Saisonfinale 2. Herren Bundesliga: Zittern und hoffen für TVM-Teams
Vier Spieltage vor dem Ende der Saison beginnt dieses Wochenende (31.7.) die heiße Phase in der 2. Bundesliga. Die beiden TVM-Teams aus Aachen (3.) und Marienburg (8.) blicken mit gemischten Gefühlen auf das Saisonfinale. Um den Klassenerhalt muss der Marienburger SC zittern. BW Aachen bleibt oben dran.
TVM-Verbandsmeister Philipp Bosse schlug diese Saison schon mehrmals für den MSC auf.
Marienburger SC: Überraschung gegen Aachen
Damit hatten die wenigsten gerechnet. Ausgerechnet beim bis dahin noch sieglosen Marienburger SC wurden die Aufstiegshoffnungen des Erstligaabsteigers aus Aachen zunächst einmal frühzeitig gestoppt. 7:2 stand es am 4. Spieltag kurz vor Beginn der Tagesschau für den Gastgeber, der bereits nach den Einzel uneinholbar mit 6:0 in Führung lag. „Das war spektakulär“, lobte MSC-Coach Dirk Hortian einen Tag später noch den Auftritt seiner Truppe. Dabei hatte es für den MSC gar nicht gut begonnen. In zwei Einzel lagen Daniel Michalski und Alexey Vatutin zum Auftakt nach dem ersten Satz deutlich zurück.
Dann drehten beide das Match und gewannen im Champions Tiebreak. „Dann lief es auch bei allen anderen wie geschmiert,“ war der Coach mit der Vorstellung seiner Spieler mehr als zufrieden. “Wir wollten einen besonderen Sieg landen, um nach den ersten beiden Niederlagen noch in der Verlosung zu bleiben,“ erläutert Dirk Hortian zu diesem Zeitpunkt das Prinzip Hoffnung auf den Klassenerhalt. “Wir sind guter Dinge,“ so der Coach obwohl zwei Tage später bereits mit Suchsdorf ein Gegner bevorstand, der ebenfalls nach sieglosem Auftakt die Klasse halten möchte. „Das hat schon einen kleinen Finalcharakter,“ blickt Hortian realistisch auf das noch bevorstehende Programm.
Suchsdorf, im hohen Norden bei Kiel gelegen, bedeutete aber bereits vor dem 1. Aufschlag Stress pur. Nach dem Sieg gegen die Aachener ging es anschließend acht Stunden mit dem Zug weiter. Trainiert wurde am Samstag noch einmal gegen fünf, bevor es dann am Sonntag ernst wurde. Wegen des Regens musste in der Halle gespielt werden und da lief es überhaupt nicht rund für den MSC. Die Gastgeber lagen nach den Einzeln bereits mit 5:1 in Führung. 3:6 lautet das Endergebnis. Damit belegt der MSC vor dem Saisonfinale Platz 8 vor den punktgleichen Teams aus Bremen und Suchsdorf.
Zurück zum Saisonstart. Eigentlich wollte der MSC gleich zum Beginn mit einem Heimsieg über Bremen ein wichtiges Zeichen für den Klassenerhalt setzten. „Wir mussten gegen Bremen unbedingt gewinnen,“ ärgerte sich Coach Dirk Hortian noch lange über den verpatzten Auftakt. Mit 5:4 entführten die Gäste für sie wichtige Punkte in die norddeutsche Heimat. Die Entscheidung fiel im 2. Doppel im Champions Tiebreak. Weiter gings für den MSC beim haushohen Favoriten BW Krefeld, der mit 8:1 seine Aufstiegsambitionen deutlich machte. Nicht leichter war anschließend die Aufgabe bei RW Berlin. Nach dem klaren 6:0 Vorsprung der Berliner nach den Einzeln sorgten zwei MSC Doppelsiege lediglich für eine Ergebniskorrektur (7:2).
