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Seniorensport

Tennis als Lifetime-Sport: Günter Dreschke lebt es vor

Günter Dreschke ist gebürtiger Brandenburger und im Leben viel herumgekommen: Der 91-Jährige war Gymnasiallehrer in Bensberg und Argentinien, Schulleiter an Deutschen Auslandsschulen in Mexiko und Chile, spielte Handball und betrieb weitere Sportarten, bis er schließlich zum Tennis kam. Der Tennissport hat ihn bis heute nicht losgelassen, und auch eine schwere Verletzung vor über einem Jahr hat ihn nicht aus der Bahn geworfen. Seit einem Monat trainiert er wieder beim TC Grün-Gold Bensberg – wir sprachen kurz vor Saisonbeginn mit einem der wenigen Ü90-Spieler in NRW.

Günter Dreschke

Günter Dreschke

Sie sind relativ spät zum Tennis gekommen, mit 35 Jahren. Wie kam es dazu?

Durch einen meiner Schüler in Bensberg, der ebenfalls ein sehr guter Sportler war. Und da ich alter Handballer war, konnte ich sowohl von der Kondition wie vom Ballgefühl her das Tennisspiel einigermaßen schnell erlernen.

Allerdings bin ich nicht sofort einem Verein beigetreten, weil ich viel gereist bin: 1974 bin ich zum ersten Mal ins Ausland gegangen, an die Goetheschule in Buenos Aires. Dort habe ich die Mädchen-Handballmannschaft trainiert, mit der ich 1979 sogar im ZDF-Sportstudio zu sehen war. Später bin ich dann Schulleiter an der Deutschen Schule in Santiago de Chile geworden, anschließend Schulleiter in Puebla in Mexiko. Der Tennissport hat mich jedoch immer begleitet. Schließlich ging es 2002 zurück nach Bensberg – und dabei auch zum TC Grün-Gold, wo ich immer noch Mitglied bin und meine sportliche Heimat gefunden habe.

Was schätzen Sie besonders am Tennissport?

Man kann in jedem Alter anfangen, Tennis zu spielen. Der ganze Körper wird gefordert, ohne dass er übermäßig belastet wird. Man muss lediglich ein bisschen Spaß an der Bewegung haben und man trifft interessante Menschen in den Vereinen. Zudem kann man sich dort toll einbringen – beim TC Grün-Gold war ich unter anderem in der Jugendabteilung und im Jugendausschuss aktiv. Das Soziale ist ein wesentlicher Punkt, weshalb ich beim Tennis geblieben bin. Man kann sich auch im Alter immer weiterentwickeln: In der Herrenmannschaft Ü80 habe ich bis Ende 2024 problemlos mitspielen können und auch Medenspiele bestritten. Wir haben in der Mittelrheinliga gespielt - damals noch Oberliga. In der Saison 2024 habe ich mit meinem Doppelpartner Olaf Ehrich kein einziges Medenspiel verloren.

Ihr Körper hat das ja lange problemlos mitgemacht.

Das stimmt - selbst wenn man leichte Blessuren hatte. Zudem habe ich zwei künstliche Kniegelenke - das war vor rund zehn Jahren einfach notwendig. Aber ich habe mich damals im Oktober operieren lassen, damit ich im April wieder anfangen konnte, Tennis zu spielen. (lacht)

Leider hatte ich am 3. Februar 2025 einen schweren Sportunfall, wie ich es mir nie in meinem Leben vorstellen konnte. Ein klassischer Unfall in einem Doppel: Mein Mitspieler hatte mich nicht bemerkt, ich war kurz vor ihm am Ball und er erwischte mich an der Seite, mit jeder Menge Schwung. Ich bin auf die gesamte linke Körperseite geflogen - unglücklicherweise auch noch auf einen Querbalken, der neben dem Platz lag. So einen Schmerz habe ich noch nie erlebt, ich konnte die Finger nicht mehr bewegen vor Schmerzen. In der Notaufnahme wurden zunächst jede Menge Blutergüsse und eine Luxation festgestellt, jedoch erst im MRT ein Totalabriss der Rotatorenmanschette. Ab da war die einzige Alternative ein künstliches inverses Schultergelenk. Das habe ich in der Orthopark Klinik in Köln machen lassen – der behandelnde Professor sagte zu mir: „Sie sind zwar fast 90 Jahre alt, aber ihr biologisches Alter liegt zwischen 70 und 75. Deswegen ist diese OP bei Ihnen durchaus angeraten.“

