2. Bundesliga Herren: Gemischte Gefühle bei TVM-Teams
In der 2. Herren Bundesliga hat sich der TK Blau-Weiss Aachen ohne Niederlage die Meisterschaft und damit den Aufstieg in die 1. Bundesliga gesichert. Für Aachen war es nach 2015 bereits der zweite Aufstieg in die höchste Liga. Für die Mannschaft von Rot-Weiss Köln, die sich auch den Aufstieg zum Ziel gesetzt hatte, reichte es in der Abschlusstabelle nur zur Vizemeisterschaft. Das dritte Team aus dem TVM, der THC Brühl, verpasste den Klassenerhalt im zweiten Jahr in der 2. Liga nur knapp. Als Tabellenletzter muss der TC Bremen die Liga wieder verlassen.
„Wir wollen zu Hause aufsteigen“, lautete die Parole bei Blau-Weiss Aachen als abzusehen war, dass die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die 1. Bundesliga zum Greifen nahe war. Und dieses Geschenk wollten die Spieler ihren Fans zuhause auf der Anlage am Luxemburger Ring bescheren.
Der Spielplan und die Tabellenkonstellation boten dafür ideale Voraussetzungen. Für zwei der Teams, die sich noch Hoffnung auf die Meisterschaft und Aufstieg machen konnten, stand auf der Zielgeraden Aachen auf dem Reiseplan. Gegen die Gastgeber, die bislang noch kein Spiel verloren hatten, mussten der Zweite der Tabelle, Blau-Weiss Krefeld (am Freitag), und nur zwei Tage später, der Dritte, Rot-Weiss Berlin, ihre Aufstiegsambitionen unter Beweis stellen. Für alle Hochrechnungs-Fans war klar, dass Aachen bei zwei Siegen der 1. Tabellenplatz nicht mehr zu nehmen war. Der Tisch war für die Aachener somit gedeckt. Jetzt mussten nur noch die Punkte her.
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Die Entscheidung
Und das gelang dann in imponierender Weise. In beiden Begegnungen stand es nach dem letzten Matchball 7:2 für die Gastgeber. Der Aufstiegsfeier mit den Fans stand nichts mehr im Weg. „Unser Plan ist aufgegangen. Wir wollten mit den Fans hier auf der Anlage den Aufstieg feiern und nicht ein Woche später alleine in Bremen“, strahlte Teamchef Marc Zander nach dem erfolgreichen Wochenende mit den Fans um die Wette. Mit 14:0 Punkten waren die Aachener in der Tabelle nicht mehr einzuholen. „Was will man mehr“, brachte es der Teamchef kurz und prägnant auf den Punkt. Beim Tabellenletzten in Bremen sollte zum Saisonabschluss mit einem weiteren Sieg die Saison meisterschaftswürdig abgeschlossen werden.
Zurück zu den beiden entscheidenden Spielen gegen Krefeld und Berlin, in denen bereits nach den Einzelspielen beim Stande von 4:2 die Zeichen auf Sieg standen. Viel umjubelt dann der Sieg von Gauthier Onclin, der im letzten Einzel gegen Berlin nach seinem gewonnen ersten Satz anschließend noch einen 2:5 Rückstand in einen Tiebreak Sieg (10:7) umwandeln konnte. Der Matchball des Belgiers bedeutete den Aufstieg für sein Team, das anschließend auch noch die beiden Doppel zu seinen Gunsten entscheiden konnten.
Das 1. Endspiel
Es war das entscheidende Wochenende für den Aufstieg der Aachener. Aber bereits eine Woche zuvor war längst noch nicht klar, ob die Reise für Blau-Weiss Aachen in die 1. Liga gehen würde. Mit Rot-Weiss Köln hatte mit dem Nachbarn aus dem TVM noch ein anderes Team gute Karten in das Aufstiegsrennen einzugreifen. Die aufstiegsambitionierten Kölner mussten bei bislang einer Niederlage (gegen 4:5 gegen Ohligs) gegen Blau-Weiss Aachen gewinnen, um den verlustpunktfreien Aachenern im finalen Aufstiegsrennen noch Paroli bieten zu können. Der 21. Juli hatte somit einen vorentscheidenden Charakter.
