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Leistungssport

TVM-Meisterin Chiara Tomasetti ist "Die Vielfliegerin"

Der Sommer in der rheinischen Heimat hatte sich für Chiara Tomasetti - von allen nur Kiki genannt - gelohnt. Zunächst gewann sie bei den TVM-Meisterschaften die Damen-Konkurrenz und anschließend belegte sie mit dem Damen/Herren-Verbandsteam des TVM bei den Großen Meden/Poensgen-Spielen, also den Deutschen Verbandsmannschaftsmeisterschaften, den Platz an der Sonne. Nach den Titelkämpfen im westfälischen Neheim-Hüsten im Juli und der anschließenden Siegesfeier düste sie direkt wieder in die USA, um ihr Studium an der Northern Arizona University in Flagstaff fortzusetzen.

Der Erfolg mit dem Verbandsteam war für sie ein echtes Erlebnis. Noch Tage später – sie war längst wieder an der Uni - schwärmte sie vom Erfolg der gemischten TVM-Auswahl. „Wir hatten eine sehr coole Truppe. Das hat richtig Spass gemacht.“ Obwohl die 20-Jährige sehr gerne und auch erfolgreich Einzel spielt, findet sie das Spielen in der Mannschaft immer als was besonderes. Sie ist ein Teamplayer. Auch ihre Heim- Mannschaft von Grün-Gold Bensberg profitierte davon. Das Team bezeichnet sie als eingeschworene Truppe, die im Sommer in die Regionalliga aufgestiegen ist. Weil es da so viel Spass macht, hat sie auch keine Ambitionen höherklassig, zum Beispiel in der Bundesliga, zu spielen. „In Bensberg kennen wir uns alle schon lange und machen auch außerhalb des Tennisplatzes vieles gemeinsam.“

Nach dem Abitur vor drei Jahren, als sie ein Sport-Stipendium für ein Studium in den Staaten erhalten hatte, hielten sich die gemeinsamen Aktivitäten zwangsläufig etwas in Grenzen. Beim regelmäßigen Besuch in der Heimat bestand Nachholbedarf. Chiara konnte viel aus ihrer neuen Heimat erzählen. „Flagstaff liegt auf 2000 Meter Höhe und hat viel Schnee. Es ist aber immer sonnig“, berichtet sie von den unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen im Vergleich zum heimischen Rösrath. Der Ort mit seinen gut 65.000 Einwohnern ist ein beliebtes Touristenziel, direkt vor den Grand Canyons gelegen. Außerdem durchquert die bekannte Route 66 den Ort. Es gibt also genug zu erzählen.

Für die Uni in Flagstaff hatte sich Chiara entschieden, weil ihr älterer Bruder Fabio dort ebenfalls studiert hat. Bei Besuchen fand sie Gefallen an dem College und der imposanten Umgebung. Das passte alles zusammen. „Ich wollte nach dem Abi ins Ausland und etwas von der Welt sehen, viele Menschen und neue Kulturen kennenlernen“, erzählt sie von ihren Überlegungen nach dem Abitur an der Freiherr-von-Stein-Schule in Rösrath. Das Stipendium und die Besuche beim Bruder haben sie dann bestärkt, auch die Zehn-Stunden-Flüge nach Arizona in Kauf zu nehmen. Sie hat es nicht bereut.

Ganz wichtig war für Chiara aber auch, dass sie weiter ihre Tennisambitionen ausleben konnte. “Hier ist es viel leichter, das Studium mit dem Sport zu verbinden als in Deutschland“, schwärmt sie von den Angeboten und Rahmenbedingungen. Auf ihr Tennistalent ist man vor Ort schnell aufmerksam geworden. Als Mitglied der College Mannschaft und Erfolgen im Einzel wurde sie im ersten Jahr auf Anhieb zum „Rookie of the Year“ in der Region ernannt. Und mit den Ehrungen ging es weiter. Im letzten Jahr erhielt sie den Titel „most valuable player“.

Sie hat es im Westen der USA vielversprechend angetroffen. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht, auch weil Tennis nicht zu kurz kommt. „Ich trainiere täglich zwei Stunden mit dem Team, außerdem noch einige Male allein“, berichtet sie von ihrem Trainingspensum, das auch dreimal in der Woche noch Krafttraining beinhaltet. Das Studium und auch der Spass am College-Leben kommt nicht zu kurz. Wer die Bilder auf ihrer Instagram-Seite sieht, kann das leicht nachvollziehen.

Der Tennisvirus hat Chiara bereits mit vier Jahren gepackt, als sie mit ihrem Vater vor der Garageneinfahrt die ersten Ballwechsel schlug. Ihr Papa, verrät sie, war früher auch recht erfolgreich. Als Ü-40 Spieler nahm er, so die stolze Tochter, drei Mal an der Mannschaftsweltmeisterschaft seiner Altersklasse teil. Chiaras erster Verein war Rot-Weiss Overath, bevor sie mit 15 Jahren nach Bensberg wechselte.

Trotz des Studiums und der regelmäßigen Pendelei zwischen Rösrath und Flagstaff sind ihre Tennis-Ambitionen gestiegen. Erfolge machen Spass und motivieren. „Ich hab früher nie davon geträumt einmal Tennis-Profi zu werden“, wirft sie einen Blick zurück auf ihre Zeit als Teenager, als sie noch andere Prioritäten setzte. „Inzwischen macht mir das alles viel Spass, besonders das Turnierspielen“, deutet sie an, was sie möglicherweise nach dem Abschluss des Studiums auf den Tenniscourts dieser Welt noch alles so vorhat. „Vielleicht gehe ich doch noch auf die Tour“, verrät sie aktuelle Überlegungen oder auch Träume, die man auch mit 21 Jahren noch haben kann. Im nächsten Sommer wird sie ihr Studium beenden. Dann will sie mal „schauen was geht“.

Sie hat noch ein bisschen Zeit. Zunächst steht über Weihnachten wieder der Besuch bei der Familie auf dem Programm. Auf die drei Wochen freut sich der Familienmensch Chiara schon heute. Mit ihren Eltern, den beiden Brüdern und ihren Freundinnen wird sie auch ihre Pläne austauschen. Das nächste Jahr wird spannend – egal wie Chiara sich beuflich oder sportlich entscheiden wird. Ein Ziel steht für 2020 bereits fest. „Ich würde gerne mit der Großen Meden/Poensgenmannschaft des TVM den Deutschen Meistertitel verteidigen.“ (Michael Thoma)