Herren-Bundesliga: TVM-Derby zum Auftakt
Am 7. Juli beginnt ab 11 Uhr die Saison in der Herren Bundesliga. Mit dabei sind drei TVM-Teams. Neben Kurhaus Aachen uind Rot-Weiss Köln gehört auch Blau-Weiss Aachen wieder zu den besten Mannschaften der Eliteliga. Das Team vom Luxemburger Ring profitierte vom Rückzug des vielfachen Deutschen Meisters Blau-Weiss Halle, der aus wirtschaftlichen Gründen seines Sponsors nicht mehr gemeldet hatte. Durch das Fehlen des letztjährigen Meisters ist die Liga in dieser Saison deshalb noch ausgeglichener. Spannung ist vorprogrammiert. Der Auftakt präsentiert am Sonntag gleich das TVM-Derby Kurhaus gegen Köln.
Kurhaus Aachen
Von der letzten Saison reden die meisten immer noch beim TK Kurhaus. Zur Erinnerung: Es war Dramatik pur. Damals sicherte sich das Team erst im letzten Spiel (3:3 gegen Halle) den Klassenerhalt. Die Erleichterung darüber verdrängte sogar die Begeisterung vergangener Jahre, als der Kurhaus-Club fünf Mal die die Meisterschaft gewonnen hatte. Bei einer Niederlage gegen Halle und dem Abstieg wäre die Aera Bundesliga beim Aachener Traditionsverein wohl auf längere Zeit beendet gewesen. "Ich kann nicht sagen, dass wir dann in der 2. Liga angetreten wären", verrät Alexander Legsding, seit vielen Jahren der Teammanager bei Kurhaus die Brisanz des Punktgewinns gegen Halle im Saisonfinale 2018.
Auch danach hat es noch eine Weile gedauert, ehe der Daumen des Hauptsponsors nach oben ging. Die finanzielle Unterstützung blieb gesichert. Die Mannschaft wurde trotz der unbefriedigenden Saison nicht abgemeldet. Sie blieb erstklassig und richtete seitdem nur noch den Blick nach vorne. Die Verpflichtung der beiden Daviscup Spieler Jan-Lennard Struff und Tim Pütz von BW Halle waren Fingerzeige für die Ambitionen der Mannschaft aus dem Aachener Kurpark.
Für viele Mitkonkurrenten gehören die Aachener deshalb in dieser Saison zum Kreis der Titelfavoriten. Davon will Alexander Legsding aber gar nichts wissen. Bescheiden peilt er mit seinem Team einen Platz zwischen drei und fünf an. "Meine Favoriten sind die Mannheimer, die sehr erfahren sind sowie gute Doppel aufbieten, und Blau-Weiss Krefeld."
Wie jedes Jahr bleibt bei allen Prognosen und Hochrechnungen über den Meistertitel die Frage "welche Spieler an welchen Spieltagen den Clubs zur Verfügung stehen. Die Macher müssen also weiter die Ergebnistableaus der Turniere weltweit im Auge behalten. Manchmal muss dann eben auch der letzter Flieger oder eine Nachtfahrt im Taxi durch halb Europa in Anspruch genommen werden, um zum Bundesliga-Aufschlag pünktlich vor Ort zu sein.
Gespannt warten die Fans in Aachen natürlich auf die Einsätze von Jan-Lennard Struff, der, Stand Freitag, immer noch in Wimbledon als letzter deutscher Spieler vertreten ist. Aber die Fans dürfen sich auf ihn freuen. "Ich plane mit Struff und Pütz am zweiten Spieltag in Krefeld", ist Alexander Legsding zuversichtlich, dass er im Duell mit einem Meisterschaftsfavoriten beide ihr Kurhaus Debüt geben können. Aber auch in den beiden drauffolgenden Spielen gegen Weinheim und den Rochusclub aus Düsseldorf sind für ihn die beiden Ex-Hallenser eine Option. An einen Einsatz von Topspieler Roberto Bautista (ATP: 22) denkt man im Kurpark ebenfalls nach. "Vielleicht ist er im Heimspiel gegen Düsseldorf dabei", weckt Legsding die Hoffnungen der Fans, den Spanier, einen ausgewiesenen Sandplatz-Spezialisten, präsentieren zu können.
