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Organisation und Termine

Interview mit Utz Uecker

Präsident Utz Uecker nimmt Stellung

TVM-News 2020 +++13. März: mit sofortiger Wirkung wurden alle Spiele der Hallenwinterrunde eingestellt. +++Der TVM-Verbandstag am 21. März wurde abgesagt +++Das Verbands-und Bezirkstraining findet voraussichtlich erst wieder nach dem 19. April statt +++Alle Aus-und Fortbildungs-Veranstaltungen wurden bis zum 14.April ausgesetzt+++Der Start der Medenspiele wurde auf den 8.Juni verschoben+++Der Verbands-und Bezirks Pokal fällt aus +++Die Verbands-und Bezirksmeisterschaften entfallen

Das waren in den letzten Wochen für den Spielbetrieb im TVM die wichtigsten Meldungen. Die Tennisspieler und Mannschaften des Verbandes müssen sich wegen der Corona Pandemie mit einer völlig veränderten Tennissaison vertraut machen. Änderungen sind aufgrund der weiteren Entwicklung außerdem noch möglich (Stand April).

Zur aktuellen Situation stellte sich TVM-Präsident Utz Uecker den Fragen von Michael Thoma

-Herr Uecker, Sie sind ein leidenschaftlicher Tennisspieler. Wann haben Sie zum letzten Mal Tennis gespielt?
Gefühlt ist das schon langer her, aber es muss der 08. März gewesen sein, mittags in der Halle.

-Sie sind jetzt als Krisenmanager gefordert. Wie muss man sich derzeit eine Entscheidungsfindung vorstellen. Wer ist alles daran beteiligt ?
Da gibt, es mehrere Ebenen. Zunächst und an erster Stelle sind es die Bundes-, Landes- und Bezirksregierungen die uns Vorgaben machen.

Danach örtliche Ämter wie Gesundheitsamt, Sportämter etc.. Das ist die regulative Ebene. Dann haben wir im Sportbereich den LSB (Landessportbund) und den DTB, der auf Grundlage der regulativen Vorgaben Handlungsempfehlungen herausgibt und mit dem wir im engen Kontakt und Austausch stehen. Bevor wir dann den Spielbetrieb einstellen und/oder entsprechende Handlungsempfehlungen an unsere Vereine herausgeben, stimmen wir uns noch mit den Landesverbändern innerhalb NRW´s, also mit dem Tennisverband Niederrhein und dem Westfälischen Tennisverband eng ab.

-Ein kurzer Blick zurück: wann haben Sie gedacht „oh je was kommt da auf uns zu“?
Nachdem im Januar der erste Fall auch in Deutschland angekommen war, hatte ich noch daran geglaubt, dass durch geeignete Gegenmittel die Pandemie zu verhindern wäre. Zum weiteren Verlauf aber muss ich ehrlich sagen, dass mir die gesamte Tragweite erst kurz vor Verkündung der Schließung von Sportstätten richtig bewusst wurde. Wir haben dann aber sehr schnell gehandelt und teilweise noch vor der Reaktion des DTB entsprechende Handlungsverfügungen an unsere Vereine verschickt und veröffentlicht.

-Die Spiele der Winterrunde mussten mitten im Spielbetrieb abgebrochen werden. Wie haben die Vereine/Spieler reagiert?
Natürlich gab es auch Unmutsäußerungen. Aber im Großen und Ganzen hat die Mehrheit wohl eingesehen, dass der Abbruch nur eine logische Folge der Entwicklung der Krise war.

-Welche Auswirkungen hatte die Absage für den Verband bzw. die Vereine?
Die Auswirkungen sind auf allen Ebenen der Verbandsarbeit spürbar. Zunächst kam die „sportliche Analyse“ und Abstimmung wie grundsätzlich mit dem Novum umzugehen ist. Wir mussten zu einer Behandlung der Ergebnisse kommen, die allen gerecht wird. Da haben wir natürlich den „Aufsteigern“ keinen Gefallen getan. Die müssen sich jetzt im Winter 2020/21 erneut behaupten. Dennoch haben wir m. E. eine gerechte Lösung geschaffen.

