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Breitensport

Interview mit Breitensportwart Wolfgang Röder

Wolfgang Röder (71) ist seit mittlerweile sieben Jahren für den Freizeit- und Breitesport im Tennis-Bezirk Rechtsrheinisch verantwortlich. Er hat den Posten damals von Klaus Rüttgen übernommen. Sein Heimatverein ist Blau-Weiß Hand, wo er sich über zehn Jahre in der Tennisabteilung und verschiedenen Aufgaben im Vorstand ehrenamtlich engagiert hat. Wolfgang Röder ist verheiratet mit Brigitte und wohnt in Bergisch Gladbach-Hand unweit der Tennisanlage. Das Paar hat eine Tochter. Beruflich war er bis 2012 verantwortlich in der Hauptverwaltung eines Textilkonzerns tätig.

Herr Röder, wie viele Tennisspieler sind in diesem Sommer in wie vielen Mannschaften im Freizeitbereich gemeldet?

In der Freizeitliga treten in diesem Sommer 25 Mannschaften in sieben Konkurrenzen an. Die Anzahl der Spielerinnen und Spieler ist nur schwer einzuschätzen, bei durchschnittlich zwölf gemeldeten Mannschaftsteilnehmerinnen und Teilnehmern engagieren sich gut 300 Spielerinnen und Spieler in der Freizeitliga.

Das waren aber auch mal deutlich mehr. Wie viele Aktive waren es in der Hochphase?

Das ist richtig. Seit vielen Jahren ist der Freizeit-Sport im TVM sehr stark vertreten und spielt auch bundesweit eine sehr bedeutende Rolle. Als ich 2018 Breitensportwart wurde, traten im Bezirk noch 46 Mannschaften in acht Konkurrenzen an. Die Konkurrenzen, in denen gespielt wird, änderten sich im Laufe der Jahre jedoch. So gibt es heute keine Einzel-/Doppel-Mannschaften mehr. Die Mannschaftsmeldungen in diesem Bereich gingen immer mehr zurück, so dass wir ab zirka 2020 diese Spielklasse nicht mehr anboten.

Welche Gründe gibt es für die rückläufigen Zahlen?

Die Zahl der Mannschaftsmeldungen ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Bei den Damen-Mannschaften betrug der Rückgang mehr als 60 Prozent. Erst im letzten Jahr stiegen die Meldungen wieder, so dass in diesem Sommer eine Gruppe mit sieben Mannschaften antrat. Positiv ist auch die Entwicklung bei den Mixed-Konkurrenzen, die wir in zwei Altersgruppen, über 40 und über 60 Jahren, antreten lassen.

In unserem Bezirk finden die Mixed-Begegnungen, mit Rücksicht auf die noch im Arbeitsleben stehenden Spielerinnen und Spieler, immer in den Sommerferien statt. Die längere Lebensarbeitszeit ist sicher ein Grund für den Anstieg des Altersdurchschnittes in der Freizeitliga. Wir spielen, mit Ausnahme der Mixed-Begegnungen in der Woche. Da wird halt auch gearbeitet. Im Winter macht sich der Rückgang besonders bemerkbar. Hier finden seit zwei Jahren gar keine Meldungen mehr statt.

Wie sieht die Situation in den anderen drei Bezirken aus? Sie werden sich ja sicherlich mit den Kollegen in Linksrheinisch, ADH oder Köln-Leverkusen austauschen?

Die Entwicklungen machen an den Grenzen des rechtsrheinischen Bezirkes nicht halt. Helga Pelzer und die Breitensportwarte treffen sich mehrmals im Jahr, um anstehende Breitensportthemen zu bearbeiten. Wir haben zuletzt die Möglichkeit geschaffen, dass Spieler sich auch über die Bezirksgrenzen in Mannschaften melden können. Nötig ist hierzu lediglich eine Vereiszugehörigkeit des Spielers. Auch lassen wir zu, dass Mannschaften, die im eigenen Bezirk nicht spielen können, in einem anderen Bezirk integriert werden können. Bei uns haben dies in diesem Jahr die Damen 60 Klasse 2 genutzt, die im Bezirk Köln-Leverkusen antreten.

