Herren-Bundesliga: "Spitzentennis für lächerliches Geld"
Kurhaus-Teammanager Alexander Legsding (links) mit Präsident Markus Winkler.
Alexander Legsding ist seit mehr als 20 Jahren beim TK Kurhaus als Teammanager für die Bundesligamannschaft verantwortlich (2. Liga 1996; 1. Liga ab 2004). Der 55-Jährige ist somit einer der dienstältesten Macher im Bundesliga-Geschäft. Unter seiner Regie wurde die Mannschaft fünf Mal Deutscher Meister, drei Mal gewann sie den Vizetitel. Nach drastischen Etatkürzungen und viel Verletzungspech hat Kurhaus im Vorjahr erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt sichern können. Alexander Legsding hat somit alle Höhen und auch Tiefen des Geschäfts erlebt. Mit der Verpflichtung der Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff und Tim Pütz will der Klub wieder an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen. Vor dem Start in die neue Saison am 7. Juli unterhielt sich Michael Thoma mit Aachens Teammanager über die allgemeine Entwicklung und den Stellenwert der Bundesliga.
Zuerst ein kurzer Blick zurück. Wie fällt ihre Bilanz aus, wenn Sie die Begeisterung bei Vereinen, Spielern und Fans für die Tennis-Bundesliga in den zurückliegenden Jahren vergleichen.
Es war sicherlich schön, den einen oder anderen Meistertitel zu feiern. Aber über die letzte Saison mit ihrem dramatischen Verlauf wird heute noch gesprochen.
Aus der Begeisterung lässt sich auch die Bedeutung der Liga ableiten. Welche Akzeptanz hat die Bundesliga bei den Vereinen und Verbänden?
Die Bundesliga hat mittlerweile eine sehr hohe Akzeptanz bei den Vereinen. Beim DTB sehen wir hier noch Nachholbedarf.
In den letzten Jahren war ein Aufwärtstrend zu verspüren. Die Liga war ausgeglichen wie selten. Dann mussten erfolgreiche Teams wie BW Halle bei den Männern und Regensburg bei den Frauen ihre Mannschaften zurückziehen. Die Sponsoren spielten nicht mehr mit. Wie groß ist die Abhängigkeit von den Geldgebern? Spielt die Angst immer mit? Auch in Ihrem Verein musste lange gezittert werden, bevor der Sponsor Dr. Bühlbecker sein Okay signalisierte.
Ohne Sponsoren geht es nun einmal nicht im Profisport. Der Rückzug von BW Halle ist ja den finanziellen Schwierigkeiten des dortigen Hauptsponsors geschuldet. Wir sind froh, dass uns die Firma Henry Lambertz, vertreten durch Herrn Dr. Bühlbecker, seit nunmehr 24 Jahren unterstützt.
Welche Eigenschaft macht einen guten Teammanager aus? Was muss er alles "können"?
Man benötigt ein gutes Netzwerk mit vielen Kontakten, das man sich über die Jahre aufbaut und lernt sehr viel durch Erfahrungen.
Tim Pütz
Jan Lennard Struff
Aktuell verblüffen viele Spieler aus den Bundesligateams auf internationalen Turnieren mit ihren Erfolgen die Experten der Szene. Wer hätte schon gedacht, dass das Doppel Mies/Krawietz (Köln/Großhesselohe) die French Open gewinnt. Beste Werbung für die Bundesliga. Auch ihre Spieler wie Jan Lennard Struff oder Bautista Agut spielten sich in die Schlagzeilen.
Jan-Lennard Struff liebt es, für ein Team zu spielen, ganz gleich, ob Davis-Cup oder Bundesliga. Er ist sogar für drei Spieltage eingeplant. Auch Pablo Cuevas und Tim Pütz stehen an mehreren Spieltagen zur Verfügung. Unser Kader ist in diesem Jahr breiter aufgestellt, sodass wir den Wegfall von Topspielern besser kompensieren können.
Die Bundesligavereine bieten gut einen Monat lang Topleute auf. Wie bei Kurhaus können die Fans für 10 Euro (Kinder die Hälfte) die Spitzenspieler, die sie ansonsten nur aus dem Fernsehen kennen, einen Tag lang in vier Einzel und zwei Doppel hautnah bewundern. Weltklasse zum anfassen, heißt es immer so schön. Wissen die Fans das zu schätzen?
Diejenigen, die das einmal live aus der Nähe erlebt haben, sprechen gerne darüber und einige Zuschauer (nicht nur Klubmitglieder) planen zumindest teilweise ihren Urlaub nach den Spieltagen.
Wie groß ist das Interesse der Profis in der Bundesliga mitzuspielen?
Das ist ja tatsächlich die Kunst, solche Spieler in das Lambertz-Team zu holen, die wirklich sehr daran interessiert sind. Gerade die vergangene Saison mit den vielen Verletzungen hat gezeigt, dass die einsatzbereiten Spieler sich voll reingehängt und leidenschaftlich gekämpft haben.
Was kann noch verbessert werden?
Man müsste die Pressearbeit verbessern, um noch mehr Zuschauer in den Kurpark zu locken.
Was können die Vereine selbst, die Verbände oder auch der DTB noch dazu beitragen, damit das Produkt Tennis-Bundesliga noch besser "verkauft" wird.
Man muss es halt hübsch verpacken! Dazu gehört ein angenehmes Flair, ein gutes Catering, eine Willkommens-Kultur.…