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Ehrenamt

Interview: Dr. Manfred Weber blickt zurück

Dr. Manfred Weber ist in Leverkusen geboren. Zehn Jahre seiner Kindheit verbrachte er in Wülfrath, bevor die Familie nach Frechen umzog. Die Stadt vor den Toren Kölns blieb seitdem privat und beruflich sein Lebensmittelpunkt. Beim VTHC Grün-Weiss Frechen kam er als 15-Jähriger mit dem Tennissport in Kontakt. Im Vorstand des Vereins begann auch seine Karriere als Tennis-Funktionär. Beruflich arbeitet der gelernte Jurist auch heute noch in seiner Anwalts-und Steuerberatungskanzlei. In seiner Heimatstadt engagierte sich der Vater von vier Töchtern und eines Stiefsohns auch politisch unter anderem im Rat der Stadt. 1982 war er Mitbegründer der Sektion Köln-Bonn der Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der ehemaligen Sowjetunion. Für seine Verdienste in Politik, Sport und Völkerverständigung wurde Dr. Weber 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Sportplakette NRW (2000) sowie die Silberne Ehrennadel des Landessportbundes (2017) waren weitere Auszeichnungen. Bei seinem Abschied auf dem Verbandstag wurde Dr. Manfred Weber zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Vor seiner letzten Versammlung mit den TVM-Mitgliedern ließ er im Gespräch mit Michael Thoma sein "Tennisleben" noch einmal Revue passieren.

Bevor wir über Ihre Arbeit als Verbandsfunktionär sprechen, eine Frage zu der Zeit davor. Sie waren in Ihrem Verein, dem VTHC Grün-Weiss Frechen, in zahlreichen Funktionen im Vorstand aktiv, zuletzt als 1. Vorsitzender. Das war in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Was hat Sie damals bewogen, sich für den Tennissport nicht nur als aktiver Spieler zu engagieren?

1954 kam ich mit Unterstützung meines unendlich lieben Vaters aktiv zum Tennis. Wir spielten damals auf einem selbst hergerichteten Platz des VTHC Grün-Weiss Frechen 1948. In der Zeit hatte es der Tennissport noch schwer, kommunale Unterstützung zu finden. Ich war gerade mal 18 Jahre alt, als ich Schriftführer des Vereins wurde. Mir machte die Arbeit, einen Verein mit aufzubauen, viel Spass. Damals machten wir es möglich, dass der Club zwei neue Plätze im Sportpark der Stadt Frechen bekam. Denn der eine heiß geliebte Platz war im Winter 54/55 von Szene-immanenten Rowdies total zerstört worden.

Ihr Tatendrang im Club war nicht zu stoppen....

Ich wurde dann noch Jugend- und Sportwart, bevor ich mit 32 Jahren 1969 zum 1.Vorsitzenden gewählt wurde. Mein Hauptanliegen war damals, den Clubhausbau zu organisieren. Vorsitzender blieb ich bis 1976, nachdem das Clubhaus 1972 fertig war, später leitete ich den Verein noch mal von 1990 bis 1992.

Auf Verbandebene blieben ihr Engagement und ihre Erfolge im Verein nicht verborgen.

Die Region von Linksrheinisch bis nach Aachen hin drängte 1973 darauf, dass ich in diesem Jahr 1. Vorsitzender im TVM werden sollte. In einem einstündigen Telefonat mit Dr. Paul Ernst Bauwens, der damals 1. Präsident des Verbands war, einigten wir uns darauf, dass Dr. Bodo Jost 1973 der 1. Vorsitzender und ich ein Jahr später 2. Vorsitzender wurde.

Als 2. Vorsitzender waren Sie federführend für die Realsierung des Leistungszentrums in Chorweiler zuständig - ein Fulltime-Job und keine einfache Aufgabe?

In der Tat. Besonders was Finanzierung, Planung und Baudurchführung betraf. Das waren ja Herausforderungen, die ich beim Clubhausbau im Verein schon bestens kannte und bewältigt hatte. Finanziell machte ich auch vieles möglich. Immerhin brachte ich einschließlich Prozessgewinn, dabei ging es um die Restforderung des Generalbauunternehmers, rund 1 Millionen DM Fremdmittel zusammen. Wir waren damals begeistert von der Idee, im Kölner Norden mit einem neuen Stadtteil und seiner Arrondierung durch Schulen und Sportanlagen neuen Wohn-und Lebensraum zu schaffen. Der Stadtplaner Riedel war Mitglied des KTC 71 und in jeder Baubesprechung wöchentlich 7 Uhr in der Früh mit dabei.