An diesem Nachmittag entpuppte sich das TVM-Lokalderby dann auch als das erwartete Spiel auf Augenhöhe.3:3 stand es nach den Einzeln. Den erfolgversprechenderen Auftakt hatte der Gastgeber. Thiemo de Bakker (gegen Lucas Gerch) sowie Yannik Reuter (gegen Florian Broska) stellten mit Champions Tiebreak Siegen nach der ersten Einzelrunden den 2:1 Vorsprung her. Den dritten Punkt für Aachen sicherte im Spitzenspiel der Belgier Joris De Loore, der den Franzosen Gregoire Barrere in zwei Sätzen auf die Verliererstraße schickte. “Er hat unglaublich stark gespielt. Den Gegner klar dominiert und richtig starke Aufschläge gezeigt“, war Teamchef Marc Zander noch lange nach Spielschluss voll des Lobs über den Auftritt seiner Nummer 1. Nach dem Sieg von Jan Choinski in der 1. Einzelrunde (gegen Santiago Rodriguez Taverna) sorgten die beiden Italiener Marco Trungelitti (gegen Matteo Donati) und Francesco Forti (gegen Yannick Mertens) mit ihren Siegen für das aus Kölner Sicht noch erlösende Halbzeit Remis.
Entscheidung im Doppel
3:3 also. „Wir hatten lange überlegt, wie wir unsere Doppel aufstellen“, verriet anschließend Marc Zander die mannschaftsinterne Diskussion. Immerhin stand mit Wesley Koolhof die Nummer 1 der Doppel Weltrangliste und aktuelle Wimbledonsieger bei den Kölnern auf dem Zettel. Aber mit dem French Open Doppelfinalisten Sander Gille hatten die Aachener einen nicht weniger prominenten Doppelspezialisten im Angebot. Ihm gelang mit De Loore gegen Koolhof/Trungelitti der zweite Doppelsieg. Das bedeutete den Sieg, denn zuvor hatten Rodriguez Taverna/de Bakker den ersten Doppelpunkt gegen Barrere/Forti perfekt gemacht. Gerch/Pavlasek gelang im dritten Doppel gegen Mertens/Deseins mit einem Champions Tiebreak Sieg noch eine Ergebniskorrektur zum 4:5. „Es war für uns das schwerste Spiel“, zollte Marc Zander seinen Mannen anschließend ein dickes Lob.
Nicht so zufrieden war man im Kölner Lager. Trotzdem gab es Lob für die Sieger. „Aachen hat verdient gewonnen“, so Sussan Karimi, die anschließend auch noch sachlich analysierte.„Wir konnten die verletzungsbedingten Ausfälle von vielen Leistungsträgern nicht auffangen“, erläuterte die Teamchefin im clubinternen Newsletter später die Niederlage und somit das Aus im Aufstiegsrennen. „Facundo Diaz Acosta, Laurent Lokoli und Raphael Collignon hatten sich bei ihren Auftritten in Wimbledon so sehr verletzt, dass mit ihnen nicht geplant werden konnte.“ Außerdem musste Doppelspezialist Dustin Brown noch kurzfristig wegen Rückenbeschwerden passen.
Verletzungssorgen bei Köln
Knackpunkt für die Kölner die 4:5 Niederlage im zweiten Spiel auf der eigenen Anlage gegen Ohligs. Es war die Bundesliga Premiere für den 15-jährigen Christopher Thies, der an Position 6 unverhofft ins kalte Bundesligawasser geworfen wurde. Ein gewonnenes Spiel war seine triste erste Bundesligaerfahrung. Auch im Doppel blieb ihm ein Erfolgserlebnis zum Debut versagt. Neben Jan Choinski verlor er die entscheidende Partie zum 4:5 Endstand.
Die Mannschaftsführung hätte ihm gerne diesen Einstand erspart. Es ging nicht anders. Sussan Karimi: „Francesco Forti war eingeplant. Er saß nach seinem Aus beim Turnier in Bologna bereits im Flieger, der aber kurz nach dem Start wieder landen musste.“ Das Wetter. Deshalb musste Christopher Thies einspringen.
Turniereinsätze der Spieler, aber vor allem die Verletzungsprobleme ihrer Cracks prägten die Saison 2023 der Kölner. Ohne zu lamentieren machte Sussan Karimi deutlich, warum letztendlich nicht mehr drin war. „Sechs Spieler aus dem Kader konnten überhaupt nicht eingesetzt werden, da sie sich kurz vor der Saison auf Turnieren noch verletzt hatten.“ Trotz allem gewann sie der Saison positives ab. „Die Liga war stark wie nie und die Zuschauer kamen auf ihre Kosten. Es herrschte überall eine tolle Stimmung. Deshalb werden wir in der nächsten Saison wieder angreifen.“
Aachen im Flow
Nach dem Sieg im TVM Derby gegen die Kölner surften die Aachener zwei Tage später mit dem 6:3 Sieg über BW Berlin weiter auf der der Erfolgswelle. Das erste vorentscheidende Wochenende hatten die Blau-Weissen somit mit Bravour gelöst. Etwas entspannt konnte sich die zurückhaltende Mannschaftsführung endlich eingestehen, dass ihre Mannschaft mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hat. Den Kopf frei von Abstiegsängsten konnte Aachen sich in den noch verbleibenden drei Begegnungen auf das Aufstiegsrennen konzentrieren. Mit den beiden Siegen über Krefeld und RW Berlin machte Aachen – siehe oben – dann vorzeitig den Deckel drauf. Die Mannschaft war mit 14:0 Punkten in der Tabelle nicht mehr einzuholen.
