich-Premiere seines Südamerikaners.
An Position 4 war Joris De Loore dem Italiener Francesco Passaro ebenfalls in zwei Sätzen unterlegen. Auch in den Doppelspielen setzten sich die Kurhaus Gäste in jeweils zwei Sätzen durch. In der Aufstellung beider Teams fehlten zwei der Besten. Blau-Weiss Aachen musste auf die Nummer 1 Zizou Bergs verzichten, das Kurhaus Team trat zum Saisonauftakt ohne den zuletzt international so erfolgreichen Flavio Cobboli an. Der Italiener erreichte an diesem Bundesliga Wochenende in Wimbledon das Viertelfinale, in dem er Novak Djokovic nach harter Gegenwehr in vier Sätze unterlegen war. „Mal sehen ob wir in in einem der nächsten Spiele einsetzen können“, freute sich Kurhaus Teamchef über den Auftritt seines Topstars in Wimbledon. „Cobolli in einem Heimspiel zu präsentieren wäre für die Zuschauer in Aachen super Sache“, dachte Legsding schon ein wenig nach vorne. Zurück in die Halle nach Vaals.
Kurz vor 20 Uhr war in Aachen alles gelaufen, nachdem bereits während der ersten Einzelrunde wegen des Regens in die Halle nach Vaals ausgewichen werden musste. Ein enttäuschender Nachmittag für den Gastgeber, der sich in jeder Hinsicht mehr versprochen hatte. Aber auch das Wetter spielte an diesem Tag nicht mit. Für die im Spielbericht verzeichneten 300 Zuschauer war es ein mit viel Geduld und Fahrerei verbundener komplizierter Auftakttag. Zufrieden waren nur die Kurhaus Fans. „Wir sind gut in die Saison gestartet aber es war natürlich wichtig, dass wir das Prestigeduell wieder für uns entscheiden konnten“, trat Alexander Legsding mit seinen Mannen den kurzen Heimweg an. Nüchtern realistisch kommentierte später der Blau-Weiss Newsletter den Ausgang des Derbys: „Der Sieg geht in Ordnung, von der Höhe her zu deutlich.“
In der Blitztabelle belegt das Kurhaus Team Platz 1, der unterlegene Nachbar ist Letzter. Die Platzierungen spiegeln somit die Erwartungen (Titelambitionen) und Ängste (Abstieg) beider Teams wieder. Kein Grund zur Euphorie bzw. Panik: Die Saison ist noch lange.
Zweite Heimpleite
Während das Damen Team des Clubs einen Tag später mit dem Deutschen Meistertitel den größten Erfolg des Vereins feierte, mussten sich die Herren bei ihrem zweiten Heimauftritt in Folge Aufsteiger Blau-Weiss Neuss mit 2:4 geschlagen geben. Nach der Derby Niederlage (1:5 gegen Kurhaus) in der Vorwoche war es die zweite Niederlage für die Aachener, die nach diesem zweiten Spieltag als einziges Team noch ohne Punktgewinn blieben. 3:1 führten die Gäste in den Einzelspielen. Kurios der Verlauf des Aachener Norwegers Viktor Durasovic an der Position 2. Mit 4:6 verlor er Satz 1, bevor anschließend im zweiten Satz nur ein Spiel abgab. Im Champions Tiebreak entschied der Neusser dann die Partie mit 10:6 zu seinen Gunsten. Den einzigen Sieg im Einzel gelang Neuzugang Max Houkes. Der 24-jährige Niederländer bewies im Champions Tiebreak gute Nerven. Mit 10:8 wurde der Punkt von den 400 Zuschauern begeistert gefeiert. Damit bestand noch die Hoffnung auf ein Remis in der Gesamtbrechung. Den Blau-Weissen, die wieder ohne ihre Nummer 1, Zizou Bergs, antraten, gelang im Doppel aber nur noch der Sieg im 2. Doppel (Champions Tiebreak). Nach der neuerlichen Enttäuschung konnten an diesem Tag nur noch die Daumen für das Damen Team gedrückt werden, das einen Tag später seinen Meistertitel in Stuttgart perfekt machte. Das Daumendrücken hatte sich gelohnt.
Chancenlos
Als Champions Tiebreak Spezialist erwies sich in Essen erneut Max Houkes. Gegen seinen Landsmann aus den Niederlanden machte er mit 10:2 in der Verlängerung den einzigen Punkt für Blau-Weiss fest. Bei der 1:5 Pleite schnupperte Joris De Loore an einem weiteren Punkt. Der Belgier scheiterte aber im Champions Tiebreak (6:10) an Oscar Otte. In jeweils zwei Sätzen mussten Rodriguez-Taverna und Geerts ihre Spiele abgeben. Einen weiteren möglichen Sieg vergaben im Doppel De Loore/Mertens im Champions Tiebreak denkbar knapp (11:13). Keine Chance hatte das erste Doppel. Ihre Niederlage war in zwei Sätzen besiegelt. Für die Herren des TK Blau-Weiss Aachen war es die dritte Niederlage in folge.