In den 29 Jahren als 2. Vorsitzender haben Sie den allgemeinen Aufschwung des Tennissports miterlebt, aber später auch das rückläufige Interesse. Wie haben Sie als Verbandsfunktionär dieses Auf und Ab registriert?

Die 50er und 60er Jahre waren für die meisten Vereine die Gründungsjahre. Der zunehmende Wohlstand verbunden mit einem bürgerlichen Gemeinschafts-, Gesundheits- und Sportbewusstsein prägte in jener Zeit die Vereine. Ganze Familien traten ein. Der Verband wuchs damals auf 125 000 Vereinsmitglieder an.


Die Zahlen wurden danach rückläufig. Was waren Gründe dafür und wie hat der Vorstand reagiert?

Mit der Zeit ist der Wohlstand in Wohlstandsanarchie übergegangen. Es gibt nur noch wenige Familien, die den Verein mittragen, und die beziehungslosen Individuen lechzen den Events und E-Sportarten nach. Wir haben versucht dagegen zu halten. Seit cirka 15 Jahren reagieren wir mit vielen Einzelmaßnahmen und Seminaren zur Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung, ein Riesenaufwand - auch mit Unterstützung des DTB - bei nur magerer Ausbeute. Erfolgreich waren wir bei der Einführung von Tennis als Schulsport. Da ist der TVM dank unseres Referenten Andreas Poppe im DTB führend.

Zurück ins Jahr 2003, als Sie dann zum Vorsitzenden gewählt wurden. Welche Aufgaben beziehungsweise Ziele haben Sie sich damals gesetzt?

Alle Ziele waren schon vorgeben, Nach 29 Jahren 2. Vorsitzender war ich voll im Thema. Als Sportverband ist für den TVM die Jugendförderung das oberste Ziel, in das auch der größte Posten im Etat fließt. Das war für mich immer wichtig. Mit Hilfe von Jugend- und Sportwart wurde in meiner Amtszeit die Trainerarbeit qualifiziert und quantitativ intensiviert. Außerdem wurde die Zusammenarbeit mit gewerblichen Tennisschulen gefördert. Unsere Trainer optimierten das Konditionstraining. In den Bezirken wurden neue Stützpunkte eingerichtet sowie die Bedeutung des Bezirkstrainers gestärkt. In Chorweiler erhielt das Leistungszentrum einen neuen Bodenbelag, ein Kamerasystem und eine Wärmedämmung mit einer Photovoltaik-Anlage. Zuletzt stand auch noch die Modernisierung des Kraftraums an. Für mich persönlich war auch die Kommunikation mit den Vereinen, die ich großteils besucht habe, ein ganz besonderes Anliegen.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Wenn in diesen Tagen der Internet-Relaunch des Verbandes mit gleichzeitigem Übergang zum DTB immanenten Datenverarbeitungssystem NU vollendet wird, bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ebenfalls mit meiner Arbeit im DTB-Bundesausschuss und als Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftstöchter, die sehr nachhaltig war. Ich habe im Rahmen dieser Tätigkeiten dazu beigetragen, dass der DTB in den letzten sechs Jahren wirtschaftlich enorm erstarkt ist. Er kann bei der Bewältigung seiner Aufgaben zur Zeit aus dem Vollen schöpfen.

Was hätten Sie gerne noch auf den Weg gebracht?

Ich hätte gerne erlebt, dass die Mitgliederzahlen wieder steigen. Aber immerhin stagnieren sie zur Zeit. Große neue Aufgaben wie Benchmarking und e-Sport kündigen sich an. Auch muss am Leistungszentrum noch einiges verbessert werden und der Zufluss an Ballgeldern erhalten bleiben.

Welche Überschrift würden Sie heute Ihrer Zeit als 1. Vorsitzender geben?

Im Wandel der Zeit haben wir uns gesellschaftlich, sportlich und finanziell gut behauptet.

Welche Pläne hat der Funktionärs - Pensionär Manfred Weber? Sie haben jetzt wieder mehr Zeit, um Tennis zu spielen - in Ihrem Verein, wo ja alles angefangen hat?

Ich bin als Medenspieler nie über die 1. Bezirksklasse hinausgekommen. Heute spiele ich immerhin noch in der oberen Klasse der Doppel-Freizeitrunde und möchte das Lebens-und Gemeinschaftsgefühl, das Tennis vermittelt, nicht missen. Ansonsten habe ich in meiner kleinen Firmengruppe auch weiterhin genug Arbeit, wenn der liebe Gott mir mit 81 Jahren noch ein bisschen Zeit läßt.

Vielen Dank für das Gespräch