Und dann ist da auch noch Pablo Cuevas, an Position drei gemeldet. Legsing: "Er soll auch in mindestens drei Spielen für uns aufschlagen." Gehen die Pläne alle auf, dann muss das Saisonziel sicher nach oben korrigiert werden. Die Mannschaft ist auf jeden Fall breiter aufgestellt als im Vorjahr. Die Macher am Kurpark haben aus den Erfahrungen des Vorjahrs ihre Lehren gezogen, als viele Verletzungen den Motor ins Stocken brachten. Das Ergebnis war das dramatische Finale gegen Halle, an das alle inzwischen ganz gerne und erleichtert zurückblicken.
In diesem Jahr soll der Blick zum Abschluss nach oben gerichtet sein. Gegner ist dann (11. August - 11 Uhr) der Nachbar von Blau-Weiss Aachen. Die Saison endet somit für Kurhaus wie sie begonnen hat, wieder mit einem TVM-Derby. Für beide Aachener Teams kann es dabei um einiges gehen. Die Rot-Weissen Gastgeber haben möglicherweise ihren sechsten Meistertitel im Visier. Für die Blau-Weissen Gästen geht es vielleicht um wichtige Punkte für den Klassenerhalt. Für beide geht es auf jeden Fall um die Aachener Stadftmeisterschaft.
Rot-Weiss Köln
"Das fängt ja wieder gut an", rutschte es Sussan Karimi heraus, als sie den Terminplan ihrer Bundesliga-Jungs erstmals in Augenschein nahm. "Da haben wir wohl keine Chancen", blickt sie auf den bevorstehenden Sonntag. "Die haben sich enorm verstärkt." Trotzdem fährt das Kölner Team nicht chancenlos nach Aachen. Denn auch für sie gilt. "Warten wir einfach mal ab, wer spielen kann." In der Endabrechnung erhoffen sich die Kölner einen Platz im Mittelfeld, mit der Einschränkung "Aber eigentlich wollen wir jedes Spiel gewinnen." Diese Einstellung spricht für das kölsche Selbstvertrauen. Sie nehmen wie es kommt, auf kölsch "et kütt wie et kütt", dabei wollen sie keine Gegner unterschätzen, so Sussan Karimi, die Tennis Chefin der Rot-Weissen.
Respekt hat sie vor dem Gladbacher HTC und Blau-Weiss Krefeld. "Beide haben sich enorm verstärkt wie Gladbach oder sind recht ausgeglichen wie das Krefelder Team." Das sind ihre Favoriten. Wie in den letzten Jahren wollen die Kölner ihren Fans wieder möglichst viele ihrer Superstars präsentieren. Mit Oscar Otte und Andy Mies haben sich zuletzt ja zwei weitere Kölner so richtig in den Blickpunkt der Tennis-Öffentlichkeit gespielt. Wer hätte Andy Mies und seinem Partner vom Liga-Konkurrenen Großhesselohe Kevin Krawietz schon den Titel bei den French Open im Doppel zugetraut. Ihr Sieg und der daraus zwangsläufig resultierende Bohei um die beiden war für die Bundesliga sicher eine unbezahlbare Werbung. Sussan Karimi nannte die Einladung der beiden ins ZDF Sportsudio sogar als "Ritterschlag".
Ja und wer hätte es für möglich gehalten, dass bei den French Open auf dem Tableau die Begegnung Roger Federer gegen Oscar Otte angezeigt wird. Nicht zu vergessen der Sieg von Dustin Brown in Stuttgart gegen die deutsche Nummer eins, Sascha Zverev.
In Wimbledon waren die Kölner gleich in Mannschaftsstärke vertreten: Fabio Fognini, Benoit Paire, Andreas Seppi, Gregoire Barrere, Andreas Mies oder Wesley Koolhof. Hinzu kamen Dustin Brown, Oscar Otte und Santiago Giraldo, die auf dem grünen Rasen im All England Lawn und Tennis Club jedoch in der Quali gescheitert sind. Flugs änderten sie ihrenTurnierplan, um beim deutschen Challenger Turnier in Ludwigshafen Punkte einzuheimsen. London und Ludwigshafen werden von Sussan Karimi somit besonders in den Stunden bis Samstagabend beäugt. Die Ergebnisse werden über die Aufstellung gegen Kurhaus Aachen ausschlaggebend.