Welche Aufgaben hat man als Breitensportwart im Bezirk?

Die Haupttätigkeiten umfassen die Ausschreibung und die Einteilung der Spielrunden für die Sommersaison. Dabei achte ich darauf, dass sich Heim- und Auswärtsspiele im Laufe der Jahre ausgleichen und dass die Gegner bei mehreren Gruppen einer Konkurrenz wechseln. Im Lauf der Begegnungen wird der Kontakt zu den Mannschaftsführerinnen und Mannschaftsführern gehalten, es werden Nachmeldungen eingegeben und bei Bedarf auch mal ein Spielbericht eingepflegt, oder Spielverlegungen im System hinterlegt. Die Arbeit der teilweise langjährig im Amt befindlichen Mannschaftsführerinnen und Mannschaftsführer macht die Aufgabe von Streitschlichtungen nahezu überflüssig.

Spielen Sie selbst noch Tennis, oder haben Sie Tennis gespielt?

Ja, ich spiele in zwei Tennisrunden bei BW Hand mit und bin Mannschaftsführer unserer Herren 70 Freizeit-Mannschaft. Im Winter spielen wir mit zehn Teilnehmern abwechselnd in einer Hallenrunde für eineinhalb Stunden Doppel.

Wie viele unterschiedliche Klassen gibt es im Freizeitbereich eigentlich?

Im Laufe der Jahre haben wir unser Angebot angepasst und bieten nun zehn verschiedene Klassen an. Wir spielen ausschließlich noch Doppel und Mixed. Die Altersklassen werden bei Damen in über 50 und über 60 Jahre, bei Herren in über 60 und über 70 Jahre, sowie bei Mixed in über 40 und über 60 Jahre unterteilt. Die Leistungsklassen bei Damen-und Herren-Doppel sprechen Spieler, die nicht an Medenspielen teilnehmen, genauso an, wie Medenspieler. Für letztere ist die Klasse 2 für Spieler bis 1. Bezirksliga und Klasse 3 für Spieler bis 1. Verbandsliga gedacht. Die Ausschreibung erlaubt aber unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen. Auch die Klasse 4 für Mixed erlaubt Medenspielerinnen und Medenspielern bis zur 1. Verbandsliga die Teilnahme. Höhere Ligen aus dem Leistungssport werden in der Regel vom Freizeitsport ausgeschlossen, damit Freizeitsport auch Freizeitsport bleibt.

Gab es in den vergangenen Jahren Änderungen oder Neuerungen im Spielbetrieb?

Die aktuelle Neuerung ist sicherlich die Einführung der „No ad-Regel“, bei der nach einem Einstand der nächste Punkt entscheidet. Weiterhin haben wir im Breitensport eingeführt, dass lediglich die Mitgliedschaft in einem der TVM-Vereine reicht, um an Freizeitspielen teilzunehmen. Man benötigt hier keine Spiellizenz mehr. Man kann auch in zwei Vereinen in unterschiedlichen Altersklassen spielen. Das ist von Vorteil, wenn in einem Verein eine Altersklasse nicht zu Stande kommt. Ebenso müssen nicht zwingend Spielgemeinschaften aus zwei Vereinen gebildet werden. Spielgemeinschaften aus drei und mehr Vereinen sind erlaubt und ermöglichen gerade kleinen Vereinen die Spielteilnahme.

Wie unterscheidet sich der Breitensport vom Leistungsbetrieb. Hier wird ja in den ganz unteren Ligen wie der Kreisliga sicherlich auch nicht so viel sportlicher Ehrgeiz an den Tag gelegt?