Auf Augenhöhe
Aufatmen bei Blau-Weiss Aachen. Mit dem 3:3 gegen den GHTC wurde die Niederlagenserie beendet. Es waren hart umkämpfte Matches, bevor in der Halle die beiden Doppel zu Ende gespielt werden mussten. Beim Stand von 2:2 sicherten Desein/Durasovic im 1. Doppel den 3. Siegpunkt für die Gastgeber. DeLoore/Mertens hatten in zwei Sätzen das Nachsehen.
Der 4. Spieltag hatte noch an der frischen Luft begonnen, bevor der Regen gegen 16 Uhr ein Weiterspielen unmöglich machte. Das Warten half nichts. Wieder musste nach zwei Stunden in die Halle ausgewichen werden. Sehenswert und spannend waren auf jeden Fall die Aufeinandertreffen auf Asche. 1:2 lagen die Aachener im Rückstand, bevor der Argentinier Rodriguez Taverna mit 1:5 im Champions Tiebreak den wichtigen 2. Einzelpunkt sicherstellte. Zuvor hatte lediglich der Belgier Joris de Looore sein Einzel gewinnen können. Für Aachens Argentinier war es eine Meisterleistung der Extraklasse.
Die Wende
Der Punktgewinn gegen den Gladbacher HTC setzte neue Kräfte frei. Im Keller-Derby gegen Palmengarten Frankfurt setzten die Gäste aus Aachen ein klares Zeichen. „Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben.“ 3:1 führten die Aachener in den Einzeln, die nach einer Pause in der Halle zu Ende gespielt werden mussten. Unter dem Dach machten Joris De Loore/Sander Gille sowie Thiemo de Bakker/Bart Stevens den ersten Blau-Weiss Sieg perfekt. Sowohl die Einzel als auch die Doppel wurden nach zwei Sätzen beendet. In der Tabelle verbesserte sich Aachen auf Rang 8. Das Ziel „Klassenerhalt“ bleibt machbar.
Francesco Passaro von Kurhaus Aachen. Foto: Marcel Decoux
Kurhaus Aachen
Der klare 5:1 Auswärtssieg zum Auftakt im Lokalderby gegen Blau-Weiss war auch für die Psyche der Kurhäusler wichtig. Sie blieben in Aachen die Nummer 1. Entsprechend entspannt konnten die nächsten Ligaspiele angesteuert werden. Sie wollten ja oben mitspielen. Zwei Remis gegen Bredeney und Rosenheim dämpften ein wenig die Hoffnungen. Besonders die Partie im Süden Deutschlands hätte Kurhaus gerne als Sieger beendet. Der Heimsieg gegen Mannheim versöhnte alle, bevor anschließend die 2:4 Niederlage beim Gladbacher HTC die Titelträume nahezu zunichte machte.
Derby-stark
Der klare 5:1Sieg über den Stadtrivalen Blau-Weiss Aachen war zum Saisonstart auch ein Sieg für die rot-weisse Tennis-Seele.
Weisse Weste
„Ein Unentschieden in Großhesselohe ist für uns eine Wunschvorstellung“, gab Alexander Legsding vor der Abfahrt nach München am 2. Spieltag zu Protokoll, wo immerhin der Deutsche Meister sein Team erwartete. Gut acht Stunden musste an diesem Nachmittag bis kurz nach 9 sein Team Schwerstarbeit verrichten, bevor der Punkt, also das Remis, die Wunschvorstellung“ eingetütet war.
Die Einzel waren alle mega spannend. Alle wurden erst im Champions Tiebreak entschieden. Die Matchwinner waren auf Kurhaus Seite die beiden Top gesetzten Spieler, der Argentinier Sebastian Baez, und Vit Kopriva (CZE). Beim Stand von 2:2 machten im 1. Doppel Hendrik Jebens und Vit Kopriva mit ihrem Zweisatzsieg und damit den 3. Siegpunkt für die Gäste aus Aachen perfekt. Vor knapp 400 Zuschauern musste die Begegnung mittendrin vorübergehend für knapp eine Stunde unterbrochen werden. Die Reise in den Süden hatte sich für das Kurhaus Team somit gelohnt. Der sportliche Leiter hat für den weiteren Verlauf noch weitere Wünsch frei.