In einem zweiten Schritt hat das Ganze natürlich auch eine finanzielle Tragweite, da der TVM zur Durchführung der Spiele Tennishallen beauftragt und anfallende Gebühren an die Vereine weiterberechnet. Somit gibt es Anfragen zu Rückerstattungen / Gutschriften etc. Für die Vereine ist natürlich noch die entgangene Spielfreude, der Aufstieg und eventuelle Einnahmen im Bewirtungsbereich zu nennen.

-Die drastischste Maßnahme war wohl die Verlegung der gesamten Medenspielsaison. Davon sind ja die allermeisten Tennisspieler – 51.085 Spieler in 3.485 Mannschaften -des Verbandes betroffen. Wie hoch lassen sich die Kosten für den ganzen organisatorischen Aufwand für die Verlegung beziffern?
Von einer gesicherten Verlegung kann derzeit leider noch nicht ausgegangen werden. Wir haben mit dem Medenspielbeginn im Juni ein Szenario entwickelt, welches die Durchführung der Medenspielsaison im Sommer 2020 mit Erweiterung des Rahmenterminplans noch möglich macht. Wir gehen derzeit davon aus, dass wir am 8. Juni starten können, was aber keineswegs gewiss ist.

Die Kosten lassen sich derzeit in der Höhe noch gar nicht beziffern. Mit jedem Wettbewerb und jeder TVM-Veranstaltung, die nicht ausgetragen werden kann, verringern sich letztlich die Einnahmen bei größtenteils gleichbleibenden Kosten wie Gehältern, Infrastruktur- und Betriebskosten. Zudem entfallen Einnahmen aus Aus- und Fortbildungen, Beantragungsgebührenfür LK-Turniere, etc.. Je nachdem wie umfangreich die Ausfälle der Saison sein werden, hat dies natürlich auch mittelbare Auswirkungen, z.B. auf unsere Ballpartnerschaften und Sponsoren. Auch hier stehen wir in Kontakt und in einem Austausch. Wir erarbeiten derzeit auch hier Prognosen basierend auf den Vorjahresdaten mit verschieden Szenarien. Auch mit dem Worst-Case, dass die Medenspiele ganz abgesagt werden müssen, was wir aber alle nicht hoffen.

-Die Entscheidungen müssen in der Praxis umgesetzt werden. Für Ihre Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle gibt es wohl noch genug zu tun?Wie wird aktuell gearbeitet? Wie findet Kommunikation statt?
Wir sind alle sehr froh, dass wir im letzten Jahr die Geschäftsstelle auf eine ASP-Betrieb umgestellt haben. Somit können alle von zu Hause arbeiten und die Daten und Anwendungen liegen alle in einer gesicherten Umgebung außerhalb des TVM.

Die Kommunikation haben wir komplett umgestellt auf einen virtuellen Chatroom bei einem Dienstanbieter. Wir „treffen“ uns regelmäßig in diesem Chatroom, tauschen uns aus und fällen Entscheidungen. Da nehme ich regelmäßig teil.

Zu tun gibt es derzeit noch genug. Die angesprochenen Szenarien müssen erarbeitet und in den ansprechenden Planungshilfen geprüft werden.

Weiterhin muss die aktuelle Kommunikation und Information zu unseren Mitgliedsvereinen aufrecht erhalten werden. Derzeit ändert sich die Lage ja fast stündlich.

Es kommen auch viele Anfrage aus den Vereinen zu möglichen Ausnahmegenehmigungen für den Trainingsbetrieb und natürlich zu organisatorischen Fragen wie dem Beginn der Medenspiele. Weiterhin gibt es bei größeren Vereinen Fragen zu Kurzarbeit und Soforthilfen. Da wollen wir natürlich Rede und Antwort stehen, so gut es geht.