Wir bemühen uns im Breitensport möglichst einfache Regeln zu erstellen. Da wir aber Wettkampf durchführen, bedarf es einiger „Spielregeln“. Diese werden in der Ausschreibung bekanntgegeben und betreffen hauptsächlich die Grundsätze zum Spiel in den Klassen der Freizeitliga. Nachrangig gilt dann die Wettspielordung des TVM. m Gegensatz zu den Medenspielen gibt es im Breitensport keine Leistungsklassen-Punkte. Ebenso gibt es keinen Auf- oder Abstieg. Viele Mannschaftsteilnehmer treten sowohl in Meden- als auch in Freizeitmannschaften an. In den Freizeitligen gibt es eine Anzahl von Spielerinnen und Spielern, die keine Einzelspiele mehr spielen wollen oder können. Dem kommt der Breitensport entgegen, weil bei uns ausnahmslos Doppel, oder Mixed gespielt wird.

Natürlich spielen wir um Punkte und man geht auf den Platz, um zu gewinnen. Da wird sehr wohl auch um jeden Zähler gekämpft. Während bei den Medenmannschaften der Leistungsgedanke und der Wettkampf um Punkte im Vordergrund stehen, bietet der Breitensport mit seinen Doppel- und Mixed-Spielen Möglichkeiten für Begegnungen außerhalb der Vereinsstrukturen. Spielerinnen und Spieler treffen sich im Breitensport oft zu freundschaftlichen Matches ohne den Druck eines Punktspieles. Der Tenor liegt auf fair und entspannt.

Was macht der Winterspielbetrieb im Freizeit- und Breitensport? Früher trafen sich die Hobbyspieler doch auch in der Halle?

Das tun sie auch heute noch. Aber im Breitensport sind in den letzten Jahren keine Hallenrunden mehr zu Stande gekommen. Viele Spielerinnen und Spieler nehmen in ihren Vereinen an Hallenrunden mit ihren Vereinsfreunden teil. Der Aufwand im Winter in einer Halle im Bezirk zu spielen ist da in den Hintergrund getreten. Das hat mit dem Fahrtaufwand, zusätzlichen Kosten und der Anreise im Winter zu tun.

Das Damen-Doppel-Turnier am Karnevals-Dienstag bleibt weiterhin ein fester Termin im Kalender. Was ist mit den anderen Breitensport-Turnieren passiert. Es gab doch mal ein Mixed-Turnier beim STV Am Grafenkreuz und das Mannschaftsführer-Turnier?

Das Damen-Doppel-Turnier am Karnevals-Dienstag bleibt weiterhin ein fester Termin im Kalender und ist noch immer gut besucht. Bei anderen Turnieren, wie dem Mixed-Turnier beim STV Am Grafenkreuz und dem Mannschaftsführer-Turnier ist das Interesse jedoch immer weiter zurückgegangen. Die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass diese Turniere keinen Zuspruch mehr fanden. Nach drei Jahren der Turnierabsage wegen zu geringer Teilnehmerzahl habe ich entschieden, diese Turniere nicht mehr anzubieten.

Welche konkreten Möglichkeiten können Vereine ergreifen, um den Breitensport beim TVM zu fördern?

Ein möglicher Ansatz wäre, im Verein eine engagierte Ansprechperson zu benennen, die sich gezielt um die Belange der Spielerinnen und Spieler der Freizeitrunden kümmert und deren Interessen gegenüber dem Sportwart vertritt. Diese Person könnte den Austausch zwischen den einzelnen Mannschaftsführern sowie die Kommunikation mit dem TVM aktiv fördern, wichtige Informationen bündeln und den reibungslosen Ablauf im Breitensportbereich unterstützen. Durch eine solche Koordination ließen sich die Wünsche und Anregungen der Teilnehmenden gezielter weitergeben und die Organisation von Freizeitaktivitäten nachhaltig stärken.

Das Interview führte Quentin Bröhl