Es war mehr drin
Wünsche werden nicht immer wahr. Ein Sieg gegen das Team aus Rosenheim war im 1. Heimspiel fest eingeplant. Im Endeffekt gab es erneut ein 3:3 Remis. „Wir haben zu viel Chancen liegen gelassen“, haderten Alexander Legsding und Co-Chef Dominik Meffert ein wenig mit den Champions Tiebreak Niederlagen von Franceso Maestrelli und Matteo Martineau an den Positionen 2 und 3. Zwei weitere Siege waren durchaus möglich. Verlassen konnte sich die Kurhaus Coaches auf ihre Nummer 1, Sebastian Baez, der erneut an Nr. 1 für einen Punkt gut war. Gute Nerven und ein großes Kämpferherz behielt Vit Kopriva, der an Position 2 mit 6:2, 7:6 den zweiten Punkt für die Gastgeber sicherstellte. Somit war ein Gesamtsieg noch möglich.
Dieser Wunsch war aber nach der glatten Zweisatzniederlage von Pichler/Mansouri rasch ausgeträumt. Der klare Sieg der beiden Franzosen Nys und Arneado (6:1,6:4) stellte aber sicher, dass Kurhaus nach dem 3:3 weiterhin ungeschlagen blieb. Bedauert wurde im Kurhaus Lager, dass an dem Heimspiel nicht wie angekündigt Flavio Cobolli auflaufen konnte. Der Italiener sorgte in Wimbledon kurz zuvor für Furore, als er erst im Viertelfinale an Djokovic scheiterte. Der Erfolgsstress mit allen Begleiterscheinungen hinderte ihn dann die Reise nach Aachen anzutreten. „Er war körperlich und mental ziemlich durch“, bedauerte Alexander Legsding die verständliche Absage seines Topspielers. „Wir hätten ihn gerne den nahezu 1000 Zuschauern an diesem Nachmittag präsentiert.“
Zitter-Partie
„Bitte bitte kein Unentschieden“, war der flehentliche Appell von Team Chef Alexander Legsding an seine Schützlinge vor dem Auftritt gegen GW Mannheim. „Wir wollen doch ganz oben dran bleiben.“ Seine Jungs taten ihm den Gefallen. Nach den Einzeln war beim Stand von 3:1 die Messe schon gelesen. Oder? Denn die Doppelstärke der Gäste hatte sich natürlich auch bis nach Aachen herumgesprochen. Deshalb haderte der Kurhaus Teamchef ein wenig mit der Niederlage von Coria im 1. Einzel. „Wir hätten in den Einzel schon alles klar machen müssen“. Die Angst vor einem 3:3 war spürbar. Als zu Beginn der Doppel der Regen zunächst eine Zwangspause erforderlich machte, waren Geduld und gute Nerven gefragt. Der Regenattacke an diesem Nachmittag haben die Kurhaus Verantwortlichen getrotzt bzw. optmistisch auf den Wetter Apps herum gewischt oder auch sorgenvoll zum Himmel geblickt.
Auf der roten Asche sollte zu Ende gespielt werden. Gegen 18 Uhr setzte sich die Sonne wieder ein wenig durch. Für den Oberschiedsrichter Patrick Mackenstein waren die Plätze nach knapp zwei Stunden bespielbar, auf jeden Fall der Center Court, auf dem beide Doppel hintereinander zu Ende gespielt wurden. Jetzt wurde es noch einmal spannend, für die vielen Kurhaus Fans ganz eng. Durch die Niederlage von Maestrelli/Martineau in zwei Sätzen hing der fast schon ausgerechnete Sieg jetzt am seidenen Faden. Das dritte Remis drohte. Das wollte Alexander Legsding aber nicht wahr haben. Als sein 2. Doppel Louis Weßels und David Pichler im Champions Tiebreak bereits mit 0:3 auf der Verliererstraße waren, feuerte der ansonsten zurückhaltende Teamchef seine Jungs an: „Auf geht’s Kurhaus“. Die Zuschauer auf dem Centercourt ließen sich nicht zwei Mal bitten. Die stimmgewaltige Anfeuerung schwappte über. Aus dem 0:3 wurde ein 5:5 und ein erlösendes 10:5. Puh, das war knapp. „Den Jungs hat das wohl geholfen“ atmete Legsding erleichtert durch. Ende gut alles gut.
Ernüchterung
Die Niederlage beim GHTC in Mönchengladbach war für das Kurhaus Team der nächste Dämpfer. Damit hatten sie nicht gerechnet oder geplant. Pech hatte Teamchef Alexander Legsding, der auf einige seiner besten verzichten musste. Gegen den GHTC konnte im Einzel nur Timofey Skatov (KZA) punkten. Beim 1:3 Rückstand reichte dann auch der Sieg des 2. Doppels im Champions Tiebreak (8:10 nicht mehr), da das 1. Doppel in zwei Sätzen keine Chance hatte. Als Vierter der Tabelle sind die Titelchancen, die Kurhaus sich durchaus zugetraut hatte, nach Punkten bei vier noch ausstehenden Spielen kaum mehr zu realisieren. Der TC Bredeney liegt in der vorentscheidenden Phase der Saison mit 9:1 Punkten auf dem ersten Platz.
Text: Michael Thoma