Wolfgang Krückels: 70 Jahre immer Rot-Gold
Die Überraschung war gelungen. Bei der Mitgliederversammlung des Herzogenrather TC Rot-Gold überraschte der Vorstand seine Mitglieder und auch das „Geburtstagskind“ Wolfgang Krückels, der in diesem Jahr sein „70 Jähriges“ im Club an der Wiesenstraße feiert, mit einer großen Fotowand im Clubhaus. Viele Momente des inzwischen 81-Jährigen im Club, besonders aber auf dem Tennisplatz, waren darauf liebevoll zusammengestellt.
Die Fotowand mit vielen Erinnerungen an Wolfgang Krückels Leben im Herzogenrather TC Rot-Gold.
Wow. Viele wussten gar nicht so recht wohin sie zuerst schauen sollten. Es gab viele „Weißt du noch“ Momente. So manch einer fühlte sich an die eigene Tennisgeschichte erinnert. Der Club ist selbst nur vier Jahre älter als das Jubiläumsmitglied. Damals, also in den 50er Jahren, konnten sich die ersten Mitglieder mit dem Tennisschläger nur auf zwei Plätzen ausprobieren. Heute sind es sechs. Noch keine Spur von einem Clubhaus. „Umziehen musste man sich in einer Art Mini-Hütte“, wie sich der Jubilar heute schmunzelnd erinnert.
Der Reihe nach: Für den 12-jährigen Wölfes, wie ihn bis heute alle im Club noch nennen, begann die Tennisreise mit einem Geschenk. Sein Stiefvater überraschte ihn mit dem Aufnahmeantrag im damals einzigen Herzogenrather Tennisclub (heute sind es drei: noch Blau-Geld Merkstein, TC Kohlscheid).
„Das war für mich wie ein Sechser im Lotto“, erinnert er sich. Vorher spielte sich die Kindheit für ihn hauptsächlich nur in der Kneipe seiner Mutter ab. „Ich musste sehr viel mit anpacken. Es war halt kein normales Familienleben.“ Geschichten, die der Sport zu bieten hat, nahm er nur aus den Gesprächen in der geselligen Kneipe wahr, damals ein Treff für viele Herzogenrather Sportvereine.
Wolfgang Krückels.
Als er endlich mit dem ersten Holzschläger selbst loslegte, konnte es nicht schnell genug gehen. „Ich hab mir alles selbst beigebracht“, ist er heute noch stolz auf seine eigene „Ausbildung“, an die heute viele Pokale erinnern. Seitdem tauchte sein Name regelmäßig in den Siegerlisten bei den Club- und auch Stadtmeisterschaften der drei Herzogenrather Vereine auf. „Besonders stolz bin ich auf meine 1. Clubmeisterschaft mit 15 Jahren.“ Der erste Pokal: ein Silber Becher mit Gravour.
Stolz erinnert er sich auch an ein sportliches Highlight mit der Herrenmannschaft. Es war der Aufstieg in die 1. Verbandsliga. Auf der Anlage von Blau-Weiss Jülich gelang die Überraschung, die anschließend entsprechend gefeiert wurde. Es war an diesem Tag nicht der einzige Grund zum jubeln. Der 7. Juli war ein besonderes Datum. An diesem Tag trafen bei der Fußball WM 1974 Deutschland und die Niederlande im Finale aufeinander.
Weil der letzte Matchball zum Tennis-Aufstieg in Jülich pünktlich vollendet wurde, konnte anschließend in Herzogenrath in einer Kneipe vor einem schwarz-weiß Bildschirm gemeinsam weiter gezittert und gehofft werden. Als der 2:1 Sieg zum WM-Titel durch den entscheidenden Treffer von Gerd Müller nach 90 Minuten abgepfiffen wurde, jubelte man ganz besonders in der Grenzstadt Herzogenrath. In der Kneipe und der Stadt, nur wenige Meter von der niederländischen Grenze entfernt, wurde es noch ein langer Abend. Der Jubel wird heute noch vielen Niederländern, jenseits der Grenze im Gedächtnis nachklingen.
Die Pokalsammlung.
1974 war für Wolfgang Krückels ein ganz besonderes Jahr. Er heiratete seine Uschi. Dem Familienglück stand nichts mehr im Weg. Zwei Töchter, sowie inzwischen zwei Enkelinnen, verwiesen Tennis längst auf den 2. Platz. Alles ist auch nachzulesen in seiner Biografie „Was ich erzählen möchte“. Auf 400 Seiten lässt er viele Stationen aus seinem „schönen und erfolgreichen Leben“, so der Untertitel, garniert auch mit viel Tennis Nostalgie, Revue passieren. „Ich habe das Buch zunächst nur für die Familie geschrieben“, erläutert er sein Eintauchen in die eigene Geschichte. Ein Verlag hat schon Interesse signalisiert.
Ein weiteres Standbein des Familien- und Vereinsmenschen war der Beruf. Nach dem Abitur am Gymnasium in Herzogenrath studierte er Jura. „Ich hatte einmal eine Gerichtsverhandlung besucht. Das hat mich gepackt. Das wollte ich zu meinem Beruf machen,“ offenbart er sein Faible für die Gerechtigkeit. Mit seiner ausgleichenden Art in allen Lebenslagen, entschied er fortan auch offiziell alles immer mit besten „Wissen und Gewissen“. Nach seiner Promotion wurde er Strafrichter in Geilenkirchen und Aachen, später noch Familienrichter in Aachen. Als Vollstreckungsleiter der Justizvollzugsanstalt Heinsberg lernte er zehn Jahre auch hautnah die Probleme jugendlicher Straftäter hinter den Gefängnismauern kennen.
Ernennung zum Ehrenmitglied des Herzogenrather TC Rot-Gold im Jahre 2007.
Zurück zum Tennismenschen: Auf dem Platz gehörte er immer zu den Besten im Club. Von seiner Persönlichkeit, seinem Wissen und Knowhow profitierte auch der Verein. Als 2. Vorsitzender und Sportwart setzte er sich viele Jahre immer ehrenamtlich für die Clubbelange ein. Legendär sind seine Handicap-und Schleifchenturniere, die er als Sportwart organisierte. Das Highlight: Ein Mixed-Turnier, bei dem die Partner mit Handschellen aneinander gekettet waren. Die Gaudi ist vielen noch heute in bester Erinnerung.
Mit seinen früheren Medenspiel-Kumpels aus der Seniorenmannschaft ist Wolfgang Krückels auch in seinem 70. rot-goldenen Jubiläumsjahr noch auf dem Tennisplatz an der Wiesenstraße aktiv. Zusätzliche sportliche Einheiten verordnet er sich noch drei Mal in der Woche in einem Fitnessstudio. Die Fotowand soll bis zur nächsten Jahreshaupt-Versammlung ja noch mit weiteren Fotos ergänzt werden.
Text: Michael Thoma