Noch etwas später stellte sich heraus, dass auch das Akromion gebrochen war. So konnte ich erst Ende September 2025 mit der regulären Physiotherapie beginnen. Diese Schwachstelle in der Schulter wird wohl für immer bleiben. Ich konnte trotzdem im Januar anfangen, zu trainieren – ein großartiges Gefühl. Und im Februar habe ich tatsächlich an den Deutschen Hallenmeisterschaften teilgenommen, auch um die anderen 90er Freunde wieder zu treffen. Natürlich war ich noch lange nicht ganz der Alte.

Was gibt einem das Tennisspiel? Wie würden Sie es beschreiben?

Der Tennissport sorgt dafür, dass ich im Kopf und in der Physis vital bleibe. Und das ist für mich entscheidend. Außerdem kann ich meine Kommunikationsfähigkeit erhalten, sowohl mit Gleichaltrigen wie auch mit Jüngeren. Als Senior werde ich innerhalb des Clubs von jüngeren Kollegen bestaunt. Oft höre ich Sätze wie: „Das ist unmöglich, dass du dich noch mit 90 so souverän bewegst.“

Was ist Ihre Spezialität im Tennis?

Die Vorhand, vielleicht auch der Aufschlag und beim Doppel die Position am Netz. Wenn ich einen guten Partner habe, der hinten die Bälle gut lang setzen kann, wie mein Teamkollege Olaf Erich, dann kann ich vorne Bälle abfangen, rangehen und gute Volleys spielen. Ich habe auch schon so manches Ass geschlagen in hohem Alter. (lacht)

Günter Dreschke

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Wie viele Ü90-Spieler gibt es schätzungsweise bundesweit?

Für Turniere sind bundesweit gerade einmal zehn Spieler gelistet. Bundesweit verstreut sind es natürlich mehr. Und das ist auch gut so. Der bekannteste ist Herbert Althaus aus Hamburg, der mehrfacher Deutscher Meister, Europameister und Weltmeister bei den Herren 80, 85 und 90 geworden ist. Er ist immer unser Topfavorit. Ich kenne ihn recht gut, er trainiert immer noch fast jeden Tag.

Wie soll es nun nach der Verletzung bei Ihnen weitergehen – werden Sie sich etwas einschränken?

Ich bin ein grundsätzlich positiv gestimmter Mensch, Optimist und habe großen Lebensmut. Deswegen werde ich versuchen, wieder auf mein vorheriges Level zu kommen. Nach über einem Jahr Pause konnte ich endlich wieder spielen. Das mit der Teilnahme an der Hallenmeisterschaft hat zum Glück funktioniert, wenn auch noch ohne Sieg. Aber das kommt bestimmt noch. (lacht) Ich kann mit dem linken Unterarm den Ball wieder schwungvoll hochwerfen, so dass der Aufschlag gut gelingen kann. Aber mit dem linken Oberarm ist es weiterhin schwierig.

Mit unserer 90er Freundesgruppe wollen wir auch an den Deutschen Senioren Tennismeisterschaften in Bad Neuenahr im Juli teilnehmen. Nach Ostern werde ich daher immer montags und freitags in der Seniorenabteilung bei uns im Club trainieren. Wir sind eine Truppe von 20 bis 25 Leuten – eine tolle Gemeinschaft, die auch nach dem Tennis noch gerne miteinander Zeit verbringt. Und jetzt setze ich auf die Trainingszeit, damit ich für die Meisterschaften gut vorbereitet bin. Das wird bestimmt großartig.

(Interview Johannes Spätling)