THC Brühl
Für das dritte TVM Team aus Brühl entwickelte sich der Saisonverlauf überhaupt nicht nach dem Geschmack der Spieler um Coach Andy Blair. „Wir wollten wieder die Klasse halten“, waren sich Coach und Spieler vor der Saison einig. Es kam anders. Gleich zum Auftakt gab es zwei Niederlagen gegen BW Aachen und BW Krefeld, die einkalkuliert waren. Von den beiden 3:6 Niederlagen erholte sich das Team jedoch rasch. Es folgten zwei klare Siege gegen Bremen (8:1) und BW Berlin (7:2). Das hätte schon die halbe Miete sein können. Aber als Ohligs gegen die ersatzgeschwächten Kölner einen 5:4 Sieg verbuchte, war man sich in Brühl im Klaren: Das wird wieder eine Zittersaison bis zum Schluss.
Nach den Niederlagen gegen Suchsdorf (2:7) und RW Berlin (3:6) kam es anschließend am vorletzten Spieltag zu dem schon insgeheim befürchteten Abstiegsfinale gegen Makaba Tennis aus Ohligs. Auf der Anlage des Gegners lagen die Gäste aus Brühl nach den Einzeln bereits mit 2:4 im Rückstand. Etwas Hoffnung kam in den Doppelspielen auf. Eine knappe Zweisatzniederlage (6:7,4:6) sowie zwei Niederlagen im Champions Tiebreak machten jedoch alle Rest-Hoffnungen zunichte. Endstand 2:7. Vor dem letzten Spiel bei Rot-Weiss Köln war klar: Nur ein Sieg könnte die Brühler noch vor dem Abstieg retten. Dann hätte man in der Tabelle BW Berlin, die am letzten Spieltag nur „Zuschauer“ waren auf den Abstiegsplatz schubsen können. „Wir werden in Köln alles geben, um das das Unmögliche noch möglich zu machen“, gab Andy Blair am Vorabend des finalen Spieltags noch die aufmunternde Parole aus. „Wir waren uns aber im Klaren, das wird ganz schwierig.“
Wegen des anhaltenden Regens wurde die Begegnung in die Halle verlegt. Die Kölner mit Benoit Paire an Nummer 1, führten nach der ersten Einzelrunde schnell mit 3:0. So ging es dann weiter. Der Gast aus Brühl hatte keine Chance. Die zweite Einzelrunde ging mit 3:0 erneut klar an die Kölner. Beim Stande von 6:0 verzichteten beide Teams auf die Doppel. Endstand 8:1. Das war der Abstieg für die Brühler.
Wir müssen jetzt alles sacken lassen“, gönnt sich Teamchef Andy Blair erstmals eine Verschnaufpause. An die minimale Hoffnung, dass BW Neuss in der 1. Bundesliga die letzten beiden Spiele gewinnt und somit Erstligist bleiben würde, klammert sich in Brühl niemand. Andy Blair „Wir werden gemeinsam mit dem Vorstand überlegen und entscheiden, wo künftig unsere Ambitionen liegen.“
Happyend und Vorfreude
Der Aufsteiger aus Aachen blieb auch im letzten Auftritt in Bremen ohne Niederlage. „Wir wollten unsere weiße Weste behalten“, hieß die Devise vor der langen Abfahrt aus Aachen gen Norden. Beim Tabellenletzten gehörte erstmals der 15-jährige Niklas Patri zum Aufgebot. Das Eigengewächs sollte mal Bundesligaluft schnuppern. Im Doppel feierte er an der Seite von Yannick Mertens sein Bundesliga Debüt. Zum Abschluss blieben die Aachener ihrer Devise treu. Ihre Bilanz blieb blütenweiß. Sie gewannen in Bremen mit 5:4. Der Sieg stand bereits nach den Einzeln fest. Jetzt freut sich der Aufsteiger schon mal auf das Stadt-und TVM-Derby gegen den TK Kurhaus Aachen in der 1. Bundesliga.
Text: Michael Thoma
Bild BW Aachen: Marc Zander
Bild RW Köln: Benedikt Ernst
Bild THC Brühl: Cornelia Breidohr