-Ohne Arbeit sind derzeit die Trainer des Verbandes und der Bezirke. Welche Hilfestellungen leisten sie als Verband?
Und der Vereine! Im Verband sind die Trainer überwiegend selbständig tätig. Für die ist die Situation natürlich ebenfalls schwierig. Die Trainer versuchen aber digital bestmöglich den Kontakt zu unseren Kaderathleten aufrecht zu erhalten, arbeiten Trainingspläne aus und drehen Fitnessvideos als Trainingsprogramm für Zuhause. Den Trainern möchte ich an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen wie sie sich hier engagieren! Wir versuchen von unserer Seite alle Trainer auch hier mit Informationen zu Soforthilfen, etc. zu informieren und damit Unterstützung zu leisten.

-Durch die aktuelle Situation entstehen auch für die Vereine neue möglicherweise noch nie da gewesene Probleme. Wie unterstützen Sie die Clubs?
Durch die Einstellung des Sportbetriebes entstehen hauptsächlich Einnahmen-Ausfälle bei den Trainern und in der Clubgastronomie. Bei den größeren Clubs mit vereinseigenen Tennishallen gibt es noch einmal verstärkt Probleme, insbesondere auch dann wenn hauptamtliche Mitarbeiter in den Geschäftsstellen oder angestellte Trainer beschäftigt werden.

Da können wir mit Soforthilfeprogrammen, die wir verständlicher aufbereiten und dann direkt an die Vorstände der Vereine verschicken dazu beitragen, dass Vereine den Zugang zu den richtigen Informationen und Quellen für Hilfe erhalten. Ebenso bereiten wir Möglichkeiten der Kurzarbeit auf und geben diese weiter.

-Was sind konkrete Probleme. Was sind die häufigsten Fragen?
Die kleineren Vereine, die größtenteils die Frühjahrsinstandsetzung in Eigenleistung ausführen, treten an uns heran und erkundigen sich wie damit umgegangen werden kann. Wir empfehlen hier die Kontaktaufnahme mit den Behörden vor Ort.

Dann gibt es viele Fragen zu Verlegungen von Turnieren und Veranstaltungen.

Einige Vereine kommen auch mit den Fragstellungen zu Rückerstattungsansprüchen und Fragen zu den Soforthilfen auf uns zu.

-Sind die Folgen für den Verband und die Vereine abzusehen. Müssen z.B in finanzieller Hinsicht Opfer gebracht werden?
Da noch nicht abschließend bekannt ist, ob überhaupt Medenspiele dieses Jahr stattfinden und wieviel Turniere dieses Jahr wohl noch gespielt werden können, ist das kaum absehbar.

An dieser Stelle aber mal einen klaren Aufruf an die Mitglieder aller Vereine: Ein Verein ist kein Store oder Service-Provider bei dem ich mit meinem Mitgliedsbeitrag eine Ware oder Dienstleistung bestellt habe und Geld zurückfordere wenn ich die Ware oder Dienstleistung nicht vollständig erhalte. Wir gehen hier einer Freizeitbeschäftigung nach, einer amateurhaften Freizeitbeschäftigung, die von ehrenamtlichen unentgeltlich gemanagt wird. Und Amateur heißt mit Liebe. Also bitte nicht gleich den Mitgliedsbeitrag oder die Abokosten in der Halle zurückfordern wenn man in dieser besonderen Situation nicht spielen kann, sondern den Verein unterstützen, damit er überlebt und uns Freude macht.

-Haben Sie schon eine Vorstellung, wann aus dem Krisenmanager wieder der Tennisspieler Utz Uecker wird?
Die Vorstellung ist: lieber heute als morgen. Das ist natürlich nicht möglich, aber ich hoffe doch sehr, dass wir dann Anfang Juni oder vielleicht schon im Mai wieder spielen können.

Michael Thoma