ATP Top-50-Spieler Zizou Bergs war diese Saison für den BW Aachen aktiv. Bild: BW Aachen/Marc Zander
BW Aachen: Ein Auf und Ab
Die unglückliche 4:5 Niederlage beim Rochusclub in Düsseldorf am 2. Spieltag hatten die Blau-Weissen gerade mal zwei Wochen verdaut, als sie mit der Pleite beim Marienburger SC klar kommen mussten. Damit hatte beim Erstligaabsteiger niemand gerechnet. „Das war ein Scheiß-Tag,“ fasste es Team Chef Mark Zander (Zitat ausdrücklich genehmigt) beim Telefonat aus dem Flieger kurz vor der Landung in Berlin zusammen, wo das nächste Spiel seiner Schützlinge anstand.
Besonders haderte er mit den Ausgang der beiden Einzel, in denen seine beiden Belgier Bailly und Geerts klar in Führung lagen. Im Champions Tiebreak gingen die Punkte trotzdem an die Gastgeber. „Wir haben nicht gut gespielt,“ formulierte der Teamchef den Auftritt seiner Schützlinge anschließend gefasster. Von weiteren Aufstiegsansprüchen wollte er überhaupt nichts mehr wissen. „Über den Aufstieg reden wir nicht mehr.“
Dabei fing die Saison für Aachen erfolgversprechend an. Mit ihrem 9:0 Heimsieg gegen die Berliner Mannschaft des TC Nikolassee setzten sie zum Saisonauftakt gleich eine Duftmarke: Tabellenführer. Lediglich einen Satz gaben die Hausherren gegen die ersatzgeschwächten Gäste in einem Doppel ab. „Es war wohl das schnellste Bundesligaspiel aller Zeiten,“ resümierte Aachens Teamchef Mark Zander schmunzelnd den erfolgreichen Nachmittag.
Dass es so einfach nicht weitergehen würde, war allen Aachenern klar. Gleich im nächsten Spiel (2. Spieltag) wurden sie im Auswärtsspiel beim Rochusclub Düsseldorf auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Nach einem dramatischen Verlauf stand es zum Schluss 5:4 für die Gastgeber, die selbst Aufstiegspläne haben. Beim Halbzeitstand von 3:3 rechneten sich beide Teams noch Siegchancen aus. Es folgte der 4:4 Gleichstand. Dann wurde es bitter für die Gäste aus Aachen. Den entscheidenden Punkt zum 5:4 Gesamtsieg für Aachen hatten De Jong/Deseins im 3. Satz Champions Tiebreak so gut wie auf dem Schläger. Bei eigenem Aufschlag führten die beiden mit 9:6. Das eine noch fehlende Pünktchen zum 5:4 Gesamtsieg wollte einfach nicht fallen. Die Düsseldorfer holten dagegen Punkt für Punkt. Matchbälle auf beiden Seiten spannten alle Zuschauer lange auf die Folter. Enger geht’s nicht. Jubeln konnten beim Matchball zum 14:12 die Spieler und Fans der Gastgeber. Die Aachener musste mit einer ganz bitteren Niederlage die kurze Heimreise antreten.
Viel Zeit zum Trübsal blasen blieb dem Team nicht. Zwei Tage später stand bereits die nächsten Aufgabe gegen den Oldenburg auf dem Programm. Und die bewältigte der Erstliga-Absteiger vor heimischen Publikum mit einem 6:3 Sieg. Die Antennen waren zu diesem Zeitpunkt wieder Richtung Wiederaufstieg gestellt. Die Hoffnung währte nur eine Woche bis zur Pleite in Marienburg.
Der Doppelspieltag endete dann doch noch mit einem Erfolgserlebnis. Zwei Tage später bewiesen die Aachener, kämpferisch gut erholt, in Berlin ihre Nehmerqualitäten. Gegen Blau-Weiss Berlin setzten sie sich mit zwei entscheidenden Siegen in den Doppelbegegnungen mit 5:4 durch. Der Lohn: Platz 3 in der Tabelle. Es darf wieder über den Aufstieg geredet, auf jeden Fall geträumt werden.
Text: Michael Thoma