Blau-Weiss Aachen
An den ersten Gegner erinnern sich Marc Zander und Co gar nicht so gerne. Gegen Weinheim gab es vor zwei Jahren bereits einmal zum Auftakt eine 2:4-Niederlage. Auch dieses Mal werden die Trauben in Weinheim wieder sehr hoch hängen." Die haben mit dem Australier John Millmann einen echten Kracher an Nummer eins", informiert der blau-weisse Newsletter die Mitglieder vorab über die Chancen des Nachrückers bei der Bundesliga-Rückkehr. Sie haben die Chance beim Schopfe ergriffen, als Blau-Weiss Halle seinen Abgang vermeldet hatte. "Wir waren bester Vizemeister und hatten auch eine starke Saison trotz des Abstiegs hingelegt", unterstreicht Zander das Selbstbewusstsein wieder ganz oben mitspielen zu können.
Sie sind sich ihrer Außenseiterrolle im klaren. "Wir benötigen sechs oder sieben Punkte, um die Klasse zu halten", wird im Club bereits früh hochgerechnet. Gegen wen sie gewinnen wollen oder können, bleibt geheim. Einen Vorteil für möhliche Überraschungen bietet sicher der Spielplan. Fünf Mal darf die Mannschaft zuhause antreten. Hinzu kommt der "Spaziergang" zum Nachbarn Kurhaus sowie die Kurz Trips zum Gladbacher HTC (14.Juli - 11 Uhr) und zum Rochusclub nach Düsseldorf 28. Juli - 11 Uhr). Die blau-weissen Fans, die zuletzt ja mit Bundesliga-Tennis verwöhnt waren, werden den Abstieg ihres Frauen-Teams verschmerzen können. Die Devise kann nur heissen: Die Männer des Clubs sollen gefälligst erstklassig bleiben. Ein zweiter Abstieg neben den Frauen würde schon weh tun. Denn an die Bundesliga haben sie sich im Club so richtig gewöhnt.
Verstärkt hat sich die Mannschaft mit dem Inder Prajnesh Gunneswaran sowie den drei Spielern vom BW Halle Tallon Griekspoor, Thiemo de Bakker und Aslan Karatsev. Alle drei gehörten nicht zu den Spitzenleuten des zurückgetretenen Deutschen Meisters. Aber sie haben Bundesliga-Erfahrung und waren günstig zu bekommen. Mit dem indischen Daviscupspieler gelang den Machern am Luxemburger Ring sicher eine Überraschung. "Er ist sportlich eine Verstärkung aber auch mit seinem höflichen und bescheidenen Auftreten wird er für den Club sicher auch eine Bereicherung sein", charakterisiert ihn Trainer Thilo Fritschi, der an der Verpflichtung des 29-Jährigen maßgeblich beteiligt war. Der Mann vom Golf von Bengalen soll so die Macher vom Luxemburger Ring auf jeden Fall auch zum Einsatz kommen.
Auf die TVM-Derbies freuen sich die Blau-Weissen ganz besonders. Zuhause erwarten sie zunächst Rot Weiss Köln (21. Juli - 11 Uhr) auf der eigenen Anlage bevor die Saison im letzten Spiel beim Nachbarn Kurhaus (11. August - 11 Uhr) verabschiedet wird. Das Team um Marc Zander hofft zu diesem Zeitpunkt bereits die nötigen Punkte für den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu haben. In dem Fall würden sie auch gerne mit Kurhaus zu deren möglicherweise sechsten Meistertitel anstossen. Wenn es so kommen wird, dürfen sich die Aachener Tennis-Fans auf eine harmonische Sommerparty im Kurpark einstellen. Wenn nicht, kann es noch einmal für beide Teams richtig spannend werden.